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Theologe wirbt für Debatte über digitalen Sakramentenempfang

02.11.2026 13:53
Deutschland/Kirche/Sakramente/Gesellschaft/Internet
Deutscher Theologe Markus Adolphs hält Online-Beichte für denkbar, sieht bei anderen Sakramenten aber Grenzen
Freiburg, 02.11.2026 (KAP/KNA) Der Theologe Markus Adolphs wünscht sich eine kreative Diskussion darüber, welche Sakramente eine digitale Feier erlauben - ausgehend von den Spezifika des jeweiligen Rituals. "Wenn Sakramente in den digitalen Raum übertragen werden, muss berücksichtigt werden, wie sich das Ritual verändert", schreibt er laut deutscher Katholischer Nachrichten-Agentur (KNA) im aktuellen Sonderheft der "Herder Korrespondenz" zum Thema Sakramente. Ob jeweils eine legitime Möglichkeit zur Ritualentwicklung vorliege, müsse für jedes Sakrament einzeln diskutiert werden.

Der am Lehrstuhl für Dogmatik und Dogmengeschichte der Theologischen Fakultät Paderborn forschende Theologe sieht beim Bußsakrament gute Chancen für eine digitale Feier: "Im Zentrum des Sakraments stehen das Bekenntnis, die Reue und die Lossprechungsformel. Gefordert ist, dass Priester und Gläubige eine gemeinsame Präsenz und eine echte zwischenmenschliche Interaktion haben", führt Adolphs aus. So sei das Sakrament "von einem Sprechakt getragen und im Unterschied zu anderen Sakramenten nicht auf eine physische Materie angewiesen".

Bußsakrament weiterentwickeln

Nach Meinung Adolphs kann eine Beichte im digitalen Raum deshalb als "legitime Ritualentwicklung" verstanden werden, von denen es - historisch betrachtet - schon mehrere gegeben habe: "Es gibt keinen zwingenden Grund, weitere Transformationen des Rituals auszuschließen."

Adolphs erkennt bei einer Beichte im digitalen Raum eigene Vorteile: "Angesichts des sexuellen Missbrauchs auch im Kontext des Beichtsakraments schafft der digitale Raum Sicherheit vor körperlichen Übergriffen für beide Parteien", schreibt er. Auch könne eine eingeübte Beichtpraxis mit einem Priester selbst dann noch weitergeführt werden, wenn einer der Beteiligten den Wohnort wechsle. "Leicht lässt sich ein Beichtgespräch auf einer Onlineplattform oder mit einer VR-Brille in einer digitalen Kirche vorstellen", so der Theologe.

Sakramentenempfang digital möglich?

Religiöse Praxis im digitalen Raum ist laut Adolphs nicht "weniger echt", sondern "anders". Der Theologe betont: "Die Unterscheidung zwischen einer echten physischen Realität und einer nur virtuellen Realität berücksichtigt nicht die Verwobenheit digitaler und nicht-digitaler Kommunikation."

Die Grenze zwischen Virtualität und Nicht-Virtualität sei durch die flächendeckende Verbreitung von Smartphones und Sozialen Medien längst unscharf geworden. So sei es angemessener, von einer Kontinuität zwischen nichtvirtueller und virtueller Realität auszugehen, "wobei Formen von nicht-digitaler und digitaler Kommunikation sich wechselseitig bedingen".

Kernproblem bei Eucharistiefeiern im digitalen Raum sei die Unmöglichkeit der Realisierung eines gemeinsamen Mahls im digitalen Raum: "Im Teilen von Brot und Wein wird die Gemeinschaft mit Christus gefeiert. Wenn jeder seine eigenen Gaben vor sich stellt, geht eine entscheidende Dimension des sakramentalen Zeichens verloren", fasst Adolphs zusammen. Eine Denkoption sieht er angelehnt an die digitale Übertragung von Krankenhausgottesdiensten mit anschließender Krankenkommunion.
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