Internationales Symposion "Joseph Ratzingers Theologie im Widerstreit" vom 22. bis 24. Oktober an Universität Wien - Kardinal Schönborn im Gespräch mit Organisatoren Tück und Marschler über "Die provokante Wahrheit des Glaubens" - Tück: "Ratzinger gegen Kritiker wie Liebhaber verteidigen"
Wien, 20.10.2026 (KAP) Ein Gespräch mit Kardinal Christoph Schönborn über "die provokante Wahrheit des Glaubens" bildet den Höhepunkt einer internationalen Tagung zur Theologie Joseph Ratzingers, die vom 22. bis 24. Oktober an der Universität Wien stattfindet. Die Tagung, die gemeinsam vom Wiener Dogmatiker Prof. Jan-Heiner Tück und dem Augsburger Dogmatiker Prof. Thomas Marschler organisiert wird, steht unter dem Titel "Joseph Ratzingers Theologie im Widerstreit". Kardinal Schönborn wird am Freitagabend, 23. Oktober, ein öffentliches Podiumsgespräch mit Tück und Marschler führen (Universität Wien, BIG Hörsaal).
Weitere Referentinnen und Referenten der bewusst kontroversiell angelegten Tagung, die das Denken Joseph Ratzingers entlang der drei Leitbegriffe Offenbarung - Schrift - Tradition entfaltet und diskutiert, sind u. a. Helmut Hoping und Magnus Lerch ("Der Primat der Offenbarung"); Ludger Schwienhorst-Schönberger und Eckart David Schmidt ("Schriftauslegung im Widerstreit"), Jan-Heiner Tück und Christian Bauer ("Der Disput um die Konzilshermeneutik"), Karl-Heinz Menke und Hans Schelkshorn ("Glaube und Vernunft im Kontext der Moderne - ein strittiges Verhältnis"), Ioan Moga und Christoph Markschies ("Hellenisierung - ein providentielles Ereignis?") und Thomas Marschler und Markus Weißer ("Die Rolle des Lehramtes im kirchlichen Traditionsprozess").
Den Abschluss der Tagung bilden schließlich nach dem Gespräch mit Kardinal Schönborn weitere Vortrags- und Diskussionseinheiten mit Markus Lersch und Mirja Kutzer ("Wesen und Auftrag der Theologie"), Reinhard Meßner und Marco Benini ("Der Geist der Liturgie im Zwiegespräch"), Barbara Hallensleben und Gunther Wenz ("Ökumene im Disput") sowie Johannes Grössl und Reinhold Bernhardt ("Christologie im Zeichen des Religionspluralismus").
Tück: "Ratzinger gegen Kritiker wie Liebhaber verteidigen"
Die Theologie von Joseph Ratzinger sollte weder unkritisch verehrt noch vorschnell verworfen werden, betonte im Vorfeld der Tagung Organisator Tück im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Kathpress. Nach seiner Beobachtung gebe es heute zwei Lager im Blick auf die Rezeption der Theologie Ratzingers: Während manche Ratzinger überwiegend als Garanten kirchlicher Kontinuität und Rechtgläubigkeit wahrnähmen, reduzierten Kritiker sein Werk häufig auf kirchenpolitische Konflikte seines Pontifikats. Es gelte indes, die Texte genau zu lesen und "Ratzinger gegen seine Kritiker wie auch gegen seine Liebhaber zu verteidigen", so Tück.
Zugleich wandte sich Tück gegen das Bild eines ausschließlich antimodernen Denkers. Zwar habe Ratzinger moderne Entwicklungen wiederholt kritisch analysiert und etwa vor einer "Diktatur des Relativismus" gewarnt. Zugleich finde man beim frühen Ratzinger durchaus andere Töne und differenziertere Analysen. Außerdem verteidige Ratzinger die Tradition nicht als statisch, sondern als dynamisch: "Ich würde Ratzingers Theologie insofern einen Kredit geben, als er eine präsentische Engführung der Theologie durch die Einarbeitung von Kirchenvätern, von Liturgie, von Teilen scholastischer Theologie und der ganzen Vielfalt der christlichen Tradition zu vermeiden versucht".
Sein Anliegen sei es stets gewesen, Distanz zu den Dingen zu gewinnen, um klarer zu sehen. Tück: "Eine Theologie, die die Zeichen der Zeit zu Offenbarungsorten hochstilisiert, neigt natürlich dazu, die Gegenwart so hoch zu werten, dass sie die kritische Distanz zur Unterscheidung dessen, was förderungswürdig und was eher ambivalent ist, zu verlieren droht". Gerade in Zeiten wachsender Pathologien und vermehrter Krisensymptome sei eine solche Distanz hilfreich und weiterführend.
"Hermeneutik der Reform"
Auch im Blick auf den Streitpunkt des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) könne die Theologie Ratzingers durchaus noch fruchtbringend eingespielt werden, zeigte sich Tück überzeugt: Schließlich vertrat Ratzinger stets einen dritten Weg zwischen jenen Stimmen, die das Konzil als einen großen Bruch mit der Tradition sahen, und jenen, die auf der formalen Kontinuität kirchlicher Lehre beharrten. Dagegen habe Ratzinger eine "Hermeneutik der Reform" stark gemacht und das Konzil als einen Prozess verstanden, in dem "Erneuerung gedacht wird als ein Prozess, in dem Grundlagen beibehalten werden, zugleich aber Fortschreibungen möglich werden".
Ökumenischer Brückenschlag durch "Jesus"-Trilogie
Besondere ökumenische Wirkung entfalte nach Einschätzung Tücks nach wie vor die "Jesus"-Trilogie Ratzingers. Die drei Bände, die Ratzinger als Benedikt XVI. geschrieben hat, seien weit über die Grenzen der katholischen Kirche hinaus wahrgenommen worden und hätten gezeigt, dass die Auseinandersetzung mit Ratzingers Werk bis heute nicht abgeschlossen ist. Seine Theologie bleibe deshalb ein Feld lebendiger und produktiver Kontroversen. (Infos zur Ratzinger-Tagung: https://dg-ktf.univie.ac.at/news-events/detailansicht-d/news/symposium-joseph-ratzingers-theologie-im-widerstreit-in-wien/)
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