Bauerntochter Barbara Sicharter gründete 1876 Ordensspital in der Oststeiermark - Heute 350 Beschäftigte
Graz, 30.10.2026 (KAP) Das Marienkrankenhaus Vorau in der Oststeiermark feiert sein 150-jähriges Bestehen. Gegründet wurde das Ordensspital 1876 von Barbara Sicharter (1829-1905), einer Bauerntochter, die mit der Pflege Kranker und Notleidender Pionierarbeit in der ländlichen Gesundheitsversorgung leistete. Ihr Lebenswerk prägt das Krankenhaus im steirischen Joglland bis heute, wie die Ordensspitäler Österreichs am Donnerstag mitteilten.
Ausgangspunkt für Sicharters Engagement war eine schwere Erkrankung, durch die sie die Hilflosigkeit kranker Menschen selbst kennenlernte. 1865 zog sie mit ihrer Freundin Agnes Wasserbauer in ein leerstehendes ehemaliges Gasthaus in Vorau. Die beiden Frauen begannen, Kranke zu pflegen, und wurden bald auch zu Patienten nach Hause gerufen. Dabei nahmen sie mitunter Wegzeiten von bis zu sechs Stunden auf sich. 1876 erhielt die Gemeinschaft die behördliche Bewilligung zum Betrieb eines Krankenhauses.
"Eine Frau aus ärmlichen Verhältnissen gründet ein Spital. Ohne gesicherte Finanzierung und hauptsächlich auf Spenden angewiesen. Das war revolutionär", sagte Geschäftsführer Bertram Gangl im Podcast "Lebenswerk" der Ordensspitäler Österreichs.
Wichtige Rolle in der Region
Heute verfügt das Krankenhaus über 112 Betten und rund 350 Beschäftigte. Jährlich werden etwa 5.700 Patienten stationär und 20.000 ambulant betreut, rund 1.800 Operationen durchgeführt. Die ländliche und bergige Lage mache eine wohnortnahe Versorgung besonders wichtig, betonte Gangl.
Bis vor rund 40 Jahren waren ausschließlich Ordensschwestern in der Pflege tätig. Wegen rückläufiger Ordensberufungen übernahmen zunehmend weltliche Mitarbeiter die Versorgung. Die Krankenhausseelsorge sei jedoch ein bleibendes Erbe der Gründerin, erklärte Generaloberin Sr. Mirjam Schmedler. Sie stehe unter dem Leitgedanken "Zum Heil und Trost der Kranken".
Derzeit gehören der Kongregation der Schwestern von der Unbefleckten Empfängnis 23 Ordensfrauen an. Die Herausforderung bestehe darin, Sicharters Erbe mit den Anforderungen eines modernen Krankenhausbetriebs zu verbinden, so Schmedler. Das Marienkrankenhaus ist eines von 23 Ordensspitälern in Österreich, die jährlich rund zwei Millionen Patienten versorgen.