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Requiem für Benedikt XVI. im Stephansdom
Ratzinger-Symposion
Bild Copyright: © Kathpress/Paul Wuthe

Schönborn unterstreicht Bedeutung des Glaubenswissens

24.10.2026 22:38
(zuletzt bearbeitet am 25.10.2026 um 07:39 Uhr)
Österreich/Kirche/Papst/Wissenschaft/Schönborn/Ratzinger/Benedikt.XVI./Tagung
Kardinal bei Podiumsgespräch zur Theologie und Bedeutung des vor fast 100 Jahren geborenen Joseph Ratzinger: Jahre als Redaktionssekretär des Weltkatechismus waren "spannendste Aufgabe in meinem Leben" - Schönborn zur Synodalität: Sakramentales Bischofsamt und Mitwirken des Volkes Gottes "gehören unbedingt zusammen"
Wien, 24.10.2026 (KAP) "Man darf auch etwas wissen über unseren Glauben": Mit diesen Worten hat Kardinal Christoph Schönborn die Berechtigung und die Bedeutung des 1992 verbindlich vorgelegten Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) unterstrichen, an dessen Entstehung er selbst maßgeblich beteiligt war. Im Rahmen eines Podiumsgesprächs an der Universität Wien vertrat der emeritierte Wiener Erzbischof die Überzeugung, dass der Katechismus auch in einer polyzentrischen Weltkirche das richtige Instrument sei, um die Glaubensweitergabe zu fördern. Christen glaubten an einen Schöpfergott und an Jesus Christus, der für alle Menschen gekommen ist. "Wie sollten wir nicht daran glauben, dass es möglich ist, den Glauben in der heutigen Zeit gemeinsam für uns alle auszusprechen?", so Schönborns rhetorische Frage.

Der Wiener Kardinal war von Joseph Ratzinger, dem damaligen Präfekten der Glaubenskongregation und späteren Papst Benedikt XVI., als Redaktionssekretär des Weltkatechismus auserkoren worden. Er berichtete davon im Rahmen eines am Samstag beendeten dreitägigen internationalen Symposiums über "Joseph Ratzingers Theologie im Widerstreit" und brachte in das Gespräch mit den beiden Organisatoren der Tagung, den beiden Dogmatik-Professoren Jan-Heiner Tück (Wien) und Thomas Marschler (Augsburg), viele weitere Erinnerungen an Ratzinger und dessen "überragende Bedeutung als Theologe" ein.

Seine fünf Jahre als Redaktionssekretär des Katechismus seien "sicher die spannendste Aufgabe in meinem Leben" gewesen, blickte Schönborn auf die Zeit vor der Approbation des KKK durch Papst Johannes Paul II. am 25. Juni 1992 zurück. "Wenn Luther einen Katechismus machen konnte, der den Glauben ausdrückt, wenn das Konzil von Trient einen Katechismus machte, warum sollte das in unserer Zeit nicht möglich sein?", fragte er. Der Kardinal wandte sich gegen einen heute "Gott sei Dank" überwundenen religionspädagogischen Ansatz, wonach der Inhalt des Religionsunterrichts "das Leben der Schüler" zu sein habe. Demgegenüber bekräftigte Schönborn: "Man darf auch etwas wissen über unseren Glauben." Auch wenn es wohl kaum jemand gebe, der das Kompendium auswendig lernt, sei es "nicht verboten, den Katechismus zu verwenden, nicht nur als Staubfänger".

Den Glauben der Kirche kompakt darzustellen, sei das Anliegen hinter dem KKK. Dieser Glaube hat nach den Worten Schönborns "axiomatische Funktionen in der Theologie". Die Theologie reflektiere über diese Voraussetzung, studiere die Quellen, "aber die Basis ist das, was die Kirche, was der Glaube der Kirche sagt". Der Kardinal wies auf die weltweite Rezeption des Katechismus hin und habe auch Interesse in der islamischen Welt gefunden: Die Theologische Hochschule von Ghom, die wichtigste schiitische theologische Hochschule im Iran, habe eine Übersetzung auf Farsi vorgenommen. "Seltsamerweise" habe es gerade im deutschen Sprachraum, vor allem im akademischen Bereich, Vorbehalte gegeben im Sinne von "Wir brauchen das nicht", so Schönborn.

Die beiden Symposiums-Organisatoren Tück und Marschler wollten mit der Wiener "Ouvertüre" zum Ratzinger-Jahr - der deutsche Papst wäre am 16. April 2027 100 Jahre alt geworden - einer "doppelten Versuchung" widerstehen: einer "hagiographischen Verklärung" und einer "Abrechnung". Das Podiumsgespräch mit Kardinal Schönborn, einem langjährigen Wegbegleiter und Freund Ratzingers, bildete den deklarierten Höhepunkt der Tagung und behandelte Themen wie den Schülerkreis des Theologieprofessors in Münster, Tübingen und Regensburg, Erzbischofs von München-Freising, Glaubenspräfekten und Papst, dessen wegweisende Enzykliken und Jesus-Bücher, Ratzingers Verständnis von recht verstandener Synodalität und seine persönliche Liebenswürdigkeit und Frömmigkeit.

Demokratie in der Kirche?

Prof. Tück zitierte Joseph Ratzinger aus einem 1970 herausgegebenen Büchlein über "Demokratie in der Kirche" vor dem Hintergrund der heutigen Kontroversen über den deutschen Synodalen Weg und dessen mögliche Zusammenführung mit dem weltkirchlichen Synodalen Prozess: "Die Idee der gemischten Synode als einer ständigen obersten Regierungsbehörde der nationalen Kirchen ist von der Überlieferung der Kirche wie von ihrer sakramentalen Struktur und von ihrem spezifischen Ziel her eine chimärische Idee. Einer solchen Synode würde jede Legitimität fehlen und ihr müsste daher der Gehorsam entschieden und eindeutig versagt werden." Tücks Frage an Kardinal Schönborn lautete, ob diese Sätze 60 Jahre später modifizierungsbedürftig seien oder aber eine Leitlinie für heutiges Handeln.

Das sakramentale Bischofsamt und das Mitwirken der Gläubigen, des Volkes Gottes, "gehören unbedingt zusammen", antwortete Schönborn. Der Bischof könne seine auf Christus zurückgehende sakramentale Beauftragung und Ermächtigung "nicht als solche mit dem Volk Gottes teilen". Jedoch müsse er natürlich, wenn er Hirte sei, auf das Volk Gottes hören, dessen Sorgen ebenso wie die Nöte der Zeit kennen. "Und natürlich ... muss der Hirte auf den Rat hören und die Gläubigen haben die Pflicht, auch dem Bischof zu sagen, wenn etwas nicht in Ordnung ist, auch bei ihm", sagte der Kardinal. Ein Bischof könne nicht ohne die Gläubigen und die Gläubigen nicht ohne den Bischof. "Aber die Hirtenverantwortung kann der Bischof nicht delegieren. Das ist Grundstruktur der Kirche", stellte Schönborn klar. Was immer man überlege in Deutschland oder anderswo, "an diesem Grundprinzip der katholischen Kirchenlehre, der Ekklesiologie, kann man nicht vorbei".

"È un vero cristiano, er ist ein echter Christ"

Zu Joseph Ratzinger persönlich berichtete Schönborn als ehemaliges Mitglied in dessen Schülerkreis: "Ich habe ihn als äußerst liebenswert erlebt." Im Austausch bei den regelmäßigen Treffen sogar noch zu einer Zeit, da Ratzinger Papst geworden war, habe "ein großes Klima der Freiheit geherrscht ... und ich glaube, das hat etwas damit zu tun, dass er selber in Sachen Theologie, in Sachen Forschung, in seiner akademischen Arbeit kein ängstlicher Mensch war".

Schönborn schloss mit einer Anekdote: Als Mitglied der Theologen-Kommission habe er Anfang der 1980er-Jahre einmal die Pförtnerin des Palazzo del Sant'Uffizio in Rom gefragt, wie denn der neue Präfekt, Kardinal Ratzinger, so sei. Darauf habe diese eine wunderbare Antwort gegeben: "È un vero cristiano, er ist ein echter Christ." Wenn das eine Frau aus dem Volk sage, habe das Gewicht. Papst Benedikt sei unter den Mitarbeitern und im römischen Volk sehr beliebt gewesen. "Weil er ein zutiefst bescheidener, demütiger Mensch war und seine überragende Intelligenz nie so demonstriert hat oder verwendet hat."

Das Podiumsgespräch an der Uni Wien mit Kardinal Christoph Schönborn wird, wie Prof. Tück ankündigte, in die von ihm redaktionell betreute Zeitschrift Communio aufgenommen. Weitere Referentinnen und Referenten beim Symposion waren u. a. Helmut Hoping und Magnus Lerch ("Der Primat der Offenbarung"); Ludger Schwienhorst-Schönberger und Eckart David Schmidt ("Schriftauslegung im Widerstreit"), Jan-Heiner Tück und Christian Bauer ("Der Disput um die Konzilshermeneutik"), Karl-Heinz Menke und Hans Schelkshorn ("Glaube und Vernunft im Kontext der Moderne - ein strittiges Verhältnis"), Ioan Moga und Christoph Markschies ("Hellenisierung - ein providentielles Ereignis?") sowie Thomas Marschler und Markus Weißer ("Die Rolle des Lehramtes im kirchlichen Traditionsprozess").
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