"Adoratio"-Kongress Kremsmünster: Anbetung als Quelle des Glaubens
28.10.202615:49
(zuletzt bearbeitet am 28.10.2026 um 16:48 Uhr)
Österreich/Kirche/Glaube/Religion
Premiere des Glaubensevents in Oberösterreichs Benediktinerstift mit Impulsen von Bischof Scheuer über heilende Kraft der Anbetung, Abt Eckerstorfer über Gottes "Abwesenheit" und Altabt Ebhart über seine "Nähe"
Linz, 28.10.2026 (KAP) Die eucharistische Anbetung als Quelle des Glaubens und als Kraft für ein Leben nach dem Evangelium ist im Mittelpunkt des ersten Adoratio-Kongresses in Oberösterreich gestanden. Über 500 Menschen, darunter viele junge Erwachsene und Familien, nahmen von 23. bis 25. Oktober im Benediktinerstift Kremsmünster an dem Treffen unter dem Motto "Jesus begegnen" teil, weitere kamen zu den Gottesdiensten. Das Programm umfasste Vorträge, Workshops, Eucharistiefeiern, gemeinsame Gebetszeiten und eine Lichterprozession. Veranstaltet wurde der Kongress vom Stift Kremsmünster gemeinsam mit Pfarren und kirchlichen Bewegungen in Zusammenarbeit mit der Diözese Linz.
Der Linzer Bischof Manfred Scheuer beschrieb bei der Eröffnungsmesse die Anbetung als grundlegende Entscheidung über die Ausrichtung des eigenen Lebens. Sie stelle den Menschen radikal vor die Frage: "Vor wem gehe ich in die Knie - vor Gott, dem lebendigen Gott, oder vor Götzen?" Arbeit, Ehre, Geld oder das eigene Ich könnten zu Größen werden, die Menschen absolut setzten. Die Anbetung zerbreche diese vermeintlichen Absolutheiten und mache deutlich: "Gott allein genügt." Im Leben sei nichts und niemand aus sich heraus allein genug - nur Gott. Anbetung bedeute, den Blick von sich selbst weg und auf Gott zu richten, statt ständig um sich selbst zu kreisen, "nicht wie ein Löwe im Käfig, sondern mit dem Blick nach oben".
Menschen gingen nicht nur an Hass oder Gleichgültigkeit zugrunde, sondern auch daran, dass sie immer alles voneinander erwarteten, sagte Scheuer. Andere könnten zum Götzen werden, wenn man sie vergöttere und zum absoluten Maßstab mache. Die Anbetung befreie davon. Das Dasein vor Gott wirke "heilend und läuternd", für den Einzelnen ebenso wie für die Gesellschaft. Wer Gott anbete, sei von Gott fasziniert und nicht ausschließlich von sich selbst, dem eigenen Leiden oder dem Selbstmitleid, sagte Scheuer. Die Anbetung könne auch helfen, gütiger zu werden. Gerade Verbitterung und das Gefühl, zu kurz gekommen zu sein, verstellten oft den Blick auf andere. Auch Menschen mit Brüchen und Erfahrungen des Scheiterns könnten in der Anbetung neuen Halt finden. "Dasein vor Gott richtet auf, tut gut, heilt" - denn auch Nöte, Wunden und Fragen hätten dort ihren Platz, so der Bischof.
Eckerstorfer: Stille und Bereitschaft
Abt Bernhard Eckerstorfer lenkte den Blick bei seinem Vortrag auf die Erfahrung, dass Gott Menschen mitunter abwesend erscheine. Dabei sei nicht Gott tatsächlich fern, sondern der Mensch nehme seine Gegenwart oft nicht wahr. "Vielleicht ist ja überhaupt nicht Gott der Abwesende, sondern wir, die von Gott abwesend sind", gab Eckerstorfer zu bedenken. Um sich dem verborgenen und unbegreiflichen Gott zu nähern, brauche es Stille und die Bereitschaft, sich auf ihn einzulassen. Vor der Messe könne die Frage helfen: "Gott, was willst du mir heute sagen?" Oft seien Menschen so mit sich selbst beschäftigt, dass sie die biblischen Lesungen kaum wahrnähmen.
Anhand des im Vorjahr heiliggesprochenen Jugendlichen Carlo Acutis zeigte Eckerstorfer, wie die Begegnung mit Christus in der Eucharistie den Alltag prägen könne. Acutis habe die Gegenwart Jesu im Allerheiligsten ernst genommen und versucht, andere daran teilhaben zu lassen - unter anderem durch seine Ausstellungen über eucharistische Wunder und durch konkrete Hilfe für Menschen in Not. Entscheidend sei, nicht bei den Wundern stehen zu bleiben, sondern sich von der Eucharistie zur Nachfolge Christi bewegen zu lassen. Anbetung könne helfen, Gottes Gegenwart neu wahrzunehmen und ihr im eigenen Leben Raum zu geben.
Gegenüber statt Anonymität
Altabt Ambros Ebhart stellte am Sonntag die Anbetung als grundlegende Form der Gottesbegegnung heraus. Sie bedeute, in Stille vor Christus zu verweilen, zu staunen und sich bewusst zu machen: Gott sei der Schöpfer, der Mensch verdanke ihm sein Leben. Zugleich sei Christus kein ferner oder anonymer Gott, sondern ein Gegenüber und Freund. Die Anbetung helfe, Christus ähnlicher zu werden und das eigene Leben immer wieder neu an ihm auszurichten. Die Gegenwart Christi in der Eucharistie veranschauliche, was den Gläubigen in der Anbetung geschenkt werde: Gott bleibe den Menschen nahe. Ebhart verwies auf den Tabernakel als "Domus aurea", als goldenes Haus, in dem das Kostbarste der Kirche aufbewahrt werde. Die Anbetung sei eine Quelle des Glaubens und der Liebe, zu der Menschen immer wieder zurückkehren könnten.
Bedürftigkeit erlaubt
Eine der Vortragenden war die Philosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, die über das Lobpreisgebet sprach und sich dabei unter anderem auf das "Sanctus" von Bachs h-Moll-Messe bezog. Das Stück bringe wie kaum ein anderes zum Ausdruck, dass der Mensch in den Lobgesang der Engel hineingenommen sei. Auch wenn die eigene Aufmerksamkeit leicht abschweife und das Gebet von innerer Unruhe geprägt sei, müsse man nicht erst vollkommen sein, um vor Gott treten zu können, betonte die Religionsphilosophin. Die eigene Bedürftigkeit dürfe in das Gebet eingebracht werden.
Wie solche Glaubenserfahrungen den Alltag verändern können, schilderte Amata Eder von der Jungen Kirche Schwertberg in einem Impuls zur Sendung. Die Erfahrung, selbst in schwierigen Lebensphasen als geliebtes Kind Gottes angenommen zu sein, habe ihren Glauben vertieft. Daraus sei der Wunsch entstanden, diese Erfahrung weiterzugeben. Anbetung sei zudem kein Rückzug aus der Welt: Wer Christus begegne, solle das Erlebte in Familien, Beziehungen und gesellschaftliches Leben hineintragen, so die Jugendliche, die den Kongress moderierte und beim Sendungsimpuls auch Einblicke in ihre eigene Glaubensbiografie gab.
Der Kongress knüpft an die 2019 im bayerischen Altötting begonnene Adoratio-Bewegung und an die Adoratio-Veranstaltungen in Salzburg an. Mit Kremsmünster bot erstmals ein Ort in Oberösterreich dafür den Rahmen - wobei das Benediktinerstift auf eine fast 1.250-jährige Gebetstradition zurückblicken kann, wie mehrmals betont wurde. Hauptorganisator Kaplan Klemens Langeder zeigte sich erfreut über die Resonanz und berichtete von einer "Atmosphäre der Freude" und davon, dass sich die Teilnehmer wichtige Impulse für ihr Glaubensleben mitgenommen hätten.