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Festgottesdienst zum Gedenktag des Hl. Johannes Paul II.
Gedenken
Bild Copyright: © Agata Wisniowska

Krakauer Regens: Johannes Paul II. war Hotspot für Verbindung mit Gott

22.10.2026 21:10
(zuletzt bearbeitet am 23.10.2026 um 06:30 Uhr)
Österreich/Kirche/Fest/Geschichte/Johannes-Paul-II.
Gedenkmesse im Wiener Stephansdom zum liturgischen Gedenktag des 2005 verstorbenen Papstes und zum bevorstehenden 80. Jahrestag seiner Priesterweihe
Wien, 22.10.2026 (KAP) Als "Hotspot für die Verbindung mit Gott" hat der Krakauer Theologe und Regens Robert J. Wozniak den heiligen Papst Johannes Paul II. bezeichnet. Bei einer Gedenkmesse am Donnerstag im Wiener Stephansdom würdigte er den 2005 verstorbenen Papst als Priester, der Menschen durch seine Menschlichkeit zugleich einen Zugang zum Göttlichen eröffnet habe. Anlass waren der liturgische Gedenktag am 22. Oktober und der bevorstehende 80. Jahrestag der Priesterweihe Karol Wojtylas am 1. November 1946.

Unter dem Leitmotiv "Gabe und Geheimnis" stellte Wozniak das Priestertum als Berufung zur Selbsthingabe dar. Wojtyla habe darin nicht einen Verlust persönlicher Freiheit, sondern einen Weg zur Erfüllung des Menschseins gesehen. "Das Priestertum ist eine Gabe Gottes. Eine Gabe, die uns befähigt, uns selbst zu verschenken", sagte der Rektor des Krakauer Priesterseminars. Die Fähigkeit, sich anderen zuzuwenden, sei bei Johannes Paul II. nicht trotz, sondern gerade aufgrund seines Priestertums sichtbar geworden. Wozniak ermutigte dazu, auch jungen Menschen diese Perspektive zu vermitteln.

Die weltweiten Reisen des Papstes hätten dessen Verständnis eines universalen Priestertums verdeutlicht, betonte Wozniak. Johannes Paul II. habe Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen erreichen wollen und ohne Scheu vor weiten Wegen die ganze Welt besucht, "weil er eine brennende Botschaft im Herzen hatte. Er wollte jedem Menschen sagen: Gott liebt dich", so der polnische Theologe.

Glaube und Vernunft

Als bedeutendstes Vermächtnis Wojtylas bezeichnete der Theologe dessen Zeugnis für das Geheimnis Gottes und den Zusammenhang von Glauben und Vernunft. Die Enzyklika "Fides et ratio" von 1998, die sich mit dem Verhältnis von Glaube und philosophischer Vernunft befasst, stehe exemplarisch für diese Überzeugung. Das Geheimnis widerspreche der Vernunft nicht, sondern rege sie dazu an, weiterzufragen und tiefer zu erkennen. "Die Vernunft liebt das Geheimnis, weil es sie zum Weiterfragen anspornt", sagte Wozniak.

Gerade in einer Zeit, in der Wahrheit infrage gestellt und technologische Denkweisen zunehmend dominant würden, sei diese Verbindung wichtig. Johannes Paul II. habe die menschliche Vernunft verteidigt und gezeigt, dass Glaube und Verstand zusammengehörten. Priestertum bedeute auch, Menschen vor Lügen und falschen Ideologien zu schützen und ihnen zu helfen, Wahrheit zu erkennen und zu leben. Eine Erneuerung der Vernunft könne aus christlicher Sicht nur gelingen, wenn Glaube und Denken nicht gegeneinander ausgespielt würden, erklärte Wozniak. Davon hänge auch der Frieden in der Welt ab.

Bleibende Ermutigung

Neben Wozniak konzelebrierten der aus Polen stammende Pfarrer von Wien-Aspern, Robert Rys, sowie 20 weitere Priester aus Wien, einige davon ebenfalls mit polnischen Wurzeln. Rys rief die Worte Wojtylas zu seiner Amtseinführung "Habt keine Angst! Öffnet, ja, reißt die Tore weit auf für Christus!" in Erinnerung und bezeichnete sie als "bleibenden Auftrag für heute". Ebenso sei auch sein Ausspruch "der Weg der Kirche ist der Mensch" bis in die Gegenwart eine Herausforderung.

Umrahmt wurde die Feier, an der auch die Konsulin der Republik Polen in Wien, Agnieszka Krawczyk, sowie die Wiener Stadträtin Katarzyna Greco teilnahmen, von Thomas Dolezal an der Orgel und der Mezzosopranistin Alina Mazur, wobei auch das als Lieblingslied von Johannes Paul II. bekannt gewordene "Barka" erklang. Das Lied stammt ursprünglich vom spanischen Priester Cesareo Gabarain ("Pescador de hombes", dt. Menschenfischer) und wurde vom Salesianerpriester Stanislaw Szmidt 1974 ins Polnische übersetzt. Mit dem Refrain "Herr, du hast mich getroffen und mich beim Namen genannt. Ich lasse mein Boot am Ufer und beginne heute, mit dir Herzen zu fischen" schildert es die Berufung des Heiligen Petrus.

Johannes Paul II., mit bürgerlichem Namen Karol Wojtyla, wurde am 18. Mai 1920 im polnischen Wadowice geboren. Während der nationalsozialistischen Besatzung arbeitete er zunächst in einem Steinbruch und später in einer Chemiefabrik, bevor er am 1. November 1946 zum Priester geweiht wurde. 1978 wurde der damalige Erzbischof von Krakau als erster Pole zum Papst gewählt. Sein Wahlspruch "Totus Tuus" - "Ganz Dein" - brachte seine besondere Marienverehrung zum Ausdruck. Sein Pontifikat dauerte fast 27 Jahre. Er starb am 2. April 2005 und wurde 2014 von Papst Franziskus heiliggesprochen.
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