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Missionspriester P. Sebastian Dumont (Mitte) mit Künstlern bei Benefizkonzert in Wiener Pfarre Maria Namen
Bild Copyright: © Sandra Peña

Missionspriester: Kubas Bevölkerung am Rand der Verzweiflung

27.10.2026 14:54
Kuba/Österreich/Kirche/Armut/Entwicklungshilfe/Strom
Ordensmann Sebastian Dumont berichtet von verschärfter Versorgungskrise, Stromausfällen und wachsender Auswanderung - Kirche begleitet Menschen in Not
Wien, 27.10.2026 (KAP) Die Versorgungskrise in Kuba hat sich nach Angaben des belgischen Missionspriesters Sebastian Dumont seit Jahresbeginn weiter verschärft. "Die Verzweiflung ist überall spürbar", sagte der 49-Jährige am Dienstag im Interview mit der Nachrichtenagentur Kathpress. Obwohl er seinen mehrjährigen Einsatz auf der Karibikinsel im Juli beendet hat und seither in Spanien als Spiritual eines Priesterseminars wirkt, steht er weiter in engem Kontakt mit seinen früheren Mitbrüdern und den Menschen vor Ort.

Besonders dramatisch sei die Treibstoffversorgung gewesen. Im Frühjahr habe ein Liter Benzin bis zu zehn US-Dollar gekostet. "Für Menschen, die im Monat oft nur diese Summe verdienen, ist das unerschwinglich", berichtete Dumont. Die Missionare hätten deshalb Fahrten mit dem Auto eingeschränkt und seien vermehrt mit Fahrrad oder Motorrad zu den Dörfern unterwegs gewesen. Inzwischen gebe es wieder mehr Treibstoff über private Anbieter, nachdem gesetzliche Änderungen neue Importmöglichkeiten eröffnet hätten.

Auch die Stromversorgung sei prekär. "Oft gibt es zwei oder drei Tage keinen Strom, manchmal sogar vier Tage", sagte der Ordensmann. Bei Temperaturen von 30 bis 40 Grad könnten Familien ohne Kühlschrank Lebensmittel kaum frisch halten. In staatlichen Apotheken seien zudem Medikamente kaum erhältlich. Die Gemeinschaft versuche, mit Hilfslieferungen aus dem Ausland und der Vermittlung medizinischer Unterstützung zu helfen. Schmerzmittel, Antibiotika sowie Herz- und Kreislaufmedikamente seien besonders gefragt. Die Hilfe sei allerdings "nur ein Tropfen auf den heißen Stein".

Die anhaltende Not belaste auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Zwar sei Solidarität in der Bevölkerung weiterhin verbreitet, doch viele Menschen konzentrierten sich zunehmend auf die eigene Familie und ihre unmittelbaren Bedürfnisse. Dumont warnte davor, die Widerstandskraft der leidgeprüften Kubaner zu romantisieren: "Man fühlt sich oft machtlos, weil man eigentlich nichts tun kann", so seine Erfahrung.

Glaubensdurst trotz Krise

Gleichzeitig beobachte er weiterhin Interesse am katholischen Glauben. In seiner früheren Pfarre bereiteten sich derzeit etwa 40 Menschen auf den Empfang der Sakramente vor. Viele Erwachsene seien bislang nicht getauft: Über Jahrzehnte habe es in Kuba praktisch kaum Taufen gegeben, da dies mit Repressalien seitens des kommunistischen Regimes sowie mit gesellschaftlicher Diskriminierung verbunden war. Erst seit den 1990er Jahren und besonders nach dem Besuch von Papst Johannes Paul II. 1998 habe sich die Situation verbessert.

Die Vorbereitung auf Taufe, Erstkommunion und kirchliche Eheschließungen gehöre zu den zentralen Aufgaben der Missionare. Gottesdienste feierten sie in kleinen Kapellen oder in Privathäusern. Neue Kirchen und Kapellen dürften allerdings weiterhin nicht errichtet, bestehende Gebäude lediglich saniert werden.

Große Sorgen bereitet Dumont die anhaltende Abwanderung junger Menschen. Vor allem die gut Ausgebildeten verließen das Land, darunter auch Gemeindemitglieder und Katecheten, wodurch auch den kirchlichen Gemeinschaften wichtige Verantwortungsträger verloren gingen. Zugleich gebe es jedoch durchaus junge Menschen, die sich für das Priesterseminar oder ein Ordensleben interessierten.

Die Aufgabe der Missionare bestehe darin, die Menschen seelsorglich und praktisch zu begleiten und ihnen zu helfen, ihre Würde wiederzuentdecken. Für eine grundlegende Verbesserung brauche es jedoch laut Dumont auch politische Veränderungen: "Wir müssen beten und Gott um gute Politiker bitten", die das Wohl der Bevölkerung in den Mittelpunkt stellten.

Missionar auf Reisen

P. Dumont bereiste in der vergangenen Woche mehrere österreichische Diözesen, um in Pfarren, Ordensgemeinschaften und bei Hilfsorganisationen über die Arbeit seiner Gemeinschaft zu berichten. In der Wiener Pfarre Maria Namen fand ein Benefizkonzert mit Opernliedern zugunsten der Ordensprojekte in Kuba und Peru statt. Zudem traf der Missionar die dort versammelte spanischsprachige Gemeinde (Spendenkonto: Verein Missionare Diener der Armen, Hypo-Bank Landeck, IBAN: AT82 5700 0001 8003 8400, Infos: www.msptm.com/de)
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