Auszeichnung der Katholisch-Theologischen Fakultät der Uni Graz für Arbeiten zu sexueller und spiritueller Gewalt an Ordensfrauen und zur Ausgrenzung von Frauen in biblischen Texten - Preisverleihung an Theologinnen Hürten und Shah am 26. November
Graz, 02.11.2026 (KAP) Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Graz zeichnet die Theologinnen Magdalena Hürten (Universität Regensburg) und Nasreen Sarah Shah (Georg-August-Universität Göttingen) mit den Elisabeth-Gössmann-Preisen 2026 aus. Ausgezeichnet werden eine Dissertation zur sexualisierten und spirituellen Gewalt an Ordensfrauen sowie eine Masterarbeit zur intersektionalen Konstruktion von Geschlecht und Fremdheit in biblischen Texten. Die Preisverleihung findet am 26. November an der Grazer Fakultät statt, teilte die Fakultät am Montag mit. Die Festrede hält die evangelische Bischöfin Cornelia Richter.
Hürten erhält den Forschungspreis für ihre 2024 abgeschlossene Dissertation über Missbrauchsfälle in der Gründungsgeschichte der Franziskusschwestern Vierzehnheiligen. Sie untersucht darin, unter welchen Bedingungen betroffene Ordensfrauen über ihre Erfahrungen sprechen konnten und welche institutionellen und sozialen Machtverhältnisse sie zum Schweigen brachten. Mithilfe des Konzepts der "epistemic injustice" (epistemische Ungerechtigkeit) der Philosophin Miranda Fricker analysiert sie, wessen Erfahrungen gehört und anerkannt werden. Die Arbeit rückt damit die Perspektiven betroffener Frauen in der theologischen und kirchlichen Missbrauchsforschung in den Mittelpunkt, wie es in der Aussendung der Grazer Fakultät heißt.
Hürten studierte Katholische Theologie sowie Politik und Soziologie in Münster, Würzburg und Leuven. Seit 2020 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Pastoraltheologie und Homiletik der Universität Regensburg. Seit April 2025 forscht sie als Postdoktorandin im DFG-Projekt "Von Epistemic Injustice zu Epistemic Awareness. Prozessbasierte Methodenforschung zu Missbrauch an erwachsenen Frauen in der katholischen Kirche".
Förderpreis für Nasreen Sarah Shah
Shah wird für ihre Masterarbeit "Intersektionalität und interracial Ehen. Die fremde Frau im literarischen Diskurs um interracial Ehen am Beispiel von Esra 9-10" ausgezeichnet. Darin untersucht sie, wie Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit und religiöse Identität in biblischen Texten miteinander verschränkt werden und zur Ausgrenzung bestimmter Personengruppen beitragen. Die sogenannten "fremden Frauen" im Buch Esra würden mehrfach marginalisiert: Sie würden als ethnisch fremd konstruiert und blieben zugleich als Frauen innerhalb einer patriarchalen Ordnung ohne eigene Stimme.
Die Arbeit zeige, wie religiöse Reinheitsvorstellungen zur nachträglichen Legitimation des Ausschlusses dieser Frauen und ihrer Kinder herangezogen würden, hieß es seitens der er Grazer Fakultät. Mit ihrer intersektionalen Perspektive eröffne Shah einen differenzierten Zugang zu den Mechanismen religiöser und geschlechtlicher Grenzziehungen in biblischen Texten. Shah ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar für Altes Testament der Georg-August-Universität Göttingen.
Förderung theologischer Frauen- und Geschlechterforschung
Die Elisabeth-Gössmann-Preise werden alle zwei Jahre für herausragende wissenschaftliche Qualifikationsarbeiten vergeben und sind ein wesentlicher Bestandteil des Forschungsschwerpunktes "Theologische Frauen- und Geschlechterforschung" an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz. Sie würdigen Forschungsarbeiten, die neue Perspektiven auf Geschlechterverhältnisse, religiöse Traditionen und gesellschaftliche Machtstrukturen eröffnen. Dieses Jahr feiert der Preis sein 25-Jahr-Jubiläum.