Brasilien: Kirche fordert nach Lulas Wahlsieg Dialog und Zusammenhalt
27.10.202612:00
Brasilien/Wahl/Politik/Kirche/Partei/Gesellschaft
Katholische Bischöfe mahnen Überwindung der Polarisierung in der Politik sowie Stärkung der Demokratie und Menschenwürde an - "Brasilien braucht konkrete Zeichen der Befriedung"
Brasilia, 27.10.2026 (KAP) Nach der Wiederwahl von Präsident Luiz Inacio Lula da Silva haben Brasiliens katholische Bischöfe die künftige Regierung zu gesellschaftlicher Befriedung, politischem Dialog und sozialer Verantwortung aufgerufen. In einer am Montag veröffentlichten Botschaft an Lula und seinen ebenfalls wiedergewählten Vizepräsidenten gratulierte die Bischofskonferenz (CNBB) zum Wahlsieg, mahnte aber zugleich, die politische Polarisierung zu überwinden.
Lula hatte die Stichwahl am Sonntag mit 51,75 Prozent der Stimmen gegen den rechtsgerichteten Senator Flavio Bolsonaro, der 48,25 Prozent erhielt, für sich entschieden. Er steht damit vor einer vierten Amtszeit und muss sich einem konservativ dominierten Kongress sowie erheblichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen stellen.
Die Wahl sei beendet, doch bleibe die Aufgabe, "die Einheit des Landes zu bewahren und die Wege des Dialogs, des Vertrauens und des geschwisterlichen Zusammenlebens unter den Brasilianern wieder aufzubauen", erklärte dazu die CNBB. "Brasilien braucht konkrete Zeichen der Befriedung, des Respekts vor Unterschieden und der Wertschätzung demokratischer Institutionen."
In ihrer Botschaft betonten die Bischöfe weiters, der Erfolg eines Landes dürfe nicht allein an wirtschaftlichen Kennzahlen gemessen werden. Entscheidend sei auch, ob Menschen am Rand der Gesellschaft Zugang zu grundlegenden Rechten und menschenwürdigen Lebensbedingungen erhielten. Die CNBB forderte eine Stärkung der demokratischen Institutionen, die Achtung der Verfassung sowie den Kampf gegen Korruption und Gewalt.
Armut, Hunger und Ungleichheit abbauen
In Richtung aller gewählten Amtsträger erinnerte die Bischofskonferenz in einer gesonderten Botschaft an die Verantwortung gegenüber der gesamten Bevölkerung, darunter auch gegenüber jenen, die für andere Kandidaten gestimmt hätten. Zu den zentralen Aufgaben zählten die Überwindung von Armut und Hunger, der Abbau sozialer Ungleichheit, menschenwürdige Arbeit sowie der Zugang zu Gesundheit, Bildung und Wohnraum. "Die Vielfalt der Ideen, die zur Demokratie gehört, darf die Suche nach Übereinstimmungen in grundlegenden Fragen für das Leben und die Würde der brasilianischen Bevölkerung nicht verhindern", hieß es darin.
Die Bischöfe bekräftigten ihre Bereitschaft, den gesellschaftlichen Dialog in Brasilien konstruktiv zu begleiten. Ihr Engagement für Gerechtigkeit, Frieden und Solidarität gründe auf ihrem christlichen Auftrag und sei nicht mit einer parteipolitischen Bindung gleichzusetzen, hieß es.