Zur Eröffnung der neuen Jüdischen Akademie in Frankfurt äußert sich der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland im Beisein von Bundespräsident Steinmeier mit deutlichen Worten
Frankfurt, 02.11.2026 (KAP/KNA) Jüdisches Leben in Deutschland ist nach Worten des Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, "so bedroht wie seit dem Menschheitsverbrechen der Shoah nicht mehr". Seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 sei der Antisemitismus in Deutschland explosionsartig gestiegen, sagte Schuster laut Nachrichtenagentur KNA am Montag bei der Eröffnung der neuen Jüdischen Akademie in Frankfurt im Beisein von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. "Der Judenhass muss sein Dasein nicht mehr im Verborgenen fristen."
Im gegenwärtigen Deutschland sei die Behauptung, Antisemitismus habe keinen Platz in der Gesellschaft, "in der Sache falsch". Wer das behaupte, leiste keinen Beitrag zur Bekämpfung des Hasses, sondern lasse ihn weiter gedeihen, so Schuster. "Wer behauptet, Judenhass habe keinen Platz, der verleugnet die Realität", sagte der Zentralratspräsident. Antisemitismus zeige sich auf den Straßen, in Medien, in Kultur- und Bildungseinrichtungen. Und: "Menschen fühlen sich in Deutschland wieder ermächtigt, Juden Hausverbote zu erteilen."
Neben Zivilcourage und dem Rechtsstaat müsse man Hass mit Offenheit, Aufklärung und Begegnung bekämpfen. "Kurz: Man muss den Hass bekämpfen mit Bildung, Bildung und nochmals Bildung", so Schuster. Dazu solle die neue Akademie einen Beitrag leisten. Unweit der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt - einer der größten in Deutschland - angesiedelt, ist sie nach Worten Schusters die erste Bildungseinrichtung ihrer Art seit der Shoah, die einzige ihrer Art in Europa und ein "intellektueller Anziehungspunkt". Sie kläre über das Judentum auf, auch über die schönen und positiven Seiten, betonte der Zentralratspräsident. Sie solle Raum geben für Differenzierung sowie "unangenehme Fragen und schwierige Antworten".
Die Akademie richtet sich an ein breites Publikum und bietet unter anderem Konferenzen und Weiterbildungen an. Die geplanten Programme und Projekte beschäftigen sich beispielsweise mit Israel und dem Nahen Osten, mit jüdischer Geschichte und Kultur sowie mit dem gegenwärtigen Leben von Jüdinnen und Juden in Deutschland und Europa.
Bundespräsident Steinmeier würdigte die neue Bildungseinrichtung zur Eröffnung als "Ort des Dialogs". Zugleich prangerte er Antisemitismus an, der - egal von welcher Seite - in seine Schranken gewiesen werden müsse. Er warnte zudem vor einer zunehmenden politischen Instrumentalisierung von Judenhass. Mit Blick auf die Akademie sagte er: "Jüdisches Selbstbewusstsein in dieser Zeit heißt auch jüdische Selbstbehauptung gegen Unwissen und gegen Anfeindungen. Das zu bekräftigen, auch deshalb sind wir heute hier." (Infos: www.juedischeakademie.de)