Wiener "Lukasmesse": Patienten nie auf Diagnose reduzieren
20.10.202616:52
Österreich/Kirche/Medizin/Beruf
Festgottesdienst des Ärzte-Patrons in der Karlskirche betont Würde jedes Menschen unabhängig von Krankheit und Leistungsfähigkeit
Wien, 20.10.2026 (KAP) Mit einer Festmesse zum Gedenktag des heiligen Lukas ist am Sonntag in der Wiener Karlskirche der Einsatz von Ärzten, Pflegekräften, Krankenhausseelsorgern und weiteren Beschäftigten im Gesundheitswesen gewürdigt worden. Rektor P. Marek Pucalik dankte den im Gesundheitswesen Tätigen für ihren Einsatz. Angesichts budgetärer Herausforderungen sei ein leistungsfähiges Gesundheitssystem keine Selbstverständlichkeit.
Traian Tamas, der Leiter der Krankenhausseelsorge der Erzdiözese Wien, stellte in seiner Predigt die Würde kranker Menschen in den Mittelpunkt. Niemand dürfe auf eine Diagnose, eine Fallnummer oder einen medizinischen Befund reduziert werden. Vielmehr gelte es, die persönliche Geschichte, Ängste und Hoffnungen der Betroffenen wahrzunehmen.
Ausgehend vom heiligen Lukas, der in der christlichen Tradition als Arzt, Evangelist und Künstler gilt, hob Tamas die Verbindung von Medizin, Kunst und Seelsorge hervor. Alle drei Bereiche hätten den Auftrag, den Menschen in seiner Ganzheit zu sehen und sich nicht mit der Oberfläche zufriedenzugeben, sondern wollten tiefer sehen und das Wesentliche eines Menschen erkennen. Der Künstler suche nach der verborgenen Schönheit, der Arzt setze Wissen, Erfahrung und Kompetenz ein, um Krankheiten zu behandeln und Heilung zu ermöglichen, und die Seelsorge begleite Menschen in Krisen, im Leiden und angesichts des Todes.
Gerade im Gesundheitswesen sei dieser Blick entscheidend: Hinter jeder Diagnose stehe ein Gesicht, hinter jeder Krankengeschichte ein Mensch, der Angst habe, leide oder sich mit der eigenen Sterblichkeit auseinandersetzen müsse.
Tamas verwies auf das biblische Verständnis des Menschen als Ebenbild Gottes. Daraus leite sich eine unverlierbare Würde ab, die unabhängig von Krankheit, Leistungsfähigkeit und Lebenssituation bestehe. Ähnliches sei auch aus dem Talmud überliefert, wonach über dem Haupt eines Kranken die "Schechina" - die Gegenwart Gottes - weile, weshalb man sich bei Besuchen nicht einfach auf das Krankenbett oder auf einen Stuhl setzen, sondern sich verhüllen und sich davor niedersetzen solle. Kranken und hilfsbedürftigen Menschen müsse somit besondere Aufmerksamkeit zukommen, schlussfolgerte der Krankenhausseelsorger.
Sogenannte "Lukasmessen" werden rund um den 18. Oktober vielerorts in Österreich gefeiert. Die Feiern des Schutzpatrons der Ärztinnen und Ärzte würdigen die Arbeit von Menschen in Medizin, Pflege und Krankenhausseelsorge und sind zudem dem Gebet für Kranke und Leidende gewidmet. Die Wiener Feier knüpfte an die besondere Geschichte der Karlskirche an: Sie war zum Dank für die Überwindung einer verheerenden Pestepidemie errichtet worden und diente bis ins 19. Jahrhundert als Spitalskirche des Kreuzherrenordens.