Neuer vatikanischer Almosenmeister Marin de San Martin besucht Hilfseinrichtungen in Kriegsgebieten - Kiewer Weihbischof würdigt persönlichen Einsatz des neuen Päpstlichen Sozialbeauftragten
Kiew, 29.10.2026 (KAP) Papst Leo XIV. hat der Ukraine weitere Unterstützung zugesagt. Das berichtete der für die ukrainische Caritas-Spes zuständige Kiewer Weihbischof Oleksandr Yazlovetskyj am Donnerstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Kathpress über den Besuch des päpstlichen Almosenmeisters, Erzbischof Luis Marín de San Martín, in Kiew. Der Präfekt des Dikasteriums für den Dienst der Nächstenliebe war am Dienstag in der Ukraine eingetroffen, um im Auftrag des Papstes Menschen zu begegnen, die unter den Folgen des russischen Angriffskrieges leiden, und kirchliche Hilfsorganisationen zu besuchen.
"Ich bin zum ersten Mal hier, aber nicht zum letzten Mal. Ich weiß, ich muss hierherkommen", zitierte Yazlovetskyj den Erzbischof. Dieser habe sich ausführlich nach der Lage der Menschen erkundigt und auch Gespräche mit Geflüchteten geführt. Marín habe zudem finanzielle Unterstützung zugesagt und die kirchlichen Hilfsorganisationen ermutigt, ihre konkreten Bedürfnisse darzulegen. Trotz weiterer humanitärer Krisen weltweit bleibe die Ukraine im Blick des Papstes, betonte Yazlovetskyj.
Marín de San Martín stammt aus Madrid und gehört dem Augustinerorden an. Der 1961 geborene Theologe war unter anderem in der Ordensleitung tätig und lehrte an theologischen Ausbildungsstätten. 2021 ernannte ihn Papst Franziskus zum Untersekretär der Bischofssynode. Im März 2026 berief ihn Papst Leo XIV. zum päpstlichen Almosenmeister und Präfekten des Dikasteriums für den Dienst der Nächstenliebe, als Nachfolger des inzwischen zum Erzbischof von Lodz bestellten Kardinal Konrad Krajewski. Marin de San Martín verantwortet damit nun die karitativen Aktivitäten des Papstes, darunter Hilfen für Menschen in Not und internationale humanitäre Unterstützung.
Bischof: Besuch zeugt von Mut
Yazlovetskyj bezeichnete Marín als "mutig". Der Erzbischof habe sich trotz der Gefahren persönlich ein Bild von der Lage machen wollen. Nach seinem Aufenthalt in Kiew sollte er seine Reise nach Saporischschja fortsetzen, wo die Sicherheitslage ebenfalls angespannt ist. In Teilen der Stadt würden kleine Drohnen Menschen verfolgen, sagte der Bischof. Auch Kiew werde weiterhin mit Raketen und Drohnen angegriffen.
Nach Angaben Yazlovetskyjs hatte Marín zudem erwogen, die besetzte südukrainische Stadt Oleschky zu besuchen, für die erst am Dienstag eine lokale Waffenruhe in Kraft getreten ist. Ob eine Reise dorthin tatsächlich möglich sei, war zunächst unklar. Die Waffenruhe sollte humanitäre Hilfen und die Evakuierung von Zivilisten ermöglichen; nach Yazlovetskyjs Angaben war sei eine Einreise in das Gebiet jedoch weiterhin kaum möglich.
Papst Leo XIV. hatte sich zuvor in Telefonaten mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj für eine humanitäre Feuerpause in Oleschky eingesetzt. Der Besuch seines Almosenmeisters soll diese Bemühungen durch konkrete Hilfe und die persönliche Begegnung mit den Betroffenen ergänzen.
Caritas-Spes hilft Familien und Schutzsuchenden
Am Mittwoch besuchte Marín zwei Einrichtungen von Caritas-Spes in Kiew. Die Hilfsorganisation der römisch-katholischen Kirche bietet unter anderem Lebensmittelversorgung, psychologische Unterstützung und Schutzmöglichkeiten bei Angriffen. In einer Einrichtung traf der Erzbischof Mitarbeitende und Geflüchtete. Anschließend besuchte er eine Sozialküche, in der gerade das Mittagessen für obdachlose Menschen vorbereitet wurde. Marín nahm dort laut Yazlovetskyj auch selbst eine Mahlzeit ein.
Caritas-Spes unterstützt insbesondere Familien, Kinder, ältere Menschen und Frauen, deren Männer an der Front kämpfen. Viele Kinder hätten infolge der Pandemie und des Krieges über längere Zeit keinen regulären Präsenzunterricht besuchen können und litten unter sozialer Isolation. Die Einrichtungen ermöglichten Begegnungen und sollten helfen, die psychischen Folgen des Krieges abzufedern. In Schutzräumen finden Menschen während Luftangriffen unter anderem Wärme, Verpflegung und Schlafmöglichkeiten.
Der Besuch führte Marín auch in die Patriarchalkathedrale der Auferstehung Christi der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche. Dort informierte er sich über die humanitäre Arbeit der Kirche, darunter die tägliche Ausgabe hunderter warmer Mahlzeiten sowie die materielle, geistliche und psychologische Begleitung von Soldaten.
Maríns Besuch dauert noch bis Freitag. Neben Kiew standen weitere Stationen in Saporischschja, Dnipro und Fastiw auf dem Programm. Die Reise soll die Nähe des Papstes zur ukrainischen Bevölkerung zum Ausdruck bringen und zugleich Möglichkeiten für konkrete Hilfe ausloten, hieß es in einem Bericht von Vatican News.