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Johann Emanuel Veith (1787-1876)
Bild Copyright: © Wien Museum

Wegbereiter des katholischen Verbandswesens vor 150 Jahren gestorben

27.10.2026 11:33
Österreich/Kirche/Geschichte/Leute/Judentum
Pastoraltheologin Polak würdigt Wiener Priester Johann Emanuel Veith - Mediziner, Domprediger und Mitbegründer des katholischen Verbandswesens setzte sich für Reformen und gegen Antisemitismus ein
Wien, 27.10.2026 (KAP) Die Wiener Pastoraltheologin und Präsidentin des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Regina Polak, hat gegenüber Kathpress an den Priester, Domprediger und innerkirchlichen Erneuerer Johann Emanuel Veith erinnert, dessen Todestag sich am 6. November zum 150. Mal jährt. Veith, 1787 in eine jüdische Familie in Böhmen geboren und 1876 in Wien gestorben, gilt als Wegbereiter einer Reihe intellektuell reger Wiener Priester jüdischer Herkunft, die das kirchliche Leben prägten, darunter Prälat Johannes Oesterreicher und Prälat Leopold Ungar.

Veith, der vor seiner Taufe im Jahr 1816 als Mediziner erfolgreich gewesen war, erhielt 1851 als bedeutender Absolvent der Universität Wien das Ehrendoktorat der Theologischen Fakultät und wurde 1893 auf deren Ehrentafel aufgenommen, erinnerte Polak. "Für mich ist aus pastoraltheologischer Sicht bemerkenswert, wie er in seiner Zeit gegen die geistige Enge wie auch den vorherrschenden Klerikalismus eingetreten ist und sich für eine stärkere Mitsprache des niederen Klerus und der Laien eingesetzt hat. Für Generationen von Priestern waren seine Predigten eine wichtige Inspiration."

Von Antisemitismus persönlich betroffen

Als Präsidentin des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit sei es ihr ein Anliegen, Veiths Bedeutung für den christlich-jüdischen Dialog in Österreich hervorzuheben, erklärte Polak. "Veith ist auch nach seiner - aus inneren, persönlichen Gründen erfolgten - Taufe der jüdischen Gemeinde verbunden geblieben. Seine von klein auf erworbenen Hebräisch-Kenntnisse dienten ihm bis zu seinem Lebensende zu Übersetzungen auf der Grundlage der Hebräischen Bibel. Zugleich war er vom Antisemitismus grundsätzlich und auch persönlich betroffen."

Polak erinnerte in diesem Zusammenhang, auch vor dem Hintergrund der anstehenden Novemberpogrom-Gedenkwoche, daran, dass Veith unterstellt worden war, "kein Christ, sondern ein in Ritualmord involvierter Kryptojude zu sein". Veith habe von der Kanzel herab schwören müssen, "dass die Vorwürfe der Ritualmordlegende, wonach Juden christliches Blut für Pessachfeiern und das Backen von Mazzes brauchen, falsch sind". Für Polak hat das Zeugnis des Hofbauer-Schülers bleibende Bedeutung: "Seine Treue zum Judentum und sein Mut sind uns bis heute Vorbild."

Einer der Väter des katholischen Verbandswesens

Veith gilt auch als einer der Wegbereiter des katholischen Verbandswesens und der Katholischen Aktion. Als in der Märzrevolution 1848 das Metternichsche System mit seinem Zensur- und Spitzelwesen stürzte, wagte er als einziger Priester in Wien unter Lebensgefahr, die Fastenpredigten zu halten. Er bekannte sich zur Idee einer konstitutionellen Monarchie und wandte sich in Wort und Schrift sowohl gegen eine staatliche Bevormundung der Kirche als auch gegen den vorherrschenden Klerikalismus.

Mit Freunden gründete er im Mai 1848 den Wiener "Katholikenverein für Glauben, Freiheit und Gesittung". Nach dem Scheitern der Revolution und der Rückkehr Österreichs zu einem neoabsolutistischen Staat betrieb Kardinal Othmar Rauscher in Rom eine Verurteilung Veiths, die jedoch ausblieb.

Das Zusammenwirken von Klerikern und Laien im Katholikenverein sowie die Suche nach neuen Wegen für Kirche und Glauben in der durch die Revolution veränderten Gesellschaft gelten als Geburtsstunde des katholischen Verbandswesens in Österreich. Daraus ging rund hundert Jahre später, 1949, die Katholische Aktion Österreichs (KAÖ) hervor.
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