Präsident von deutschem Hilfswerk fragt: "Könnte es sein, dass die politischen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten von China mittlerweile zu groß sind, als dass man es wagen könnte, derartige Missstände offen anzusprechen?"
Bonn, 27.10.2026 (KAP/KNA) Das katholische Hilfswerk missio Aachen fordert die deutsche Politik auf, sich stärker für unterdrückte Christen in China und für die Religionsfreiheit im Land einzusetzen. "Könnte es sein, dass die politischen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten von China mittlerweile zu groß sind, als dass man es wagen könnte, derartige Missstände offen anzusprechen und daraus Konsequenzen zu ziehen?", fragt missio-Präsident Dirk Bingener in einem Beitrag für das Portal katholisch.de, wie die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) berichtet.
"Falls dem so ist, hätte die chinesische Führung das erreicht, was sie bezweckt", fügte Bingener hinzu. "Angesichts massiver Einschränkungen der Religionsfreiheit wundert es, dass das Thema hierzulande in Politik und Gesellschaft nicht mehr Aufmerksamkeit erhält."
Deutliche Rückschritte in jüngster Zeit
Bingener verwies darauf, dass Papst Pius XI. vor 100 Jahren - am 28. Oktober 1926 - in Rom sechs chinesische Priester zu Bischöfen geweiht habe, was zuvor mehr als 240 Jahre nicht möglich gewesen sei. Der damit angestoßene Aufbau einer einheimischen kirchlichen Leitung sei ein wichtiger Schritt für die Eigenständigkeit der Kirche in China gewesen.
Blicke man jedoch heute auf die Situation der Christen in dem ostasiatischen Land, stelle sich die Situation anders dar, ergänzte der missio-Chef. "Immer schärfere Restriktionen und Drangsalierungen seitens der kommunistischen Regierung setzen dem religiösen Leben enge Grenzen und drohen, es zu ersticken."
Religionsunterricht verboten
Das zeigten die jüngst zunehmenden Auswüchse staatlicher Repression, die gezielt die religiöse Kinder- und Jugendarbeit ins Visier nähmen, so Bingener weiter: "Chinesische Behörden verbieten inzwischen das Angebot von Religionsunterricht und den Besuch religiöser Feiern durch Minderjährige. An zahlreichen Kirchentüren finden sich Hinweisschilder, die den Eintritt von Kindern und Jugendlichen untersagen und die man hierzulande eher von Spielotheken kennt."
Hinzu komme, dass Überwachungskameras für eine weitgehende Kontrolle solcher und anderer staatlicher Vorschriften sorgten. Auch die Übertragung religiöser Feiern in Sozialen Medien werde nahezu vollständig unterbunden. Zugleich müssten seit 2025 Bischöfe, Priester und Ordensleute ihre Reisepässe abgeben und erhielten diese nur für genehmigte Auslandsreisen zurück: "Man versucht so, die Kirche in China international zu isolieren."
100 Jahre Bischöfe aus China
Am 28. Oktober 1926 weihte Papst Pius XI. im Petersdom in Rom die ersten sechs chinesischen Bischöfe der Neuzeit, berichtet die römische Nachrichtenagentur Fides (Montag). Die Weihen markierten einen Meilenstein auf dem Weg zu einer eigenständigen katholischen Kirche in China, deren Diözesen zunehmend von einheimischen Geistlichen geleitet werden sollten.
Einer der sechs Bischöfe war der Jesuit Simone Zhu Kaimin (1868-1960), der 1926 zum Apostolischen Vikar von Haimen in der ostchinesischen Provinz Jiangsu ernannt worden war. Das Apostolische Vikariat war am 11. August 1926 aus Gebieten des Vikariats Nanjing hervorgegangen. Damals zählte es rund 32.500 katholische Gläubige, 22 Geistliche - darunter 20 chinesische Priester - und 16 chinesische Ordensschwestern.
Die Entwicklung war Teil eines Reformprozesses, den die Synode der katholischen Kirche in China 1924 in Shanghai vorangetrieben hatte. Ziel war es, die Verantwortung für die Ortskirchen stärker chinesischen Geistlichen zu übertragen und die Kirche kulturell und organisatorisch in der Gesellschaft des Landes zu verankern. 1946 wurde Haimen zur Diözese erhoben. Zhu Kaimin geriet später selbst unter politischen Druck: 1959 wurde er als "rechtes Element" eingestuft. Erst 1980 rehabilitierten ihn die Behörden der Provinz Jiangsu offiziell.