Beratung unterstützt nach Fehl- und Totgeburten bei Trauer, Ängsten und sozialrechtlichen Fragen
Wien/Eisenstadt, 28.10.2026 (KAP) Im Vorfeld von Allerseelen hat die "aktion leben" an alle Eltern erinnert, die Kinder durch Fehl- oder Totgeburt verloren haben. Viele Frauen und Paare seien betroffen, betonte Generalsekretärin Martina Kronthaler in einer Aussendung am Mittwoch. Beratung nach einem solch einschneidenden Erlebnis sei gerade dann hilfreich, wenn die Trauer nicht weichen wolle. "Ein Baby zu verlieren, ist eine schlimme Erfahrung. Ich bitte alle, weiterzusagen, dass es Begleitung gibt", informierte auch Judith Schmidl, Geschäftsführerin der "Aktion Leben Burgenland", im Interview mit der Kirchenzeitung "Martinus" (aktuelle Ausgabe) über die Trauerbegleitung, die zum Angebot der Schwangerenberatungsstelle des Vereins zählt.
"Warum habe ich das nicht gemerkt? Was habe ich falsch gemacht?" oder "Ich bin für die anderen eine Zumutung" sind Sätze, die Christine Loidl, Psychotherapeutin, Psychologin und Sozialarbeiterin bei "Aktion Leben Burgenland", in der Beratung von Frauen hört. Es gebe eine Vielzahl an Belastungen, über die Frauen sprechen wollten, erklärte Loidl - etwa die Unterschiede im Erleben des Partners, die Begleitung ebenfalls trauernder Geschwister, den Verlust der Familienperspektive, Ängste bezüglich des Themas Familie-Werden oder auch Gefühle von Schuld, Scham, Neid und Wut.
Ängste bei Folgeschwangerschaften
Die Beratung "bietet eine Ressource, um über das Erlebte zu sprechen, Gefühle einzuordnen und wieder handlungsfähig zu werden", beschreibt Kronthaler das Angebot. Dabei könnten auch Ängste vor einer neuerlichen Schwangerschaft thematisiert werden. "Stille Geburten bzw. Fehlgeburten werfen oft Schatten auf Folgeschwangerschaften und werden dann in der Beratung zum Thema", erzählt Kronthaler. Die Erfahrung, dass eine Schwangerschaft nicht gut ausgehen muss, führe zu Unsicherheit und Angst. Es brauche oft länger, bis Frauen wieder vertrauen und das aktuelle Baby annehmen können.
"Ich begleite die Frauen, dass sie dem verstorbenen Baby einen Platz geben und sich dem aktuellen Baby zuwenden können", berichtet Loidl aus ihrer Tätigkeit. Bei einer weiteren Schwangerschaft wieder zu vertrauen, das Baby anzunehmen und wohlwollend zu sein, brauche oft Zeit. Bewährt habe sich dabei etwa die vorgeburtliche Beziehungsförderung - die sogenannt Bindungsanalyse. "Dabei versuchen wir, das Band zwischen Mutter und Kind zu stärken - einen inneren Dialog zwischen ihnen anzuregen. Das tut den Müttern gut und den Kindern", erläutert Kronthaler.
Rechte nach einem Schwangerschaftsverlust
Schließlich informiert die Beratung auch über sozialrechtliche Themen, die mit einem frühen Schwangerschaftsverlust einhergehen: Wann muss die Frau nach einer frühen Geburt wieder arbeiten gehen? Kann bzw. muss sie das Baby bestatten lassen? Kann eine Frau nach einer Entbindung, bei der das Kind verstirbt, in Krankenstand gehen? Oder: Wann steht ihr Mutterschutz zu?
In den letzten Jahren sei die Sensibilität für diese Situation gestiegen, betonten Kronthaler und Loidl. Dies spiegele sich in den aktuellen Sozialgesetzen wider, aber auch bei den Bestattungsregeln und den Angeboten in den Krankenhäusern, so Kronthaler. Heute spreche man zudem vermehrt auch nicht mehr von einer Totgeburt, "sondern - was für die Betroffenen viel annehmbarer ist - von einer stillen Geburt", erklärte Loidl.
Die Beratung von "aktion leben" ist kostenlos, doch ist eine telefonische Terminvereinbarung nötig. "aktion leben österreich" ist ein überkonfessioneller, überparteilicher karitativer Verein, der sich vorwiegend aus privaten Spenden finanziert. Neben der Beratung und Unterstützung von schwangeren Frauen engagiert sich "aktion leben" auch in der Bildungsarbeit für Kinder und Jugendliche sowie in der aktiven Öffentlichkeitsarbeit zu bioethischen Fragen. In den Bundesländern gibt es selbstständige "aktion leben"-Vereine, die mit "aktion leben österreich" inhaltlich und organisatorisch eng zusammenarbeiten.