Direktor Schmolly kritisiert geplante Kürzungen und warnt vor Mehrbelastung der Gemeinden - Appell an Landesregierung alle Möglichkeiten zu nutzen, um "chancenreichste Region für Kinder zu sein"
Feldkirch, 28.10.2026 (KAP) Die geplante Reform der Sozialhilfe droht nach Einschätzung der Caritas Vorarlberg, Kinderarmut zu verfestigen. "Von den großen Versprechen im Regierungsprogramm, im Verbund mit der Sozialhilfe die Kinderarmut zu halbieren und eine Kindergrundsicherung einzuführen, ist nichts übriggeblieben", übte der Direktor der Caritas Vorarlberg, Walter Schmolly, scharfe Kritik an dem seit Dienstag in Begutachtung befindlichen Gesetzesentwurf zur Sozialhilfereform der Bundesregierung. Kinder seien die größte Gruppe in der Sozialhilfe. Damit werde nun "bei denjenigen gekürzt, die ihre Situation sich weder ausgesucht haben noch etwas daran verändern können", so Schmolly, der aber auch lobende Worte für Verbesserungen für Menschen mit Beeinträchtigung fand.
Für das erste Kind erhält eine Familie künftig 307,47 Euro plus Kinderbeihilfe. "Für Vorarlberg bedeutet das eine Verschlechterung um monatlich ca. 90 Euro beziehungsweise 20 Prozent", legte Schmolly dar. Laut dem offiziellen Referenzbudget der Schuldenberatung würden die tatsächlichen Kosten für das erste Kind in Österreich aber bei 1.114 Euro liegen. "Die Unterstützung für Kinder in Familien, die auf Sozialhilfe angewiesen sind, ist also meilenweit entfernt von den realen Kosten. Das bedeutet unterm Strich nichts anderes, als dass die Chancen und Perspektiven dieser Kinder weiter beschnitten werden und Kinderarmut verfestigt wird."
"Wartezimmer der Armut"
Kritisch sieht die Caritas auch die geplante Reduktion der Sozialhilfe für bestimmte Personengruppen - insbesondere für asylberechtigte Personen. "Sicher ist, dass man in Vorarlberg mit 861 Euro im Monat, die für asylberechtigte Personen in den ersten Monaten vorgesehen sind, nicht leben kann", sagte Schmolly. Es stehe außer Frage, dass Menschen sich sowohl in der Gesellschaft als auch am Arbeitsmarkt integrieren und sich möglichst über Erwerbsarbeit ihren Lebensunterhalt erarbeiten sollen. Doch die Menschen "zunächst ins Wartezimmer der Armut zu schicken", sei für die Integration wenig hilfreich.
"Wenn diese Menschen nicht auf der Straße landen sollen, dann wird es ergänzende Unterstützungen brauchen", betonte Schmolly, der eine Verlagerung in Richtung der Gemeinden befürchtet. "So wird das ganze System komplizierter, aber am Ende des Tages nicht billiger werden." Eine Reform der Sozialhilfe sei deshalb für unseren Sozialstaat und auch für den sozialen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft eine sensible Angelegenheit", sagte der Caritas-Direktor. Die Sozialhilfe müsse Menschen in Not verlässlich auffangen, wenn alle anderen Systeme nicht mehr greifen.
Appell an die Landesregierung
Für Menschen in Vorarlberg sei es nun entscheidend, wie die Vorarlberger Landesregierung im Rahmen des neuen Grundsatzgesetzes die Sozialhilfe in Vorarlberg ausgestalten werde. "Mein Appell ist, dass dabei im Sinne des Anspruchs, die chancenreichste Region für Kinder zu sein, alle Möglichkeiten genutzt werden, auch die Kinder in Familien, die auf Sozialhilfe angewiesen sind, bestmöglich zu unterstützen." Zudem brauche es auch für die hohen Wohnkosten in Vorarlberg "landesspezifische Lösungen".