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Neues Kochbuch mit Rezepten und Geschichten aus dem Gefängnis

21.10.2026 16:08
Österreich/Kirche/Gefängnisseelsorge/Evangelische/Kochbuch
Kochbuch "Taste of Prison" im Landesgericht Wien präsentiert - Gefängnisseelsorgerin Schwimbersky: Die Alltagswelt im Gefängnis sichtbar machen - Bischöfin Richter: Kochen hat viel mit Resilienz zu tun
Wien, 21.10.2026 (KAP) Unter dem Titel "Taste of Prison" ist dieser Tage ein äußerst ungewöhnliches Kochbuch erschienen. Es bietet Rezepte von Häftlingen aus der Justizanstalt Wien-Josefstadt. Zwischen den Rezepten erzählen Menschen in Haft von ihrem Alltag. Herausgeber des Buches sind die evangelische Gefängnisseelsorgerin Daniela Schwimbersky und die evangelisch-lutherische Bischöfin Cornelia Richter. Präsentiert wurde das Kochbuch am Dienstagabend im Großen Schwurgerichtssaal des Wiener Landesgerichts, wie der Evangelischen Pressedienstes EPD berichtete.

Die Idee zum Kochbuch stammte von einem Insassen, erzählte Schwimbersky. Bei einem Gespräch am Gang vor seinem Haftraum - es duftete nach warmen Paradeisern und gebratenem Paprika - entstand der Wunsch, die eigenen Rezepte weiterzugeben. Aus ein paar kopierten Zetteln sei über vier Jahre hinweg ein Buch entstanden, an dem Inhaftierte, Justizwachebeamte und die Gefängnisseelsorge mitgearbeitet haben.

Zwischen den Rezepten erzählen Autorinnen und Autoren in Haft anonym und im O-Ton von ihrem Alltag: vom Einkauf über die Ausspeisliste, vom Würzen mit Pfefferkörnern, die vorher aus der Suppe gesammelt wurden, von selbstgemachten Pflegeprodukten wie dem Peeling aus Kaffeesud, Olivenöl und Honig und von der Kochgruppe im Maßnahmenvollzug. Justizwache und Seelsorge ergänzen ihre Perspektiven. Die Fotografien von Daniel Domig führen bis in die Hafträume.

"Taste of Prison" wolle die Alltagswelt im Gefängnis sichtbar machen und zugleich die Frage stellen, wie eine Gesellschaft mit Menschen umgeht, die wieder Teil von ihr werden sollen, sagte Gefängnisseelsorgerin Schwimbersky.

Kochen ermöglicht Selbstwirksamkeit

Kochen habe auch viel mit Resilienz zu tun, erklärt Bischöfin Richter in dem Buch. Wer in Haft ist, verliere jeden Spielraum äußerer Autonomie. Genau die sei aber ein zentraler Faktor, um Krisen zu bewältigen. "Kochen gibt ein Stück Selbstwirksamkeit zurück", so Richter. "Etwas Gutes zu kochen, das einem selbst und vielleicht auch den anderen schmeckt, ist ein Erfolg, in dem sich viele Resilienzfaktoren abbilden", bekräftigt die Bischöfin. "Schon die Entscheidung, was man kochen möchte, ist ein kleiner Schritt in die Autonomie des Alltagslebens", so Richter.

Ein großes Thema bei der Buchpräsentation war die völlige Überbelegung der Justizanstalt. "Strafvollzug ist eine eigene Welt", meinte die Leiterin der Justizanstalt, Krista Schipper. Ohne kompetente Mitarbeitende wäre die Betreuung unter den jetzigen Rahmenbedingungen "undenkbar, das hätten wir uns in den schlimmsten Träumen nicht vorgestellt". Das Team gehe täglich an Grenzen, wenn der Belag nicht "deutlich" reduziert werde, "werden die Leute auf allen Ebenen sukzessive ausbrennen".

Menschliche Betreuung sicherstellen

Auf die untragbaren Rahmenbedingungen wies auch Friedrich Forsthuber, Präsident des Landesgerichts Wien, hin. Rund 800 Plätze stehen etwa in der Justizanstalt Josefstadt zur Verfügung, derzeit sind 1.150 Personen dort untergebracht. "Gefängnisse sollten keine Verliese sein, wo man Leute nur mehr verwahrt", unterstrich Forsthuber. Räumliche ebenso wie personelle Ressourcen würden dringend benötigt, um eine "menschliche Betreuung" sicherzustellen.

Die Qualität einer Gesellschaft sei darin zu erkennen, wie sie mit "den Schwächsten" umgeht, betonte Bezirksvorsteher Martin Fabisch. Der Wiener Superintendent Matthias Geist, über viele Jahre selber in der Gefängnisseelsorge tätig, hob den hohen Wert dieses Seelsorgebereiches hervor, der schon seit vielen Jahrzehnten von der Evangelischen Kirche wahrgenommen werde. Dankbar zeigte sich Geist, dass die Gefängnisseelsorge in der Justizanstalt Josefstadt nun in intensiver Kooperation ökumenisch wahrgenommen werde.

Das 176 Seiten und viele Farbabbildungen umfassende Buch ist im Handel zum Preis von 24,50 Euro erhältlich. Mit dem Kauf des Buches werden Sprachlernangebote für Inhaftierte sowie der Verein StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt unterstützt.
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