Belgrader Kardinal gratuliert Studentenbewegung zum Wahlsieg
27.10.202612:39
(zuletzt bearbeitet am 27.10.2026 um 12:42 Uhr)
Serbien/Wahl/Gesellschaft/Kirche
Kardinal Nemet würdigt friedlichen Wahlverlauf und "beharrlichen, mutigen und gewaltfreien" Einsatz der Studierenden für die Zukunft Serbiens
Belgrad, 27.10.2026 (KAP) Kardinal Ladislav Nemet hat der Studentenbewegung in Serbien zu ihrem historischen Wahlsieg gratuliert. In einer auf der Website der Erzdiözese Belgrad veröffentlichten Erklärung würdigte der katholische Erzbischof von Belgrad den monatelangen, "beharrlichen, mutigen und gewaltfreien" Einsatz der Studierenden für die Zukunft des Landes. Viele hätten ihnen gesagt, ihre Mühe sei vergeblich. Die jungen Menschen hätten jedoch daran geglaubt, dass sich die Zukunft gestalten lasse und es sich lohne, sich dafür einzusetzen.
Ausdrücklich dankte der Kardinal auch allen, die zum friedlichen und geordneten Verlauf der Parlamentswahl am 25. Oktober beigetragen hätten. Der Wille der Mehrheit sei auf friedliche Weise zum Ausdruck gekommen. Das sei "nicht selbstverständlich, aber es ist ein hohes Gut im Leben einer demokratischen Gemeinschaft", so Nemet.
Den Wahlsiegern wünschte der Erzbischof von Belgrad "viel Erfolg, Weisheit und Ausdauer" angesichts der vor ihnen liegenden "großes Aufgaben". Sie müssten die Arbeit des neuen Parlaments und der Regierung aufbauen und das Land verantwortungsvoll führen. Zugleich rief Nemet dazu auf, allen Bürgerinnen und Bürgern zu dienen, auch jenen, die anders gewählt hätten, und die Würde jedes Menschen zu achten.
Mit Blick auf die Zukunft zeigte sich der Kardinal hoffnungsvoll. Er spüre "etwas Neues in der Luft, den Duft von Hoffnung und Freude", erklärte Nemet. "Es ist wunderbar, das zu erleben." Er bete darum, dass die Hoffnung, die zu einem großen Teil die jungen Menschen gebracht hätten, auch in den kommenden Monaten und Jahren anhalte und zum Wohl aller Menschen im Land beitrage.
Aus der Parlamentswahl in Serbien am Sonntag war die Liste "Die Studenten gewinnen" laut vorläufigem Ergebnis mit rund 53 Prozent als Sieger hervorgegangen. Das Wahlbündnis "Vereintes Serbien" des in Teilen autoritär regierenden Ex-Präsident Aleksandar Vucic landete mit 39 Prozent abgeschlagen auf dem zweiten Platz. Die Wahlbeteiligung erreichte einen Rekordwert von 69 Prozent. Vucic erkannte seine Niederlage noch in der Wahlnacht an. Damit steht das Land vor einem Machtwechsel.
Experte: Serbien betritt politisches Neuland
Serbien betritt nach Ansicht des Politologen Peter Techet vom Institut für den Donauraum und Mitteleuropa (IDM) in Wien nach dem Wahlsieg der Studierendenliste politisches Neuland. Neben der Zusammensetzung des künftigen Regierungskabinetts werde vor allem interessant, welche Rolle die Studenten künftig bei der Regierungsarbeit einnehmen und ob neue Parteien aus der Bewegung entstehen, sagte der Experte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
"Angesichts der Heterogenität der Studierenden, der Abgeordneten und der Wählerschaft wird es schwierig sein, das Lager zusammenzuhalten, zumal sie wirklich basisdemokratisch sind." Im Fokus der künftigen Regierung dürfte laut Techet der Abbau der alten autoritären Elite stehen. Mit personellen Änderungen sei zu rechnen, ebenso mit strafrechtlichen Prozessen und der Wiederherstellung der Medienfreiheit.
Auf der anderen Seite schätzt der Experte, dass die Serbische Fortschrittspartei (SNS) von Ex-Präsident Aleksandar Vucic eine "schwierige Opposition" für die neuen Regierenden werden dürfte. "Die Vucic-Partei mag zerbröseln - aber sie ist weiterhin tief in der Gesellschaft, in der Wirtschaft und besonders in der kriminellen Unterwelt verankert", so Techet.
"Kein bequemer Partner für Brüssel"
Was die Beziehungen des Landes zur Europäischen Union - Serbien ist seit bald 15 Jahren Beitrittskandidat - betrifft, so dürften die neuen Regierenden "kein bequemerer Partner für Brüssel" werden, glaubt Techet. Ein bedeutender Teil ihrer Wählerschaft sei skeptisch gegenüber der EU eingestellt. Auch hätten einige Studierende mit nationalistischer Rhetorik aufhorchen lassen. "Eine Anerkennung des Kosovo kommt auch für sie nicht infrage und ebenso fraglich ist, ob sie die Sanktionen gegen Russland übernehmen werden", meint Techet.