Kiewer Großerzbischof dankt katholischem und orthodoxem Kirchenoberhaupt für Unterstützung - Warnung vor "Russki Mir"-Ideologie: "Herausforderung für Christen aller Konfessionen"
Vatikanstadt/Rom, 27.10.2026 (KAP) Der Großerzbischof der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche (UGKK), Swjatoslaw Schewtschuk, hat in den vergangenen Tagen im Vatikan Papst Leo XIV. und den orthodoxen Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. getroffen. Im Mittelpunkt der Begegnungen standen die Unterstützung der Ukraine angesichts des russischen Angriffskriegs und die Bedeutung des ökumenischen Dialogs, geht aus Berichten des ukrainischen Portals risu.ua hervor.
Das Treffen mit Bartholomaios fand am Samstag im vatikanischen Gästehaus Santa Marta im Vatikan statt. Schewtschuk dankte dem Patriarchen von Konstantinopel für dessen Unterstützung der Ukraine und warnte vor der Ideologie der "Russischen Welt" (Russki Mir). Diese stelle eine Herausforderung für Christen aller Konfessionen dar und erfordere eine gemeinsame Antwort auf ökumenischer Grundlage. Die Ersetzung eines christlichen Verständnisses von Patriotismus durch die Vorstellung der Treue zu einem "kriegführenden Gott" sei ein Hindernis für die Einheit der Kirchen. In diesem Zusammenhang verwies Schewtschuk auf ein Buch des Moskauer Patriarchen Kyrill I. über den Krieg.
Schewtschuk gratulierte Bartholomaios zum 35. Jahrestag seines Patriarchats und zur Verleihung eines theologischen Ehrendoktorats durch die Päpstliche Universität Heiliger Thomas von Aquin (Angelicum) in Rom. Als Zeichen der Verbundenheit überreichte er ihm ein Marienmedaillon mit einer Darstellung der Gottesmutter von Wyschhorod. Bartholomaios schenkte Schewtschuk unter anderem Bücher über sein Patriarchat und die Bedeutung der Wahrheit in Liebe sowie eine Gedenkmedaille zum 1.700. Jahrestag des Konzils von Nicäa (Nizäa).
Bei dem Gespräch kündigte Schewtschuk laut Risu einen für Dezember geplanten Besuch des Gesamtukrainischen Rates der Kirchen und religiösen Organisationen am Sitz des Ökumenischen Patriarchats im Phanar in Istanbul an. Ziel sei es, den interkirchlichen und interreligiösen Dialog zu vertiefen und auf die Lage der ukrainischen Kirchen im Krieg aufmerksam zu machen. Bartholomaios sicherte dem Großerzbischof seine Unterstützung und sein Gebet für die weiter dem russischen Angriffskrieg ausgesetzte Ukraine zu.
Anteilnahme von Leo XIV.
Bereits am Freitag hatte Schewtschuk Papst Leo XIV. getroffen. Die Begegnung sei besonders bewegend gewesen, da der Papst in der ersten Woche nach seiner Rückkehr aus dem Krankenhaus die Stimme der Ukraine habe hören wollen, erklärte der Kiewer Großerzbischof danach. Das Treffen sei Ausdruck der Anteilnahme des Papstes am Leid der ukrainischen Bevölkerung und der Verbundenheit der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche mit dem Nachfolger des Apostels Petrus.
Schewtschuk berichtete dem Papst auch über die Vorbereitungen der Ukraine auf den Winter und die Gefahr, dass Russland die Kälte als Waffe gegen die Bevölkerung einsetze. Zudem dankte er Leo XIV. für dessen Einsatz für die Ukraine, seine humanitären Vermittlungsbemühungen und die weltweite Solidarität der katholischen Kirche. Der Papst erinnere daran, dass Frieden notwendig sei und der Krieg in der Ukraine keine militärische Lösung habe, so Schewtschuk.
Gesamtukrainischer Rat der Kirchen und Religionsgemeinschaften kritisiert Versuche, die Verantwortung Russlands und der Ukraine in dem Krieg moralisch gleichzusetzen als "zutiefst fehlgeleitet"