Kirchenrechtler Jovic unterstützt Studierende seit Beginn der Proteste vor zwei Jahren
Belgrad/Zürich, 23.10.2026 (KAP) Auf der oppositionellen "Studentenliste" für die Parlamentswahlen in Serbien am Sonntag kandidiert auch ein Professor der Orthodoxen Theologischen Fakultät der Universität Belgrad. Das meldet der Nachrichtendienst Östliche Kirchen (NÖK) in seiner aktuellen Ausgabe (22. Oktober). Während sich die Serbische Orthodoxe Kirche nicht offiziell zu den von den Studierenden ausgegangenen Massenprotesten gegen Korruption und die amtierende Regierung im Land äußerte, unterstützte der Kirchenrechtler Rastko Jovic die Studierenden seit dem Beginn der Proteste vor zwei Jahren. Jovic ist Autor zahlreicher Publikationen unter anderem über Ökumene und regelmäßig an internationalen Konferenzen, interreligiösem Dialog und internationalen Projekten beteiligt.
Die 250 Personen auf ihrer Kandidatenliste kämen aus allen Regionen des Landes und verschiedenen beruflichen Bereichen, erklärte die Studierenden-Liste auf ihrer Website. Man habe nicht Menschen gesucht, die auf Plakaten gut aussehen oder seit Jahren auf Wahllisten stünden, sondern Menschen, von denen man glaube, dass sie in den Institutionen ihre Arbeit verantwortungsvoll machen. Sie müssten nicht unfehlbar sein, aber deutlich machen, dass sie Verantwortung für ihr Handeln übernehmen, auf die Menschen hören, die sie vertreten, und verstehen, dass ein Abgeordnetenposten keine "Belohnung, Privileg oder Beginn einer Politikkarriere" ist, sondern eine öffentliche Arbeit.
Ausgangspunkt der Protestbewegung gegen Korruption und die Regierung von Staatschef Aleksandar Vucic war der Einsturz eines Vordachs des frisch renovierten Bahnhofs in Novi Sad am 1. November 2024, bei dem 16 Menschen getötet wurden. Die Proteste gingen zunächst von Studierenden aus, mit der Zeit schlossen sich ihnen jedoch breite Bevölkerungsschichten an. Zunächst wurde eine lückenlose Aufklärung des Unglücks und Konsequenzen für die Verantwortlichen gefordert, später richteten sich die Proteste gegen die Regierung insgesamt und die Forderung nach Neuwahlen kam auf.
Vucic trat im September nach neun Jahren als Staatspräsident zurück und kandidiert nun für das Amt des Regierungschefs, das er bereits in den Jahren 2014 bis 2017 ausübte. An den Parlamentswahlen nehmen die Protestierenden mit der eigenen von Studierenden getragenen Liste teil.