Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz bei Messe zum Auftakt der Vollversammlung des Rats der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) in Salzburg: Kirche vor politischer Vereinnahmung und Radikalisierung schützen
Salzburg, 27.10.2026 (KAP) Die katholische Kirche hat einen universalen Auftrag zum Einsatz für Frieden und gegen Armut. Das hat der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, Erzbischof Franz Lackner, beim Gottesdienst zum Auftakt der viertägigen Vollversammlung des Rats der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) am Dienstagabend in Salzburg betont. Gleichzeitig warnte der Salzburger Erzbischof vor Versuchen, die Kirche zu instrumentalisieren. Es gelte "das Reich Gottes unter uns" vor politischer Vereinnahmung zu schützen, "ebenso vor jeglicher Radikalisierung, von welcher Seite diese auch kommen mag".
"Frieden und Armut, müssen uns zuinnerst Anliegen sein", betonte Lackner in der Predigt beim Eröffnungsgottesdienst mit zahlreichen Bischofskonferenz-Vorsitzenden aus ganz Europa. "Wir dürfen an den Kriegsschauplätzen unserer Zeit nicht vorübergehen, nicht hinwegsehen: die viel gepeinigte Ukraine; der Unfriede im Heiligen Land und überall dort, wo Menschen leiden und um ihre Existenz täglich fürchten müssen."
Die Armut habe viele Gesichter, führte der zum Franziskanerorden gehörende Erzbischof aus: "Kinder, die nicht das Nötigste für menschenwürdiges Leben haben; die Armut in der Sinnfrage; ja, es gibt auch eine geistig-geistliche Armut, eine Hoffnungslosigkeit in einer Welt der gefühlten Gottlosigkeit. Überall dort müssen wir präsent sein, helfend, betend, unaufdringlich Trost und Hoffnung spendend."
Die Christusnachfolge, zu der die Kirche berufen ist, könne - so der Erzbischof abschließend in Anlehnung an die Worte Mariens im Magnificat - wie folgt beschrieben werden: "Unsere Mission, unsere Sendung: Gott in dieser Welt groß werden zu lassen!"
Evangelisierung, Synodalität, Priester
Salzburg ist erstmals Tagungsort einer Vollversammlung des CCEE. Unter dem Thema "Evangelisierung und Synodalität: Die Sendung der Priester in Europa heute" kommen insgesamt rund 40 Bischöfe aus ganz Europa zusammen. Wie Erzbischof Lackner am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur Kathpress erläuterte, gehe es im Blick auf das Hauptthema um "keine konkreten Beschlüsse". Ziel sei vielmehr der Austausch der Bischofskonferenz-Vorsitzende über Erfahrungen und Perspektiven der verschiedenen europäischen Ortskirchen.
Zu den Teilnehmern zählen unter anderem CCEE-Präsident Erzbischof Gintaras Gruas, der Präfekt des Dikasteriums für den Klerus, Kardinal Lazzaro You Heung-sik, der Generalsekretär der Synode, Kardinal Mario Grech, sowie Erzbischof Filippo Iannone, der höchste Vatikanbeamte für die Bischöfe. Bei der Tagung steht turnusgemäß auch die Wahl des CCEE-Vorsitzenden sowie des Präsidiums an.
Neuwahl des Präsidiums
Haupttagungsort ist das kirchliche Bildungszentrum St. Virgil. Am Donnerstag wird die Versammlung das neue CCEE-Präsidium wählen. Das Programm umfasst zudem Gottesdienste, kulturelle Begegnungen und Besuche bedeutender kirchlicher Orte in Salzburg. Höhepunkte sind Festgottesdienste mit allen Bischöfen in der Erzabtei St. Peter am Mittwochabend sowie die Abschlussmesse in der Wallfahrtskirche Maria Plain.
Im Mittelpunkt der Beratungen stehen laut CCEE-Aussendung die Umsetzung des weltweiten synodalen Prozesses, die Rolle der Priester in einer sich wandelnden Gesellschaft sowie aktuelle pastorale und kirchliche Herausforderungen in Europa. Zum Arbeitsprogramm zählen auch Gastbeiträge hochrangiger kirchlicher Fachexpertinnen und Fachexperten. Zu den Vortragenden gehören u. a. Erzbischof Bernardito Auza, Apostolischer Nuntius bei der Europäischen Union, Mariano Crociata, Präsident der COMECE, und Caritas-Europa-Präsident Michael Landau.
Rat der Europäischen Bischofskonferenzen
Der Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) (lateinisch: Consilium Conferentiarum Episcoporum Europae) ist der Zusammenschluss der Präsidenten der römisch-katholischen Bischofskonferenzen Europas. Der Rat umfasst 39 Mitglieder: 33 Bischofskonferenzen, die Erzbischöfe von Luxemburg und des Fürstentums Monaco, den maronitischen Erzbischof von Zypern sowie die Bischöfe von Chisinau (Moldau), der Eparchie Mukatschewo (Ukraine) und der Diözese Tallinn (Estland). Gemeinsam vertreten sie die katholische Kirche in 45 Ländern des europäischen Kontinents.
Der CCEE wurde 1971 gegründet, nachdem europäische Bischöfe nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) entsprechende Initiativen ergriffen hatten. Er fördert die Zusammenarbeit und den Dialog zwischen den Bischofskonferenzen Europas und unterstützt eine gemeinsame pastorale Antwort auf die sozialen, kulturellen und spirituellen Herausforderungen des Kontinents. Zu seinen Schwerpunkten zählen etwa die Zusammenarbeit in Bereichen wie Migration, Medien, Ökumene, interreligiöser Dialog und soziale Fragen. Besonders eng arbeitet der CCEE mit der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) zusammen und setzt sich für den Dialog zwischen den christlichen Kirchen sowie für ein gemeinsames christliches Zeugnis in Europa ein.
(Website Rat der Europäischen Bischofskonferenzen, CCEE: www.ccee.eu)
Bischofskonferenz-Vorsitzende, die gemeinsam die katholische Kirche in 45 Ländern des europäischen Kontinents vertreten, beraten vier Tage lang in Österreich - Erzbischof Lackner ist Gastgeber - Synodalität und Rolle der Priester als Themen, auch Neuwahl des CCEE-Präsidiums steht an