Kurienpräfektin fordert bei Treffen in Argentinien mehr Solidarität und gemeinschaftliches Engagement - Volksbewegungen als Verteidiger des Zusammenhalts in Umbruchszeiten
Buenos Aires, 29.10.2026 (KAP) Die vatikanische Kurienpräfektin Alessandra Smerilli hat angesichts der rasanten Entwicklung künstlicher Intelligenz (KI) zu mehr Solidarität und gemeinschaftlicher Organisation aufgerufen. Volksbewegungen spielten eine zentrale Rolle beim Aufbau einer Gesellschaft, die auf Menschenwürde, Gerechtigkeit und Solidarität beruhe, erklärte die Ordensfrau beim Regionaltreffen der Volksbewegungen in Argentinien, die am Dienstag und Mittwoch in La Matanza bei Buenos Aires stattfand. Es gelte, "Gestalter der Gemeinschaft und nicht Architekten von Babel" zu sein.
Smerilli, Präfektin des Dikasteriums für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen menschlichen Entwicklung, verwies auf die Gefahr, Menschen im Zuge der Digitalisierung auf Daten und Leistungswerte zu reduzieren. Der technologische Fortschritt werfe nicht nur die Frage auf, wie neue Technologien genutzt würden, sondern auch, wie sich die Menschlichkeit bewahren lasse. Unter Bezugnahme auf die Enzyklika "Magnifica humanitas" von Papst Leo XIV. betonte sie, dass die Identität des Menschen in seiner "Fähigkeit zu Beziehung und Liebe" liege.
"Ihr seid Nehemias"
Als Gegenbild zu einer von Profitstreben und Vereinheitlichung geprägten Gesellschaft führte Smerilli die biblische Gestalt Nehemias an. Dieser habe beim Wiederaufbau der zerstörten Stadtmauer die Menschen beteiligt, ihre Sorgen angehört und ihnen jeweils einen Abschnitt anvertraut. "Ihr seid Nehemias", sagte die Ordensfrau zu den Vertretern der Volksbewegungen. Auch diese hätten angesichts von Ausgrenzung und sozialer Not begonnen, sich gemeinschaftlich zu organisieren und konkrete Veränderungen anzustoßen.
Smerilli erinnerte zudem an ein Treffen des damaligen Erzbischofs von Buenos Aires, Jorge Mario Bergoglio - dem späteren Papst Franziskus -, mit Altpapiersammlern vor rund 20 Jahren. Aus solchen Erfahrungen gemeinschaftlicher Selbstorganisation seien die Weltbegegnungen der Volksbewegungen hervorgegangen. Papst Leo XIV. hatte bei deren fünftem Welttreffen in Rom im Oktober 2025 die Rechte auf "Land, Wohnung und Arbeit" als heilig bezeichnet und die Kirche zur Begleitung der Bewegungen aufgerufen.
An die Teilnehmenden appellierte Smerilli, sich bei der Gestaltung der Gegenwart nicht vor praktischer Arbeit zu scheuen. Sie sollten einander helfen, Belastungen zu tragen, und so dem Individualismus eine Kultur der Solidarität entgegensetzen. Ihr Ziel sei es, "authentische Gestalter der Hoffnung" zu werden.
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