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Kirche
Bild Copyright: © Erzdiözese Wien/ Schönlaub, Stephan Schönlaub

Grünwidl rechnet mit Priester als Bischofskonferenz-Generalsekretär

31.10.2026 14:13
(zuletzt bearbeitet am 31.10.2026 um 14:44 Uhr)
Österreich/Kirche/Personal/Bischofskonferenz/Grünwidl
Wiener Erzbischof spricht sich im Ö1-Interview für Änderung der Statuten der Bischofskonferenz und generelle Öffnung des Amts des Generalsekretärs aus - Grünwidl ortet Chancen für Änderung beim Pflichtzölibat, Konzilsentscheidung über Frauenweihe aber derzeit unrealistisch - Skepsis bei Quote für Familiennachzug
Wien, 31.10.2026 (KAP) Erzbischof Josef Grünwidl rechnet bei der im November anstehenden Wahl des Generalsekretärs der Bischofskonferenz wieder mit einem Priester, ist aber gleichzeitig für eine generelle Öffnung des Amtes und eine dafür nötige Änderung der Statuten der Bischofskonferenz. Das hat der Wiener Erzbischof im Interview mit dem Ö1-Mittagsjournal am Samstag unter Verweis auf die geltende Rechtslage ausgeführt. So sei im derzeitigen Statut der Bischofskonferenz festgelegt, dass der Generalsekretär Priester oder Bischof sein müsse. "Wir werden das ändern, es wird allerdings nicht so schnell gehen, weil diese Statutenänderung noch von Rom genehmigt werden muss."

Eine generelle Öffnung des Amtes für getaufte Männer oder Frauen sei nicht nur möglich, sondern in einigen anderen Ländern jetzt schon Realität, führte Grünwidl weiter aus. Auch gehe es bei diesem Amt in der Bischofskonferenz um einen "ganz zentralen Posten für die Kirche eines Landes".

Die Diskussion dieser Thematik ist aktuell geworden, weil der derzeitige Bischofskonferenz-Generalsekretär Peter Schipka auf eigenen Wunsch das Amt mit Ende November vorzeitig abgibt und auf die Kirchliche Pädagogische Hochschule Wien/Niederösterreich wechselt. Der promovierte Theologe und Jurist sowie Priester der Erzdiözese Wien wird noch an der nächsten Vollversammlung der Bischöfe im November in Salzburg teilnehmen, wo auch die Wahl seines Nachfolgers Thema sein wird. Schipka ist seit März 2011 Generalsekretär der Bischofskonferenz und wurde in dieser Funktion im November 2016 sowie im November 2022 auf jeweils sechs Jahre wiedergewählt.

Weihe von Frauen muss Konzil entscheiden

Insgesamt seien viele Frauen schon jetzt in zahlreichen Bereichen der Seelsorge, aber auch in Bildung und Schule eingesetzt, nicht zuletzt auch in leitender Position etwa als Amtsleiterin in der Erzdiözese. "Ich habe auch Frauen in den Bischofsrat aufgenommen, das ist das engste Beratungsgremium des Bischofs, eines der wichtigsten Gremien", sagte der Wiener Erzbischof. Den nächsten Schritt, "die Weihe von Frauen, würde ich mir auch wünschen". Das wäre aber eine Entscheidung, die auf weltkirchlicher Ebene mit einem Konzil getroffen werden muss, so Grünwidl, der aber hinzufügte, dass er im Moment keine realistische Möglichkeit für eine diesbezügliche Entscheidung sehe.

Mehr Chancen auf Änderung ortete Grünwidl beim Pflichtzölibat für Weltpriester. In vielen Gesprächen mit anderen Bischöfen, so auch zuletzt beim Kurs für neu geweihte Bischöfe in Rom, habe er das feststellen können. Grund dafür sei, dass der Pflichtzölibat lediglich eine kirchenrechtliche Bestimmung sei, "die mit unserem Glauben, mit Glaubenswahrheiten und Dogmen, nichts zu tun hat. "Ich hoffe sehr, dass sich jene besser vernetzen, die hier etwas verändern wollen, um mehr Gehör im Vatikan zu finden", so der Wiener Erzbischof.

Immer mehr Weltkirche werden

Gefragt danach, ob er damit rechne, bald zum Kardinal ernannt zu werden, so wie das früher bei einem Wiener Erzbischof üblich war, beantwortete Grünwidl mit: "Ich gehe nicht davon aus." Er habe vielmehr den Eindruck, dass Papst Leo den Kurs von Papst Franziskus weiterführen wird, dass sich die Realität der Weltkirche in der Kurie und in der Versammlung der Kardinäle abbilden solle. "Europa ist nicht mehr so gewichtig und wichtig für die Weltkirche, wie das früher einmal war und das sollte sich auch im Kardinalskollegium abbilden. Ich halte das auch für vernünftig. Wir werden immer mehr Weltkirche und das muss sich im Kardinalkollegium zeigen", so Grünwidl.

"Sehr dankbar" zeigte sich Grünwidl für hier wirkende Priester aus anderen Ländern. Es gebe jetzt eine umgekehrte Entwicklung: "Jahrhundertelang hat Europa Missionare in die Weltkirche hinausgeschickt, jetzt kommen Priester aus Afrika, Asien und Lateinamerika zu uns, die ein großes Inkulturationsprogramm absolvieren müssen". So werde in der Wiener Erzdiözese von ausländischen Priestern das Sprachniveau C1 verlangt, "weil Seelsorge ohne Sprache nicht funktionieren kann". Grünwidl: "Ob jemand ein guter Priester ist, auf Menschen zugeht und in Kontakt kommt, das hängt nicht von Nationalität oder Herkunft ab."

Skepsis bei Quote für Familiennachzug

Im Interview mit dem ORF zeigte sich Grünwidl "sehr skeptisch", was die am Freitag von der Regierung angekündigte sehr geringe Quote beim Familiennachzug von Flüchtlingen angeht. Er glaube nicht, dass es integrationsfördernd sei, "wenn man Familien zerreißt". Es sei eine Tatsache, dass Familien besser integrierbar seien als Einzelpersonen. "Außerdem ist das Recht auf Familienleben ein Menschenrecht", so der Wiener Erzbischof.

Im Blick auf Probleme bei der Integration plädierte Grünwidl "für Bildung und Dialog". Es müsse gelingen bei Menschen mit anderem kulturellem Hintergrund und religiösem Bekenntnis "das Gemeinsame in den Mittelpunkt zu stellen". Er, Grünwidl, habe Sorge, dass gesellschaftlich die Konsensfähigkeit und "die Mitte bröckelt". Angesprochen auf das geltende Kopftuchverbot in der Schule für Mädchen unter 14 zeigte sich Grünwidl weiterhin ablehnend: "Wie die Bischofskonferenz bin ich der Meinung, dass das grundsätzliche Verbot der falsche Weg ist, weil es eingreift in die Rechte der freien Religionsausübung."
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