Innsbrucker Bischof warnt vor Gewaltbereitschaft, ideologischer Aufrüstung und Versuchen der Ausgrenzung - "Das Gegenbild dazu ist die Community derer, die ihr Leben nach den Seligpreisungen Jesu ausgerichtet haben"
Innsbruck, 01.11.2026 (KAP) Der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler hat anlässlich des Allerheiligenfestes sowohl die Straßengewalt bei den Demonstrationen in verschiedenen Städten Europas als auch die in Österreich geplante Quote beim Familiennachzug kritisiert. In seiner Predigt am Sonntag anlässlich des katholischen Hochfestes machte er auf die in der Bergpredigt geforderte Gewaltlosigkeit aufmerksam. Gleichzeitig unterstrich er, dass Allerheiligen den Blick öffne auf "himmlische Vielfalt": "Unter den Heiligen, die wir heute feiern, sind 99 Prozent Ausländer", so der Innsbrucker Bischof, der vor ideologischer Aufrüstung und Versuchen der Ausgrenzung warnte.
Die Bilder der Gewalt in europäischen Großstädte zeigten, dass das Maß verloren gegangen ist, um Kritik und Ungerechtigkeit öffentlich zu artikulieren. Anstelle dessen werde Zerstörung und Vandalismus zur üblichen Sprache, beklagte der Bischof und sagte: "Berechtigte Anliegen, für die demonstriert wird, werden zu Auslösern verheerender Schlachten mit der Polizei. Brandherde roher Gewalt!" Glettler weiter: "Das Gegenbild dazu ist die Community derer, die ihr Leben nach den Seligpreisungen Jesu ausgerichtet haben. Davon inspiriert haben sie auf Gewalt verzichtet - und trotzdem, aber gewaltfrei 'gesiegt'."
Zu Allerheiligen würde man mit den Heiligen nicht Siegertypen im weltlichen Sinn feiern. "Wir feiern Sanftmütige, die auf Gewalt verzichtet haben, um die Spirale des Bösen zu unterbrechen. Wir feiern Menschen, die großmütig waren im Verzeihen. Wir feiern Langmütige, die zuhören konnten und Lebenslasten mitgetragen haben", so der Innsbrucker Bischof.
Zu Allerheiligen feiern Christen "eine internationale Gemeinschaft, weil Gott sein Volk aus allen Völkern beruft - und es bei ihm nicht 'Fremde ohne Bürgerrecht' gibt", führte Glettler weiter aus und sagte: "Diese Zugehörigkeit, die alle irdischen Grenzen relativiert, ist so heilsam - gerade in Zeiten aggressiver Abschottungen und ideologischer Aufrüstungen."
Allerheiligen "kein harmloses Fest"
Das Allerheiligen-Fest sei damit "kein harmloses Fest". Es widerspreche dem Ausgrenzen von Menschen, wie auch immer dies geschieht - und warnt vor atmosphärischen Verschärfungen. Glettler wörtlich im Blick auf aktuelle Entwicklungen: "Angedrohtes Bestrafen der vermeintlich Nicht-Integrierten; eine willkürliche Quotenregelung beim Familiennachzug; Abschiebungen auch von jenen, deren Kinder schon hier geboren sind; das sind nur ein paar Maßnahmen, die atmosphärisch wirken - und die Ablehnung der Fremden salonfähig machen."
Als Gegenprogramm zu Gewalt und Ausgrenzung empfahl der Innsbrucker Bischof zwei konkrete Lebensmaximen für ein sinnvolles Leben: "Erstens: Gib dem Geist Gottes, ja Jesus selbst Heimatrecht in dir. Dann wirst du um dich herum Menschen, und nicht Fremde oder Feinde sehen. Wertvolle Beziehungen werden wachsen! Zweitens: Versuch die Seligpreisungen Jesu, die Lebensmaxime der Heiligen, immer vor Augen zu haben. Mit ihnen wirst du in deinem Sprechen und Verhalten auf Gewalt verzichten können."