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Soziales
Bild Copyright: © ICO

Hilfswerk ICO: Christen in Syrien brauchen dringend mehr Hilfe

02.11.2026 12:11
Österreich/Syrien/Kirche/Religionsfreiheit/Soziales/ICO
Obmann der Initiative Christlicher Orient, Dadas, warnt nach Lokalaugenschein in Syrien vor schleichender Islamisierung des Landes - Westen muss stärker präsent sein und Religionsfreiheit und Menschenrechte einfordern
Damaskus/Linz, 02.11.2026 (KAP) Vor einer schleichenden Islamisierung Syriens hat der Obmann der Initiative Christlicher Orient (ICO), Slawomir Dadas, gewarnt. Dadas hat mit einer kleinen ICO-Delegation in den vergangenen Tagen Syrien bereist, Gespräche mit führenden Kirchenvertretern geführt, aber auch viele Pfarren und christliche Gemeinschaften besucht. Zudem diente die Reise dazu, Hilfsprojekte der ICO in Syrien zu besichtigen. Angesichts der schwierigen Lage sei der Westen dringend gefordert, dem Land mehr Aufmerksamkeit zu widmen und sich für Menschenrechte und Religionsfreiheit stark zu machen, so Dadas. Und die notleidende Bevölkerung brauche zudem mehr materielle Hilfe.

"Die Sicherheitslage hat sich zuletzt etwas verbessert, es gibt keine direkten Anschläge gegen Christen, doch die christliche Minderheit im Land ist sehr verunsichert und sieht keine Perspektiven", so Dadas gegenüber Kathpress. Zur unsicheren Lage komme auch noch die verheerende wirtschaftliche Situation und die daraus resultierende Armut. "Die Lage ist dramatisch, wenn uns junge Menschen wie etwa Lehrerinnen erzählen, dass sie so wenig verdienen, dass sie nicht einmal die Miete zahlen können. Da reden wir noch nicht vom Essen oder Kleidung."

Wie Dadas erläuterte, würden die Christen abseits einer notwendigen wirtschaftlichen Verbesserung nur dann eine Zukunft im Land sehen, wenn sich dieses nicht in Richtung eines islamischen Staates entwickelt. In vielen Gesprächen habe er immer wieder mitbekommen, dass sich die christlichen Vertreter für ein Syrien aussprachen, in dem alle Menschen ungeachtet von Religion oder Ethnie gleiche Rechte und Pflichten haben. Die Vorzeichen würden derzeit aber in eine andere Richtung weisen.

Wie es vonseiten der ICO hieß, sehe man derzeit etwa in Aleppos Straßen kaum noch Frauen ohne Kopfbedeckung, viele seien bereits vollkommen verhüllt. Auch Frauen am Steuer eines Autos seien bereits eine große Ausnahme. In der Stadt Hama hätten die neuen Behörden zuletzt in Lokalen Musik und Schischa-Rauchen als unislamisch verboten. Besondere Sorge machten auch Entwicklungen im Schulbereich, wo es in den Lehrplänen bzw. Lehrbüchern Änderungen gab und etwa Abbildungen von Frauen ohne Kopftuch oder von gemischtgeschlechtlichen Gruppen entfernt wurden. Auch kritische historische Informationen zum Osmanischen Reich seien entfernt worden, was den aktuell starken Einfluss der Türkei auf Syrien deutlich mache.

Noch mehr Angst vor der Zukunft als die Christen hätten derzeit allerdings die Alawiten, hieß es vonseiten der ICO. Gegen diese Minderheit, denen von der sunnitischen Mehrheit vorgeworfen wird, das frühere Regime von Bashar al-Assad gestützt zu haben, gebe es nach wie vor gezielte Gewalttaten.

Hilfsprojekte in ganz Syrien

Die ICO-Delegation war u.a. in Damaskus, Homs, Tartus, Latakia und Aleppo unterwegs. Ein inhaltlicher Schwerpunkt lag auf Bildungsprojekten. So unterstützt die ICO etwa in Latakia das Hilfswerk "Agissons Ensemble", das Berufsausbildungsprogramme für junge Freuen betreibt. Rund 85 Frauen im Alter von 16 bis 25 Jahren nehmen aktuell an dem Projekt teil. 25 Prozent sind Christinnen, dazu kommen einige muslimische Frauen, die Mehrzahl der Teilnehmerinnen gehört aber der alawitischen Bevölkerungsgruppe an, wie der Gründer von "Agissons Ensemble", Karim Finiaos, erläuterte. Sein Hilfswerk habe es sich zur Aufgabe gemacht, sich besonders der vulnerabelsten Bevölkerungsgruppen anzunehmen.

In Tartus besuchte die ICO-Delegation u.a. eine Art Lerncafe der vor Kurzem neu gegründeten syrisch-orthodoxen Gemeinde vor Ort. Diese besteht laut dem Leiter Bedie Khabbaz vor allem aus binnenvertriebenen Familien, die in der syrischen Hafenstadt eine neue Heimat gefunden haben. Mit dem Lerncafe gibt es für Schüler und Studenten einen sicheren Ort, um zu lernen oder auch an Nachhilfekursen teilzunehmen. - In Syrien alles andere als selbstverständlich.

Ein Schwerpunkt der Reise lag laut ICO auch auf Projekten für Menschen mit Beeinträchtigungen. In Damaskus unterstützt die ICO etwa ein Projekt der Syrisch-katholischen Kirche: Im "Haus des Friedens" haben 32 Frauen und Männer mit geistiger Beeinträchtigung einen Arbeitsplatz gefunden und stellen aktuell Weihnachtsschmuck her. In einer von der örtlichen Maronitischen Kirche in Aleppo betriebenen Werkstatt füllen gut 10 junge Frauen und Männer Flüssigseife in Flaschen ab und haben so eine sinn- und Einkommen-stiftende Beschäftigung gefunden.

In Damaskus stattete die ICO-Delegation auch dem "God's Hand Center" einen Besuch ab. In der Einrichtung in Räumlichkeiten der örtlichen melkitisch-katholischen Pfarre werden 25 Kinder mit verschiedensten Beeinträchtigungen therapeutisch betreut.

Um die Bewältigung von Traumata, die teils auch noch durch die Kriegshandlungen bedingt sind, geht es auch beim Orden der Blauen Maristen in Aleppo. Viele hundert Kinder werden von einem großteils ehrenamtlichen Team von knapp 180 jungen Frauen und Männern betreut.

Verheerende soziale Lage

In Damaskus traf die ICO-Delegation u.a. mit dem syrisch-katholischen Erzbischof Jihad Battah und dem syrisch-orthodoxen Erzbischof Joseph Bali zusammen. In Aleppo waren Obmann Dadas und die weiteren Delegationsmitglieder u.a. beim maronitischen Erzbischof Joseph Tobji zu Gast. Dieser ist derzeit auch der für ganz Syrien zuständige Caritas-Bischof. Der Bischof erläuterte im Gespräch u.a. die dramatische wirtschaftliche und soziale Situation. So seien die Mieten zuletzt explodiert, der Strompreis um das 600-fache gestiegen. Sogar Brot - das Grundnahrungsmittel für die Armen und arm sei in Syrien so gut wie jeder - sei um das 12-fache teurer geworden.

Fazit von ICO-Obmann Dadas: "Alle sind gefordert. Die internationale Staatengemeinschaft und die Kirchen. Wir dürfen die Menschen in Syrien nicht im Stich lassen. Als ICO versuchen wir, unseren Teil dazu beizutragen." Hilfe sei möglich; zumindest im Kleinen. Dadas: "Wir haben viele bewundernswerte Menschen erlebt, die etwas bewegen wollen und die noch Hoffnung haben. Und diese Hoffnung wollen wir stärken." (Infos: www.christlicher-orient.at)
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