Grünwidl: Habe keine Angst vor dem Tod, eher vor dem Sterben
31.10.202615:51
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Wiener Erzbischof im ORF-Interview über Umgang mit Sterbehilfe: "An der Hand eines Menschen sterben, aber nicht durch die Hand eines Menschen"
Wien, 31.10.2026 (KAP) Für Erzbischof Josef Grünwidl ist Allerheiligen im Grunde ein "Fest der Hoffnung". Daher habe er keine Angst vor dem Tod, Angst habe er eher vor dem Sterben, so der Wiener Erzbischof im Interview mit dem Ö1-Mittagsjournal am Samstag. "Ich sehe den Tod mit der christlichen Hoffnung, dass damit nicht alles aus und vorbei ist, sondern dass der Tod wie ein dunkles Tor ist, durch das ich muss, und dann werde ich im Licht und bei Gott sein."
Mehr beunruhige ihn die Frage, wie es mit dem Sterben sein werde, ob es ein schmerzlicher Tod ist mit jahrelanger Krankheit und als Pflegefall. Aber auch hier vertraue er auf die schon heute vorhandenen Möglichkeiten der Medizin und darauf, dass Menschen da sind, die einen begleiten.
An der Hand eines Menschen sterben
Auf die Frage, was er einem Menschen antworten würde, der ihm gegenüber den Wunsch nach Sterbehilfe äußert, sagte Grünwidl: "Ich würde einen Menschen, der sagt, ich will nicht mehr leben, fragen: Was müsste sich ändern, damit du weiterleben willst? Sind es die unerträglichen Schmerzen, Einsamkeit, das Gefühl der Sinnlosigkeit?" Selbst wenn es sich um einen "medizinisch hoffnungslosen Fall" handelt, "würde ich anbieten, dass er schmerzfrei und in guter Pflege und Geborgenheit an der Hand eines Menschen sterben kann, aber nicht durch die Hand eines Menschen", so Grünwidl unter Verweis auf einen berühmten Satz von Kardinal König.
Eine Gesellschaft müsse sich daran messen lassen, wie sie mit Kranken und Sterbenden umgehe. "Aber der letzte Schritt ist immer die Entscheidung des Gewissens, die ist zu respektieren", so Grünwidl. "Wenn ein Mensch trotz aller Hilfsangebote, die wir geben können, zum Entschluss kommt, ich nehme diese Angebote nicht an und ich setze den Schritt des assistierten Suizids, dann ist diese Entscheidung zu respektieren." Nachsatz des Erzbischofs: "Mich macht es traurig, wenn es so weit kommt."
Glaube soll Hoffnung schenken
In Zeiten multipler Krisen ist es eine Hauptaufgabe der Kirchen und Religionsgemeinschaften, Mut zu machen und Hoffnung zu schenken, führte Grünwidl aus und widersprach allen Tendenzen, durch Stärke und Gewalt Problem lösen zu wollen. "Der schwache Gott, Christus, der ans Kreuz genagelt wurde, bringt eine Botschaft der Liebe, der Hingabe und des Friedens." Nicht durch Krieg oder Gewaltherrscher können man die Welt zum Positiven verändern, sondern nur durch "Menschen, die sich einsetzen für das Gute, die gewaltlos leben, an andere denken und auf andere schauen, die Liebe leben."