Caritas Europa-Präsident bei Vollversammlung des Rats der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) in Salzburg: "Seminaristen lehren, nicht nur über die Armen zu sprechen, sondern ihnen zu begegnen"
Salzburg, 28.10.2026 (KAP) Bei der Ausbildung von Priestern muss stärker als bisher die karitative Dimension ihres Dienstes zum Tragen kommen. Darauf hat Caritas-Europa-Präsident Michael Landau bei der Vollversammlung des Rats der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) am Mittwoch in Salzburg aufmerksam gemacht. "Die Priesterausbildung muss den Seminaristen lehren, nicht nur über die Armen zu sprechen, sondern ihnen zu begegnen." Dies sei der Kern der Synodalität und der Mission von Priestern, so der frühere österreichische Caritas-Präsident unter Bezugnahme auf das Generalthema der Bischofskonferenz-Vorsitzenden aus ganz Europa.
Für angehende Diakone und Priester können Begegnungen mit Menschen, die Armut oder Ausgrenzung erfahren, tiefgreifend prägend und transformierend sein, führte Landau aus, der selbst Priester in der Erzdiözese Wien ist. Praktische Erfahrungen der Nächstenliebe sollten im Priesterseminar nicht als "optionale Freizeitbeschäftigung" betrachtet werden. Richtig konzipiert, begleitet und in die spirituelle und pastorale Ausbildung integriert, könne sie ein wesentlicher Bestandteil der Berufungsfindung zum Priestertum werden.
Eine solche praktische Ausbildung erfordere die bewusste Zusammenarbeit zwischen Bischöfen, Priesterseminaren und Caritas bzw. anderen karitativen Organisationen. Der Caritas-Europa-Präsident verwies in diesem Zusammenhang auf ermutigende Erfahrungen in Italien, Frankreich, England und Wales, Schottland oder Norwegen.
Caritas gehört zum Wesen der Kirche
Caritas sei keine optionale Tätigkeit der Kirche, sondern gehöre zu ihrem Wesen und somit auch zum Verantwortungsbereich der Bischöfe. "Die Caritas ist gewissermaßen Ihr Instrument, durch das der Bischof und die Ortskirche ihre Verantwortung wahrnehmen, zu lieben, zu dienen und die Würde jedes Menschen zu verteidigen", so Landau, an die Bischofskonferenz-Vorsitzenden gerichtet.
"Der Bischof ist als Hirte und als Vater der Armen die erste verantwortliche Person für die Nächstenliebe" in einer Diözese und in der kirchlichen Organisation, betonte Landau. Daher sollten die bischöflichen und kirchlichen Prioritäten diese Verantwortung für die Diakonie widerspiegeln. "Priester sollten ermutigt werden, mit der Pfarrgemeinde Caritas oder anderen katholischen Hilfsorganisationen zusammenzuarbeiten, und die Ausbildungsprogramme müssen die soziale und karitative Mission der Kirche einbeziehen."
Europäisches Caritas-Netzwerk
Vor den Vorsitzenden von 35 Bischofskonferenzen in Europa ging Landau auch auf das europäische Caritas-Netzwerk in 46 Ländern des Kontinents ein. "Verwurzelt im Evangelium und in der katholischen Soziallehre, vereint Caritas Europa 49 Caritas-Organisationen in diesen 46 Ländern." Damit bilde Caritas Europa die europäische Region von Caritas Internationalis, dem weltweiten Verbund von mehr als 160 Caritas-Organisationen, die zumeist nationale Verbände sind.
Ziel der Caritas sei es, sich gemeinsam für Menschen einzusetzen, die von Armut, Ausgrenzung und Verletzlichkeit betroffen sind. Die Caritas-Organisationen verteidigen die Menschenwürde, fördern soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit und reagieren auf Notlagen - seien sie natürlichen Ursprungs, menschengemacht oder durch Konflikte bedingt.
Durch ihre Präsenz vor Ort reagiere die Caritas nicht nur auf unmittelbare menschliche Nöte - als praktischer Ausdruck des karitativen Dienstes der Kirche -, sondern gehe auch auf die tieferliegenden Ursachen von Ausgrenzung, Armut und Verletzlichkeit an. "Sie setzt sich zudem für eine Gesellschaft ein, in deren Mittelpunkt der Mensch, Solidarität und das Gemeinwohl stehen", so Landau, der seit 2020 Präsident von Caritas Europa ist.
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