Caritas-Hospizmitarbeiterinnen: Entscheidend, verlässliche Bezugspersonen zu haben und einander nicht vorzuschreiben, wie Trauer auszusehen hat - Angebote für trauernde Kinder und Jugendliche
Feldkirch, 27.10.2026 (KAP) Kinder und Jugendliche gehen oft anders mit dem Tod eines geliebten Menschen um als Erwachsene. Während sich bei jüngeren Kindern traurige und unbeschwerte Momente rasch abwechseln können, suchen Jugendliche mitunter eigene Wege des Gedenkens, erzählen Sabine Mangeng und Irene Christof von Hospiz Vorarlberg der Caritas im Interview mit dem Vorarlberger KirchenBlatt (aktuelle Ausgabe). Ganz gleich, wie sich die Trauer äußere, wichtig seien verlässliche Bezugspersonen, die auch selbst trauern dürfen. Entscheidend sei, Kindern zu vermitteln, dass jede Emotion ihren Platz hat.
"Die Wahrheit ist Kindern zumutbar", so Mangeng, Koordinatorin von HOKI - Hospizbegleitung für Kinder und Jugendliche. Kinder spürten genau, wenn etwas nicht stimme. Deshalb sollten auch Erwachsene ihre Gefühle nicht verbergen. "Auch Mama darf weinen, traurig oder wütend sein." Und auch ein "Ich weiß es nicht" auf Fragen wie "Kann Papa im Himmel Fußball spielen?" oder "Wie kann man denn auf Wolken schlafen?" sei erlaubt. Hilfreich sei es, zurückzufragen: "Was glaubst denn du?" So könnten Kinder ihre eigenen Vorstellungen entwickeln und mit Erwachsenen darüber ins Gespräch kommen.
Kinder könnten auch im Spiel Erlebtes verarbeiten. Und auch schnelle Wechsel vom Weinen zum Spiel seien nicht ungewöhnlich. "Dass Kinder zwischendurch lachen und unbeschwert wirken, bedeutet nicht, dass sie nicht traurig sind", erklärt Mangeng. Sie berichtete von einem Kind, das nach einem tödlichen Autounfall in der Familie immer wieder zwei Spielzeugautos gegeneinanderstieß und rief: "Bumm, jetzt sind alle tot." Für das Kind sei es wichtig gewesen, das Geschehene auf diese Weise nachzuspielen. "Erwachsene sollten solche Reaktionen nicht vorschnell bewerten oder unterbinden", warnt die Expertin.
Auch Jugendliche hätten ihren eigenen Umgang mit Verlust, führte Christof von der Kontaktstelle Trauer von Hospiz Vorarlberg aus. Manche würden lieber mit Freunden zusammensitzen, anstatt an Allerseelen mit der Familie ans Grab zu gehen. Für Eltern oder Großeltern sei das manchmal schwer zu verstehen. "Doch nur weil jemand mit dem Friedhofsbesuch nicht viel anfangen kann, vermisst er oder sie den verstorbenen Menschen nicht automatisch weniger", so Christof. Entscheidend sei, einander nicht vorzuschreiben, wie Trauer auszusehen hat, sondern unterschiedliche Wege zu respektieren.
Die Expertinnen raten, rund um Allerheiligen Kinder aktiv einzubeziehen, etwa beim Schmücken des Grabes, beim Anzünden einer Kerze oder beim gemeinsamen Erinnern. Wer nicht mit auf den Friedhof gehen wolle, könne dennoch Teil des gemeinsamen Gedenkens sein. "Derjenige, der lieber daheimbleibt, kann zum Beispiel in der Zwischenzeit eine Jause für die anderen vorbereiten", so Christof.
HOKI und die Kontaktstelle Trauer von Hospiz Vorarlberg begleiten Familien nach Todesfällen oder bei schweren Erkrankungen. Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende schaffen Raum für Gespräche, Erinnerungen und Fragen. Zudem werden Kinder in Workshops altersgerecht an die Themen Tod, Abschied und Trauer herangeführt. (Info: https://www.caritas-pflege.at/vorarlberg/beratung-begleitung/hospizbegleitung-fuer-kinder/)
(Diese Meldung ist Teil eines Kathpress-Themenpakets zu Allerheiligen und Allerseelen. Alle Meldungen des Schwerpunkts sind abrufbar unter www.kathpress.at/allerheiligen)