Papst-Aussage zu Missbrauchsursachen irritiert Bischof Bätzing
03.11.202613:02
(zuletzt bearbeitet am 03.11.2026 um 13:15 Uhr)
Deutschland/Vatikan/Kirche/Papst/Missbrauch
Früherer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz warnt vor Rückschritt bei Aufarbeitung
Bonn/Limburg, 03.11.2026 (KAP/KNA) Der Limburger Bischof Georg Bätzing kritisiert eine Aussage von Papst Leo XIV. zu Missbrauch und warnt vor Rückschritten in der katholischen Kirche bei der Aufarbeitung. Die Kirche dürfe nicht über bereits gewonnene Erkenntnisse zurückfallen, schrieb der frühere Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz in einem Standpunkt, den die Diözese Limburg laut Katholischer Nachrichten-Agentur (KNA) am Dienstag auf ihrer Internetseite veröffentlichte.
Der Papst hatte sich Ende September auf dem Rückflug von seiner Frankreich-Reise auf Anfrage mitreisender Journalisten skeptisch zum Begriff eines systemischen Missbrauchs in der katholischen Kirche geäußert. Es gebe zwar einige Organisationen innerhalb der Kirche, die "zuweilen - wenn man so will -" als System missbräuchlich gehandelt haben, sagte Leo: "Aber ich halte es für wichtig, hier zu unterscheiden: Sexueller Missbrauch ist in erster Linie ein menschliches Problem."
Bätzing widersprach dem nun. Die sogenannte MHG-Studie aus dem Jahr 2018 in Deutschland habe deutlich gemacht, dass sexueller Missbrauch in der Kirche nicht allein als Fehlverhalten einzelner Täter verstanden werden könne, schrieb er: "Es gibt spezifische kirchliche Risiko- und Strukturmerkmale, die Missbrauch begünstigt und seine Aufdeckung erschwert haben." Dazu gehörten unter anderem Klerikalismus und ungleiche Machtverhältnisse.
Bätzing wünscht sich Klarstellung von Papst
Der Bischof verwies auf die Aussagen von Missbrauchsbetroffenen sowie auf die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen, die nicht nur für Deutschland gälten. "Ich möchte dem Papst nicht unterstellen, dass er die wissenschaftlichen Erkenntnisse grundsätzlich zurückweist. Aber seine Äußerungen lassen eine entscheidende Frage offen: Erkennt er an, dass nicht nur einzelne Personen und Organisationen, sondern auch spezifische Strukturen der katholischen Kirche Missbrauch und dessen Vertuschung begünstigt haben?"
Eine Klarstellung durch den Papst halte er hier für dringend erforderlich, so Bätzing weiter. Er bezog sich auch auf den Reformprozess Synodaler Weg der katholischen Kirche in Deutschland, den er als früherer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz mitgeprägt hat. Der Synodale Weg habe die Fragen von Macht, Verantwortung und Kontrolle in den Mittelpunkt von Reformbemühungen gerückt: "Vor diesem Hintergrund halte ich die Aussage, sexueller Missbrauch sei in erster Linie ein menschliches Problem, für unzureichend und in ihrer möglichen Konsequenz für höchst problematisch."
Anerkennung systemischer Ursachen gefordert
Gleichzeitig erkannte er an, dass Papst Leo die besondere Verletzung von Betroffenen im kirchlichen Bereich und die Verantwortung der Kirche ihnen gegenüber angesprochen habe: "Gerade deshalb wünsche ich mir von ihm eine ebenso eindeutige Anerkennung der systemischen Ursachen sexualisierter Gewalt."
Bätzing war bis Ende Februar Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Sein Nachfolger ist der Bischof von Münster, Heiner Wilmer.
Leo XIV. will im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche nicht von einem systemischen Missbrauch sprechen - Zugleich betont er eine besondere Verantwortung der Kirche für die Betroffenen