Trump-Gebet mit US-Bischöfen: Glaubenszeugnis oder Wahlkampf?
24.10.202607:03
USA/Regierung/Kirche/Glaube
Segen für den Präsidenten vor den wichtigen Midterms - Von Johannes Senk (KNA)
Denver/Washington, 24.10.2026 (KAP/KNA) Mehrere Hände zum Segen erhoben, alle auf den US-Präsidenten gerichtet. Donald Trump hat in der Vergangenheit bereits häufiger Bilder publiziert, die ihn an seinem Schreibtisch im Oval Office im Zentrum religiöser Symbolik zeigen. Das Weiße Haus bietet auf seiner Medienseite sogar Fotos davon an. Bei den Betenden um ihn herum handelte es sich meist um mehr oder weniger bekannte Prediger aus dem evangelikalen Umfeld des Präsidenten - überzeugte Gefolgsleute, die selbst an den selbsterzeugten KI-Bildern Trumps im Stile eines Erlösers keinen Anstoß fanden.
Am Donnerstag konnte der Präsident dem ein weiteres Foto hinzufügen. Doch handelte es sich diesmal um eine andere Gruppe, die er an seinem Dienstsitz empfing. Mehrere katholische US-Bischöfe waren zu Gast im Weißen Haus. Hintergrund waren Gespräche unter anderem über Religionsfreiheit, Bildungspolitik und Steuererleichterung für Familien, wie es hieß.
Federführend an der Planung war offenbar die Erzdiözese Denver im Bundesstaat Colorado beteiligt. Deren Erzbischof James Golka hatte erst im Februar sein Amt angetreten und erst vor wenigen Tagen dadurch Schlagzeilen gemacht, dass er den prominenten US-Priester und Exorzisten Chad Ripperger - einen Traditionalisten und Trump-Anhänger - zu einer einjährigen Auszeit bewog.
Gottes Segen für den Präsidenten erbeten
Nun stand Golka hinter dem mutmaßlich mächtigsten Mann der Welt, legte ihm die Hand auf die Schulter und sprach ein Gebet für ihn. "Wir danken dir für das Geschenk unserer wundervollen Nation, wir danken dir für das Geschenk unserer Regierung, wir danken dir für das Geschenk dieses Amtes und dieser Präsidentschaft", so der Erzbischof, wie in einem von der Erzdiözese geteilten Video zu sehen ist. Dann bittet er um den Segen für den Präsidenten. "Wir bitten nun den Heiligen Geist, unser Land zu schützen und uns gegen alles Böse zu verteidigen."
Zu den weiteren anwesenden Bischöfen, die mit zum Segen erhobenen Händen im Halbkreis hinter Trumps Schreibtisch stehen, zählten laut Medienberichten der Erzbischof von Milwaukee, Jeffrey Grob, der Bischof von Dallas, Edward Burns, der Bischof von Rapid City, Scott Bullock, und der emeritierte Erzbischof von Kansas City, Joseph Naumann. Ebenfalls im Video zu sehen an Trumps Seite ist seine geistliche Beraterin, die evangelikale Fernsehpredigerin Paula White-Cain, die schon mit Trump-Jesus-Vergleichen kokettierte und gerade im Hinblick auf Migration fundamental andere Positionen vertritt als die katholische Kirche.
Die Aktion, die über soziale Medien auch von Trumps Wahlkampfteam öffentlichkeitswirksam verbreitet wurde, sorgte umgehend für größere Diskussionen in Sozialen Netzwerken. Ein Kritikpunkt dabei ist schon das derart offene Auftreten von katholischen Bischöfen im Arbeitszimmer des Präsidenten - und das, obwohl insbesondere die Trump-Regierung zuletzt mehrfach im Konflikt mit Papst Leo XIV. und der Vatikanspitze stand.
Zeitpunkt strategisch gewählt
Noch bedeutender ist allerdings der Zeitpunkt, der für dieses gemeinsame Gebet gewählt wurde. Denn in wenigen Tagen, am 3. November, finden die wegweisenden Zwischenwahlen, die sogenannten Midterms, statt, bei denen das Repräsentantenhaus sowie Teile des Senats neu gewählt werden. Die Midterms gelten als der entscheidende Gradmesser für die Zufriedenheit mit einem US-Präsidenten. Und zuletzt sah es hier gar nicht gut aus für Trumps Republikaner. Aktuell hält die Partei noch in beiden Kongresskammern die Mehrheit. Das würde sich laut Prognosen aber ändern. Umfragen sehen in einigen Bundesstaaten, selbst in absoluten Hochburgen wie Texas, die demokratischen Herausforderer aktuell führend.
Dabei steht das Wahlverhalten der Katholiken besonders im Fokus. Bei den vergangenen Präsidentschaftswahlen stimmten weiße Katholiken mit 61 Prozent mehrheitlich für Trump und auch unter den Latino-Katholiken, die grundsätzlich eher zu den Demokraten neigen, konnte er große Zuwächse erzielen und zog fast gleich mit seiner damaligen demokratischen Herausforderin Kamala Harris.
Republikaner verlieren bei Katholiken
Doch von diesem Bonus ist inzwischen wenig geblieben. Eine jüngste Umfrage des Pew Research Institute zeigt, dass bei den Midterms nur noch 50 Prozent der weißen Katholiken die Republikaner unterstützen wollen.
Bei den Latinos, die rund ein Drittel der US-Katholiken ausmachen, sieht es noch düsterer aus: Nur noch 19 Prozent werden demnach Trumps Partei wählen, gegenüber 59 Prozent, die zu den Demokraten neigen. Die harte Abschiebepolitik, die sich insbesondere gegen die Hispanics wendet, sowie der Schlingerkurs gegenüber den sozialistischen lateinamerikanischen Staaten Kuba und Venezuela haben diese Bevölkerungsgruppe verunsichert.
Es scheint also offensichtlich, dass sich Trumps Unterstützerkreis von dem demonstrativen Gebet mit den Bischöfen noch einen kleinen Anschub für die Wahlen verspricht. Etwas unklar ist hingegen, welche Rolle die anwesenden Bischöfe dabei spielen wollten oder sollten. Denn eine Einmischung in den Wahlkampf sowie die Empfehlung von Kandidaten haben sich die Bischöfe eigentlich selbst untersagt. Der Vorwurf des Regelverstoßes einzelner Bischöfe macht deswegen schon unter Beobachtern die Runde - umso mehr, da das Treffen weder von noch in Absprache mit der US-Bischofskonferenz organisiert worden war, wie ein Sprecher des Gremiums dem US-amerikanischen Portal "The Pillar" sagte.
Mächtige Denkfabrik im Hintergrund
Stattdessen soll die konservative Heritage Foundation den Austausch eingeleitet haben. Die einflussreiche Denkfabrik steht hinter dem umstrittenen Project 2025, einem Regierungsplan, der die Machtverhältnisse in den USA umfassend neu regeln würde, mit deutlich mehr Befugnissen für den Präsidenten. Zum Erreichen dieser Ziele sind sie allerdings auf die republikanische Mehrheit im Kongress angewiesen.