Derzeit über acht Millionen Menschen unter Einfluss bewaffneter Gruppen - Kirchliches Hilfswerk fordert Umsetzung des Friedensabkommens und Schutz für bedrohte Gemeinden
Bogota, 21.10.2026 (KAP) Angesichts zunehmender Gewalt in Kolumbien haben Caritas-Vertreter einen besseren Schutz der Zivilbevölkerung und die vollständige Umsetzung des Friedensabkommens gefordert. Mehr als acht Millionen Menschen lebten unter dem Einfluss nichtstaatlicher bewaffneter Gruppen, heißt es in einer Erklärung des "Arbeitskreises Kolumbien" (Grupo de Trabajo por Colombia). Zugleich seien die Schutzbedürfnisse der Bevölkerung zwischen 2025 und 2026 um mehr als ein Drittel gestiegen.
Vertreter kolumbianischer und internationaler Caritasverbände verwiesen auf territoriale Kämpfe, Vertreibungen, Einschränkungen der Bewegungsfreiheit sowie die Rekrutierung Minderjähriger durch bewaffnete Gruppen. Hinzu kämen illegale Wirtschaftsaktivitäten, klimabedingte Notlagen und zunehmende Migration. Diese Entwicklungen erschwerten auch den Zugang humanitärer Helfer. Besonders gefährdet seien Kinder, Frauen, soziale Führungspersönlichkeiten, Menschenrechts- und Umweltschützer sowie kirchliche Mitarbeiter.
Die Organisationen forderten die bewaffneten Akteure auf, Angriffe auf die Zivilbevölkerung einzustellen, die Rekrutierung Minderjähriger zu beenden und die Menschenrechte zu achten. Zugleich sprachen sie sich für Dialog und humanitäre Vereinbarungen zum Schutz betroffener Gemeinden aus. Die kolumbianische Regierung müsse das Friedensabkommen umfassend umsetzen, die Opfer des Konflikts unterstützen und lokale Gemeinschaften sowie ihre Vertreter besser schützen. Auch politische Beteiligung und friedlicher Protest müssten ohne Einschüchterung oder Kriminalisierung möglich sein.
Die internationale Gemeinschaft riefen die Caritas-Organisationen dazu auf, ihre Unterstützung für den Friedensprozess und die Aufarbeitung des Konflikts fortzusetzen. Darüber hinaus verwiesen sie auf den Zusammenhang zwischen sozialer Ungerechtigkeit, Umweltzerstörung und Gewalt. Verantwortungslose Bergbauaktivitäten, Abholzung und Klimakrise gefährdeten die Lebensgrundlagen vieler Gemeinden. Gefordert seien daher eine gerechte und nachhaltige Entwicklung sowie verstärkte Anstrengungen gegen Korruption.
Die Organisationen warnten zugleich vor einer weiteren Eskalation durch private Bewaffnung und Vergeltungsmaßnahmen. Stattdessen müsse die Suche nach Verhandlungslösungen fortgesetzt werden. Das kirchliche Hilfswerk werde lokale Friedensinitiativen unterstützen, humanitäre Hilfe erleichtern und sich weiterhin für den Schutz bedrohter Gemeinschaften einsetzen, hieß es.