Eminem und Kid Rock rufen zu christlichem Zusammenhalt auf
29.10.202611:59
(zuletzt bearbeitet am 29.10.2026 um 13:33 Uhr)
USA/Kirche/Politik/Kultur/Musik/Internet
Trump-Unterstützer Kid Rock und Demokrat Eminem werben für Versöhnung zwischen liberalen und evangelikalen Christen - Gemischte Reaktionen der Fans
Washington, 29.10.2026 (KAP) Die beiden US-Musiker Eminem und Kid Rock rücken trotz unterschiedlicher politischer Positionen den christlichen Zusammenhalt in den Mittelpunkt einer neuen musikalischen Zusammenarbeit: Auf dem kürzlich erschienenen Gospel-Album "Halfway 2 Jesus" von Trump-Unterstützer Kid Rock thematisieren die Musiker ihre seit fast 40 Jahren bestehende Freundschaft und den gemeinsamen Glauben über politische Lagergrenzen hinweg. In seinem Feature-Part im Song "Heal My Faith" rappt der bekennende Demokrat Eminem darüber, dass Kid Rock sein Bruder und nicht politischer Feind sei und ruft zur Versöhnung zwischen liberalen und evangelikalen Christen auf: "However you voted or lean, liberals and evangelicals can agree. It's God first, home of the free."
Das Echo auf den musikalisch-christlichen Schulterschluss ist gespalten: Schon nach der Ankündigung der Zusammenarbeit zweifelten Fans angesichts der politischen Gegensätze der beiden Musiker an der "Echtheit" der Kollaboration, wie das US-amerikanische Musik- und Popkulturmagazin Complex berichtete. In einem vorab veröffentlichten Auszug aus dem Albumvorwort betonte Kid Rock, stolz auf die Zusammenarbeit mit seinem langjährigen Freund Eminem zu sein. Dessen Strophe greife ein Thema auf, das unbedingt gehört werden müsse: Trotz politischer und anderer Meinungsverschiedenheiten seien sie Freunde geblieben. Damit wollten sie ein Beispiel für Menschen geben, die Freundschaften beendet oder den Kontakt zu Familienmitgliedern abgebrochen hätten, weil diese anders dächten.
"Zwei weiße Jungs, die Punsch mit Alkohol versetzen"
Kid Rock selbst rappt in "Heal My Faith" darüber, dass unterschiedliche Ansichten und die Freiheit, diese zu vertreten, das Land groß machten. Der Song endet mit einem Bekenntnis zu den Vereinigten Staaten und der Selbstbeschreibung der beiden Musiker als "zwei weiße Jungs, die Punsch mit Alkohol versetzen und Joints anzünden". Kid Rock und Eminem arbeiteten bereits Ende der 1990er Jahre mehrfach zusammen.
Sowohl Eminem als auch Kid Rock mussten für ihre neuerliche Zusammenarbeit neben viel Zustimmung auch harte Kritik einstecken. Eminem-Fans gaben sich auf Social-Media-Kanälen enttäuscht, dass der Musiker mit Kid Rock, der als einer der prominentesten Unterstützer von Trump und der MAGA-Bewegung gilt, kollaborierte. Darunter Memes mit dem Bildtext: "Dass Eminem seine 'MAGA-Ära' mit einer Zusammenarbeit mit Kid Rock einläutet, stand nicht auf meiner Bingo-Karte für 2026." Andere sprachen von reiner Geschäftemacherei. Ein User auf X stellte die Glaubwürdigkeit der beiden infrage: "Ich liebe christliche Inhalte. Aber es fällt schwer, Inhalte zu feiern, die als 'christlich' gekennzeichnet sind, von Menschen, deren Leben das Christentum nicht widerspiegeln."
Dinner mit Donald Trump
Eminem hat sich bislang nicht ausdrücklich zur Kritik geäußert. Auf Social Media postete er kürzlich einen Auszug des gemeinsamen Liedes mit dem Kommentar: "Es geht nicht darum, eine Seite zu wählen, sondern mit einem alten Freund Musik zu machen. Ich bete für alle von uns."
Kid Rock erklärte in einem Video auf seinen Kanälen, dass er stolz auf das Album sei, an dem er mit Menschen ganz verschiedener Einstellungen gearbeitet habe. Die Message des Albums sei größer als er selbst und könne vielleicht Leben verändern. Viele Fans stimmten zu. So postete ein Fan: "Liberale und Konservative können Kumpel sein und zusammenarbeiten. Es braucht den rechten und den linken Fuß, um sich reibungslos vorwärtszubewegen."
Ebenfalls kündigte Kid Rock in dem Video ein Abendessen mit Donald Trump und dem Comedian und Fernsehmoderator Bill Maher an, der sich selbst einmal als "old-school liberal" bezeichnete. Es sei ein weiteres Beispiel dafür, dass verschiedene Lager zusammenarbeiten können. "Davon brauchen wir mehr. Was sagt das über die beiden aus? Sie spielen bis heute nicht im Sandkasten zusammen, aber sie sind trotzdem bereit, konstruktiv miteinander zu sprechen."
Gespaltene Lager
In den USA verlaufen tiefe politische Gräben auch durch die christlichen Kirchen: Während viele konservative Evangelikale Präsident Trump unterstützen und ihm religiösen Rückhalt geben, stehen liberal geprägte Christen häufiger den Demokraten nahe. Über Eminem, der bei der Präsidentschaftswahl 2024 für die Demokratin Kamala Harris warb, ist bekannt, dass er christlich erzogen wurde. Der US-Rapper hat sich öffentlich aber nicht eindeutig einer bestimmten christlichen Konfession zugeordnet.
In einem Interview mit Fox sagte Kid Rock, er habe durch seine Unterstützung für Donald Trump Firmenverträge verloren und werde nicht mehr zu Late-Night-Talkshows wie jener von Jimmy Fallon eingeladen. Das kümmere ihn jedoch nicht. Er habe gewusst, dass dies passieren würde, wenn er sich politisch positioniere. Vielleicht werde sich das irgendwann ändern, sagte der Sänger. Er halte es aber für wichtig, für seine Überzeugungen einzustehen. Er stelle sein Land an erste Stelle - mit Ausnahme seiner Familie und Gottes.
In einem anderen Interview mit Fox berichtete Kid Rock, katholisch aufgewachsen und in die Kirche gegangen zu sein. Er habe die Musik dort jedoch langweilig empfunden und deshalb auch Baptistengemeinden sowie Kirchen bzw. Gemeinden besucht, die keiner bestimmten christlichen Konfession oder Denomination angehören, um andere Musik kennenzulernen. "Es gab zwar auch gute Musik, aber es war immer ein bisschen wie ein dunkler Ort. Also beschloss ich, selbst die Songs zu schreiben, mit denen ich Jesus und meinen Glauben feiern wollte - mit Rock 'n' Roll, Country und Hip-Hop. Ich stelle mir eine solche Feier an einem Samstagabend vor, bei der alle Gott feiern, Bier trinken und einfach eine großartige Zeit haben."