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Welthungerindex: 645 Millionen Menschen leiden chronisch Hunger

21.10.2026 14:01
Deutschland/Katastrophe/Hunger/Internationale Beziehung/Hilfsorganisation/Entwicklungshilfe
Globale Ernährungslage hat sich infolge vieler Krisen und Kriegen verschlechtert, etwa in der Ukraine oder im Iran - Viele Länder werden gesetzte Ziele verfehlen - Hintergrundbericht von Anna Mertes
Berlin, 21.10.2026 (KAP/KNA) Die Hungersituation weltweit hat sich infolge der Vielzahl an Krisen deutlich verschlechtert. Aktuell leiden weltweit rund 645 Millionen Menschen chronisch Hunger, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Welthungerindex hervorgeht. Gehe der Trend unverändert weiter, würden laut katholischer Nachrichtenagentur KNA 57 Länder bis 2030 das Ziel eines niedrigen Hungerniveaus verfehlen. In 32 Ländern mit mäßigen, ernsten oder sehr ernsten Hungerindex-Werten für 2026 hat der Hunger seit 2018, dem letzten Referenzjahr, zugenommen.

Die Präsidentin der Welthungerhilfe, Marlehn Thieme, sprach von einem Warnsignal und beklagte, dass Sicherheit in diesen Zeiten zu oft nur militärisch gedacht werde. Dabei sei Ernährungssicherheit eine Voraussetzung für Frieden und Stabilität. "Eine immer weitere Kürzung von Entwicklungszusammenarbeit ist sehr kurzsichtig", fügte der Generalsekretär der Welthungerhilfe, Mathias Mogge, hinzu. Mangelnde Investitionen in Ernährungssicherung führten häufig zu Konflikten und Unsicherheit, was wiederum erneut Menschen in die Flucht treibe.

Thieme ergänzte, es sei wichtig, die bereits migrierten Menschen nicht zu vergessen, um ihnen eine Rückkehr in ihre Heimat zu ermöglichen. Andernfalls könne sich die Lage in den Konfliktregionen immer weiter verschlechtern. Mogge warb für verlässliche und langfristige Investitionen in nachhaltige Landwirtschaft, widerstandsfähige Ernährungssysteme und soziale Sicherungssysteme.

Laut dem Welthungerindex gehören gewaltsame Konflikte und Unsicherheit weiter zu den größten Treibern von Hunger und Unterernährung. So habe der russische Angriffskrieg auf die Ukraine die globalen Nahrungsmittel- und Düngemittelmärkte gestört und zu steigenden Lebensmittelpreisen geführt. Die Auseinandersetzungen zwischen den USA, Israel und dem Iran sowie die Blockade der Straße von Hormus verschärften die Lage. Der Anstieg der Lebensmittelpreise habe eine gesunde Ernährung für 2,69 Milliarden Menschen unerschwinglich gemacht.

Besondere Besorgnis erregt bei Experten die Entwicklung in Afrika südlich der Sahara. Dort liegen sieben der acht Länder weltweit mit einem sehr ernsten Hungerniveau, darunter Somalia. Es gebe aber auch Fortschritte. In Ländern wie Uganda und Nepal sei der Hunger zurückgegangen. Politische Stabilität und kontinuierliche Investitionen in Ernährung, Gesundheit, Bildung und Sanitärversorgung trügen zu diesen Erfolgen bei.

Der Bericht, der von der Welthungerhilfe, der Entwicklungsorganisation Helvetas und dem Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht herausgegeben wird, ermittelt die Entwicklung der globalen Hungersituation. Die Ernährungslage macht der Index an vier Punkten fest: an Unterernährung, also dem Anteil der Bevölkerung, deren Kalorienbedarf nicht gedeckt ist; der Wachstumsverzögerung, das heißt, wenn Menschen für ein bestimmtes Alter zu klein sind; Auszehrung sowie Kindersterblichkeit, also der Anteil der Kinder, die vor dem fünften Geburtstag sterben.
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