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Lucia Greiner
Kirchenreformen
Bild Copyright: © Erzdiözese Salzburg (eds) / Hiva Naghshi

Frauenbewegung-Vorsitzende: "Wollen bei der Ämterfrage dranbleiben"

02.11.2026 10:23
Österreich/Kirche/Glaube/Reformen/Frauen/Kath.Frauenbewegung/Greiner
Neue kfbö-Vorsitzende Greiner im "Presse"-Interview: "Weihe-Verbot für Frauen entspricht nicht dem Evangelium" - Neben Ämterfrage aber noch viele weitere drängende Anliegen und Herausforderungen
Wien, 02.11.2026 (KAP) Lucia Greiner, neue Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs (kfbö), hat sich im Interview mit der Tageszeitung "Die Presse" (Samstag) einmal mehr für Diakoninnen und Priesterinnen in der Katholischen Kirche ausgesprochen. Man wolle "bei der Ämterfrage dranbleiben", so die kfbö-Vorsitzende. Zugleich gebe es aber auch viele weitere drängende Anliegen und Herausforderungen. Konkret nannte Greiner die Glaubensweitergabe, soziale Fragen, Altersarmut bei Frauen oder auch das "Nicht-Sichtbar-Sein".

Der Ausschluss von Frauen von den Ämtern entspreche jedenfalls nicht dem Evangelium, so Greiner. Sie würde es sich deshalb auch sehr wünschen, dass noch unter Papst Leo XIV. Frauen zu Diakoninnen geweiht werden: "Papst Leo will ganz stark eine frauenförderliche Kultur schaffen und dieses Lernen und gemeinsam Unterwegs-Sein von Männern und Frauen ist ja als Kultur neu, auch in den römischen Dikasterien."

Die Priesterweihe für Frauen wäre eine Fundamentaländerung. "Ich erwarte jetzt nicht, dass das übermorgen kommt. Aber man muss an dieser Diskussion dranbleiben, weil Männer und Frauen gleich im Glauben stehen und gleich sind durch die Taufe", so die kfbö-Vorsitzende.

Zur Frage, wieso ist die Glaubensweitergabe so schwierig geworden ist, meinte Greiner, dass sich durch den gesellschaftlichen Wandel viele Selbstverständlichkeiten nicht mehr fortführen ließen. Dazu kämen die innerkirchlichen Themen, "die dazu beitragen, dass Glaube nicht unhinterfragt einfach übernommen wird".

Neben der Ämterfrage sprach Greiner in dieser Hinsicht auch die Gottesbilder an bzw. "wie über Gott gesprochen wird". In der Tradition hätten sich sehr viele männliche Gottesbilder entwickelt und seien sehr stark geworden; "im Gegensatz zu weiblichen Gottesbildern oder Gottesbildern, die ausdrücken, dass man Gott geschlechtlich nicht fassen kann". Die Katholische Kirche werde jedenfalls immer noch als sehr männlich geprägt wahrgenommen.

Verständnis für Kirchenaustritte

Darauf angesprochen, dass in letzter Zeit offenbar eher mehr Frauen als Männer aus der Kirche ausgetreten sind, meinte die kfbö-Vorsitzende: "Ich kann das natürlich schon verstehen." Ihr persönlich helfe, dass sie als Historikerin wisse, "wie lange Kulturveränderungsprozesse brauchen. Das geht nicht so schnell. Da dran zu bleiben, gemeinsam am Weg zu bleiben, auch Möglichkeiten zu nutzen, das ist schon etwas, was mich antreibt." Aber sie verstehe es eben auch, "wenn Frauen sagen: Mich interessiert es nicht mehr, ich warte nicht mehr."

Greiner zeigte sich aber trotzdem zuversichtlich: "Die lange Geschichte der Kirche zeigt, dass man aus vielen Sackgassen wieder herauskommt. Bei allem, was wir an Fehlverhalten von Kirche wissen, wissen wir auch immer wieder, dass es den Mut gibt und auch die Kraft zu sagen: Das war falsch, wir probieren es anders noch ein Mal."

Es habe sich in letzter Zeit im Blick auf die Teilhabe von Frauen in der Kirche auch einiges getan, konstatierte Greiner: "Es gibt eine Verhaltensänderung dahingehend, dass es Klerikern in Leitungsfunktionen klar ist, in Gremien und bei Entscheidungen von sich aus zu schauen, dass Frauen mitbeteiligt sind. Das hat natürlich einen frauenförderlichen Effekt, weil man sich einüben kann, lernen kann, auch Denkmuster erkennen kann, auch natürlich Gestaltungsmöglichkeit bekommt."

Debatte um Bischofskonferenz-Generalsekretärin

Sie hoffe auch, so Greiner, dass es künftig eine Frau als Generalsekretärin der Österreichischen Bischofskonferenz geben wird. "Wenn Gruppen diverser sind, ändern sich Zugänge, Perspektiven, Informationen, Netzwerke. Das könnte die Bischofskonferenz reicher machen", so die kfbö-Vorsitzende.

Nachsatz: "Wenn es gelingen würde, da eine wirklich gute Frau hinzubringen, wäre das super." Freilich: "Mit einer Überfracht an Erwartungen kann man nur scheitern. Auf Biegen und Brechen, das tut niemandem etwas Gutes, weder der Frau noch der Organisation. Wir müssen auch unter den Frauen solidarisch sein, wenn eine Frau sagt, ich will es nicht. Wir sind ja keine Ansammlung von Märtyrerinnen. Wenn es für jemanden passt ja, dann auch selbstbewusst machen und wenn nicht, dann nicht."

Greiner wurde Mitte Oktober von der kfbö-Vollversammlung in Linz zur neuen Vorsitzenden gewählt. Die Theologin leitete zuvor u.a. das Seelsorgeamt der Erzdiözese Salzburg.
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