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Polens Bischöfe verurteilen Parlamentsbeschlüsse zu Abtreibungen

25.10.2026 08:10
(zuletzt bearbeitet am 25.10.2026 um 09:31 Uhr)
Polen/Christentum/Politik/Schwangerschaftsabbruch/Kirche/Parlament/Abtreibung
Bischofskonferenz wendet sich gegen Lockerung eines der restriktivsten Abtreibungsgesetze in Europa - Historiker Franaszek mit politischer Nähe zur rechtskonservativen PiS soll Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs leiten
Zakopane, 25.10.2026 (KAP/KNA) Polens katholische Bischöfe protestieren gegen die vom Abgeordnetenhaus auf den Weg gebrachte Lockerung der Abtreibungsgesetzgebung. Die beiden vom Sejm angenommenen Gesetzentwürfe propagierten allein schon durch ihre parlamentarische Beratung eine gesellschaftliche Zustimmung zu Abtreibungen, selbst wenn sie nie Rechtskraft erlangten, erklärte die Bischofskonferenz am Samstag zum Abschluss ihrer Vollversammlung im südpolnischen Zakopane. Abtreibungen würden als "moralisch indifferent" gefördert, obwohl dies der Wahrheit widerspreche, berichtete die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) am Samstag von dem Treffen.

Die Bischöfe riefen dazu auf, das Leben jedes Kindes, auch des ungeborenen, zu achten. Zudem fordern sie, Frauen in schwierigen Lebenslagen sowie deren Familien konkrete, wirksame und langfristige Unterstützung zukommen zu lassen. Die Kirche biete eine solche Hilfe bereits seit vielen Jahren an. "Die Sorge um das Leben der Schutzlosen, insbesondere der ungeborenen Kinder, ist eine Pflicht des Gewissens und Ausdruck der gesellschaftlichen Verantwortung jedes Menschen", so die Bischöfe.

Einer der Gesetzentwürfe soll nach dem Willen der Mehrheit der Abgeordneten Schwangerschaftsabbrüche erlauben, wenn eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine schwere und irreparable Fehlbildung oder lebensbedrohliche Krankheit des Fötus besteht. Diese Regelung galt bereits bis Ende 2020, wurde dann aber von den höchsten Richtern des Landes für verfassungswidrig erklärt und aufgehoben.

Der zweite angenommene Gesetzentwurf soll eine Bestrafung von Beihilfe und Anstiftung zu rechtswidrigen Abtreibungen abschaffen. Nun muss die zweite Parlamentskammer, der Senat, über beide Entwürfe beraten.

Anschließend ist der rechtskonservative Staatspräsident Karol Nawrocki am Zug. Es gilt als wahrscheinlich, dass er beide Gesetzentwürfe mit seinem Veto blockiert. Die erforderliche Drei-Fünftel-Mehrheit, um ein Präsidentenveto zu überstimmen, ist im Sejm nicht in Sicht. Polen hat aktuell eines der restriktivsten Abtreibungsgesetze in Europa. Nur bei Gefahr für die Gesundheit der Mutter und nach einer Vergewaltigung oder bei Inzest ist ein Schwangerschaftsabbruch erlaubt.

Weichenstellung für Missbrauchsaufarbeitung

Der Krakauer Historiker Piotr Franaszek (71) soll die von den polnischen Bischöfen geplante Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs in der katholischen Kirche leiten. Das teilte die Bischofskonferenz nach Abschluss ihrer Vollversammlung mit. Die Kommission hat den Auftrag, das Ausmaß des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger in den Diözesen und Ordensgemeinschaften seit 1945 zu ermitteln. Wann sie mit ihrer Arbeit beginnt, ist noch offen.

Die Bischöfe wählten Franaszek nach eigenen Angaben in Absprache mit den Männer- und Frauenorden zum Kommissionschef. Der emeritierte Geschichtsprofessor der Universität Krakau ist als sogenannter Benediktineroblate mit einem Kloster verbunden, aber Laie. Sein berufliches Fachgebiet ist die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Von 2006 bis 2010 saß er für die rechtskonservative Partei PiS im Krakauer Stadtrat.

Bischof Slawomir Oder sprach von einem Meilenstein auf dem Weg zur Aufnahme der Arbeit der Kommission. Die Bischöfe hätten das überarbeitete Statut der Kommission verabschiedet. Nun werde es dem zuständigen Ministerium vorgelegt, um das Verfahren zur Erlangung der Rechtspersönlichkeit fortzusetzen.

"Wir stehen ganz am Anfang"

Der designierte Vorsitzende Franaszek sagte bei der gemeinsamen Pressekonferenz: "Wir stehen ganz am Anfang, aber wir haben eine einberufene Kommission, ein Statut und einen Vorsitzenden." Die übrigen Mitglieder des Gremiums stehen noch nicht fest. Die Kommission werde sich aus Fachleuten zusammensetzen, die über einschlägige Expertise verfügen, so Franaszek.

Der bekannte Missbrauchsbetroffene Robert Fidura reagierte überrascht auf die Berufung des Historikers. Franaszek sei ihm völlig unbekannt, sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Ich habe von ihm noch nie etwas zum Thema sexueller Missbrauch in der Kirche gehört." Ihn beunruhigten Berichte, dass Franaszek PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski sehr nahe stehe, so Fidura. "Ich hoffe, dass der Professor seine politischen Verbindungen beiseite lässt und sich als vollkommen unparteiisch und unabhängig erweist."

Bereits im März 2023 hatten sich die Bischöfe für eine Missbrauchsaufarbeitung durch eine unabhängige Kommission entschieden. Zu ihrer kompletten Einsetzung kam es aber bis heute nicht. Zuletzt hatten polnische Ministerien das eingereichte Statut, in dem unter anderem die Arbeitsprinzipien geregelt sind, beanstandet und Änderungen verlangt. Die Bischofskonferenz nennt das Gremium "Kommission unabhängiger Experten zur Untersuchung des Phänomens des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen in der katholischen Kirche in Polen".
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