Linz: Kunstprojekt Griefyards sammelt Briefe an Tote
22.10.202610:49
Österreich/Kirche/Kunst/Kultur/Ausstellung
Ausgewählte Briefe werden von Kunstschaffenden für Ausstellung "Death Positive. Gestorben wird immer" künstlerisch verarbeitet - Aktion bis 31. Oktober, Vernissage am 26. November
Linz, 22.10.2026 (KAP) Briefe an Tote werden derzeit im Rahmen des internationalen Kunst- und Schreibprojekts "Griefyards" gesammelt. Noch bis 31. Oktober können Interessierte anonym Briefe an Verstorbene schreiben und in Briefkästen in Wien, Graz und Linz einwerfen. Eine Auswahl der Briefe wird von Künstlerinnen und Künstlern in Kunstwerke übersetzt und im Rahmen einer eigenen Vernissage am 26. November im Nordico Stadtmuseum in Linz präsentiert. Danach sind sie in der Nordico-Ausstellung "Death Positive. Gestorben wird immer" ausgestellt und werden auch zum Verkauf angeboten.
Griefyards-Briefkästen stehen in Wien unter anderem in Cafés, Buchhandlungen, Ateliers und Kulturorten wie dem Café Phil, dem Hafi Bookshop, dem Malma Art Café und der Bücherei Großfeldsiedlung. Weitere Anlaufstellen sind die Beratungsstelle Rainbows in der Malzgasse sowie Filialen von Bestattung Himmelblau in mehreren Wiener Bezirken, Klosterneuburg und St. Pölten. In Graz befinden sich Briefkästen in der Stadtbibliothek am Standort Zanklhof, bei Rainbows und bei Bestattung Himmelblau in Graz-Gries. In Linz zählen unter anderem der Barbarafriedhof, das Café Frédéric, das Café Viele Leute, das Domcafé, das Nordico Stadtmuseum, das Salonschiff Fräulein Florentine und die Stadtbibliothek im Wissensturm zu den Standorten. Unter www.griefyards.com gibt es auch die Möglichkeit, die Briefe online abzugeben.
Trauer sichtbar machen
Die gesammelten Briefe bilden den Ausgangspunkt für einen künstlerischen Prozess. Ausgewählte Künstlerinnen und Künstler erhalten jeweils einen anonymisierten Brief und entwickeln daraus ein zweidimensionales Kunstwerk. Persönliche Geschichten über Verlust, Erinnerung und Verbundenheit werden so in eine neue künstlerische Form übersetzt, hieß es in der Ankündigung.
Ziel des Projekts ist es, Trauer sichtbar zu machen und Gespräche über Verlust zu ermöglichen - "nicht nur über das, was fehlt, sondern auch über das, was bleibt: Liebe, Verbindung und Erinnerung", teilen die Initiatorinnen Celine Vanhoutte und Rosa Braber auf ihrer Webseite mit. Gleichzeitig wird mit der Aktion das Projekt "Rainbows" unterstützt. Die Organisation begleitet Kinder, die einen Elternteil verloren haben oder durch Trennung und Scheidung Trauer erfahren.
Begleitende Veranstaltungsreihe
Verbunden mit der Ausgabe in Linz ist eine Reihe von Veranstaltungen: Am 23. Oktober (16 bis 18 Uhr) lädt der Mariendom zu einem offenen Trauercafé ein. Beim "Death Café" im Domcafé Linz können Menschen an einem geschützten Ort über ihren Verlust sprechen oder im "stillen Dasein" teilnehmen. "Niemand muss sprechen, jede und jeder ist willkommen, so wie es gerade stimmig ist." Das Trauercafé wird begleitet von Nicole Leitenmüller, Referentin für Trauerpastoral der Diözese Linz. Das Angebot ist kostenlos und braucht keine Anmeldung.
Bei der Tour "Friedhofsgemunkel" mit Punsch am Linzer Barbarafriedhof am 11. Dezember (16.30 bis 18 Uhr) wird bei einem Rundgang über "Mythen und Fakten in der Trauer, im Sterben und natürlich auch im Leben" aufgeklärt. Auch im kommenden Jahr sind bereits Termine fixiert. Die Exkursion "Zwischen Leben, Erinnerung und Abschied" am 12. März 2027 bietet einen Rundgang zu den unterirdischen Friedhöfen von Linz, wie den Krypten der Elisabethinen.
Ausstellungseröffnung "Death Positive" am 22. Oktober
Die Ausstellung "Death Positive" wird am 22. Oktober eröffnet. Sie zeigt "zwischen Klappsarg und Pilzurne, Herzstich und Bucketlist, Leichenschmaus und Vinyl-Bestattung", wie vielfältig der Umgang mit dem Tod ist, heißt es in der Ausstellungsbeschreibung. "Death Positive" sei dabei nicht nur Ausstellungstitel, sondern auch eine Bewegung. Die von Klaudia Kreslehner kuratierte Schau will den Tod, der gerne "weit weggeschoben wird", ins Zentrum holen - "behutsam, konfrontativ, humorvoll und radikal ehrlich", hieß es.
Dabei greifen Kunstwerke, Installationen, Video-Interviews und Objekte aus Sammlung und Leihgaben das Memento mori auf - die Erinnerung an die eigene Endlichkeit. Ausgestellt werden Werke u. a. von Marina Abramovi, Vincent van Gogh, Lou Seidl, Katharina Gruzei, Ursula Guttmann, Haruko Maeda, Mary Mayrhofer, Ingeborg Strobl, Mathilde ter Heijne und Timm Ulrichs. Die Ausstellung ist bis 4. April 2027 zu sehen. (Info: https://www.nordico.at/ausstellungen/death-positive)
(Diese Meldung ist Teil eines Kathpress-Themenpakets zu Allerheiligen und Allerseelen. Alle Meldungen des Schwerpunkts sind abrufbar unter www.kathpress.at/allerheiligen)