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Wernberg: Experten diskutierten Klimawandel-Folgen für Kärnten

23.10.2026 17:49
Österreich/Klimaveränderung/Wirtschaft/Kirche
Vortrag und Podiumsdiskussion in Kloster Wernberg über Folgen des Hitzesommers und Handlungsmöglichkeiten
Klagenfurt, 23.10.2026 (KAP) Welche Folgen zeitigt der Klimawandel, wie er sich u.a. im vergangenen Hitze-Sommer gezeigt hat, für ein Land wie Kärnten - und was kann man regional tun? Diese Fragen wurden bei einem Vortrags- und Gesprächsabend am 21. Oktober im Kloster Wernberg diskutiert, zu dem kirchennahe Organisationen und Umweltorganisationen geladen hatten. Über den Vortrag des Direktors des Mainzer Max-Planck-Instituts für Chemie, Prof. Ulrich Pöschl, und die anschließende Diskussion u.a. mit regionalen Klimaschutzbeauftragten sowie Caritas-Direktor Ernst Sandriesser berichtete die Diözese Gurk am Freitag auf ihrer Website.

Demnach machte Pöschl deutlich, dass die Menschheit das klimatisch stabile Zeitalter des Holozäns verlassen hat und sich im sogenannten Anthropozän befindet - also jenem Erdzeitalter, in dem der Mensch zum wichtigsten Einflussfaktor auf die Erde und ihre Ökosysteme geworden ist. Damit einher gehe u.a. eine enorme und rasante Steigerung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre seit den 1950er Jahren sowie einem Anstieg der Temperatur und der Luftverschmutzung. Da die Luftverschmutzung in Folge der Verbrennung fossiler Energieträger wie Öl, Gas und Kohle pro Jahr rund 8 Millionen Menschen vorzeitig das Leben kostet, sei allein schon aus diesem Grund der Ausstieg aus diesen Energieträgern zwingend, so Pöschl.

Möglich sei dies durch einen "Dreiklang" aus einem systemischen Umbau der Energieinfrastruktur, einer sozialverträglichen CO2-Bepreisung mit Rückvergütung etwa durch den Klimabonus und freiwillige persönliche Kompensation.

Ein breit besetztes Podium diskutierte im Anschluss laut Bericht die konkreten Folgen und Handlungsoptionen für Kärnten. Kärntens Klimaschutzbeauftragter Markus Kottek verwies etwa auf den Verkehrssektor als größten Treibhausgasemittenten des Landes: Er verursacht rund 47 Prozent der Emissionen. Zwar konnten diese seit 2005 bereits um 35 bis 37 Prozent gesenkt werden, das Ziel bleibt jedoch die weitgehende Klimaneutralität. Albrecht Grießhammer, Mitverfasser der Studie "Energiestrategie Kärnten" lenkte den Blick auf die wirtschaftlichen Chancen der Energiewende: Kärnten gebe jährlich rund 600 Millionen Euro für den Import fossiler Energien aus. Die Umstellung auf 100 Prozent regionale erneuerbare Energien könnte diese Wertschöpfung im Land halten und zugleich die Gesamtkosten des Energiesystems um bis zu 400 Millionen Euro pro Jahr senken.

Caritas-Direktor Sandriesser machte auf die sozialen Folgen extremer Hitze aufmerksam. In besonders heißen Sommerwochen kann die Übersterblichkeit bis zu 20 Prozent betragen - besonders betroffen sind ältere und pflegebedürftige Menschen. Neben Hitzeschutzmaßnahmen in heimischen Pflegeheimen stellte Sandriesser ein Caritas-Projekt in Uganda und Kenia vor. Dort werden Klein-Biogasanlagen errichtet, die landwirtschaftliche Abfälle nutzen. Das schütze Wälder vor Abholzung, reduziert Rauchschäden in Hütten und trägt dazu bei, die Kindersterblichkeit zu senken.

Weitere Beiträge lieferten Birgit Knaus von BIO AUSTRIA Kärnten, Hubert Gernig von der Hagelversicherung, Alexander Thomasser vom Klinikum Villach, sowie Johannes Rampler vom Klimabündnis Kärnten. Letzterer empfahl, bei Hitzewellen kühle Gebäude - etwa Kirchen - als Zufluchtsorte für besonders gefährdete Menschen zu nutzen.
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