Äthiopien: Mehr als 60 Tote bei Angriffen auf Christen
27.10.202614:31
Äthiopien/Gewalt/Massaker/Konflikte/Kirche
Äthiopisch-orthodoxe Kirche spricht von "Massaker" in Region Oromia - Viele Bewohner auf der Flucht
Addis Abeba, 27.10.2026 (KAP) Bei zwei Angriffen auf orthodoxe Christen in der äthiopischen Region Oromia sind nach Angaben der Äthiopisch-orthodoxen Tewahedo-Kirche mindestens 60 Menschen getötet worden. Wie die britische BBC und der arabische Nachrichtensender Al Jazeera am Dienstag berichteten, ereigneten sich die Angriffe am 20. und 24. Oktober in den Bezirken Merti und Shirka. Mehr als 20 Menschen seien schwer verletzt und 20 Häuser niedergebrannt worden.
Laut der Heiligen Synode der Kirche wurden bei einem Angriff im Bezirk Merti am 20. Oktober 14 Menschen getötet. Weitere 46 Todesopfer habe es vier Tage später in den Dörfern Tereta, Chole und Birbo im Bezirk Shirka gegeben. Ein Kirchenvertreter sprach von einem "Massaker", Augenzeugen zufolge waren unter den Getöteten auch Kinder. Zahlreiche Bewohner flohen aus der betroffenen Gegend.
Die Kirche verurteilte die Angriffe als schwere Verletzung des Rechts auf Leben und Religionsfreiheit. Sie forderte die Behörden auf, die Zivilbevölkerung besser zu schützen, weitere Gewalttaten zu verhindern und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Zudem ordnete sie Gebete für die Opfer in orthodoxen Kirchen und Klöstern weltweit an. Die Regionalregierung kündigte ebenfalls an, gegen die Verantwortlichen vorzugehen.
Ein örtlicher Vertreter machte ein neu gegründetes Rebellenbündnis, dem auch die Oromo-Befreiungsarmee (OLA) angehört, für die Angriffe verantwortlich. Eine unmittelbare Verantwortungsübernahme gab es laut Al Jazeera nicht. Die OLA hat frühere Vorwürfe, Zivilisten angegriffen zu haben, zurückgewiesen.
Die Gewalt ereignet sich vor dem Hintergrund anhaltender Konflikte zwischen Regierungstruppen und bewaffneten Gruppen in Oromia. Der Äthiopische Menschenrechtsrat berichtete im Juli von mindestens 432 getöteten Zivilisten und vier Angehörigen lokaler Milizen bei gezielten Angriffen in Ost-Arsi zwischen 2021/22 und Juni 2026. Frühere Berichte dokumentierten auch Angriffe auf Muslime.
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