Polens Bischöfe bieten Vermittlung in Polit-Krise an
05.11.202609:25
Polen/Kirche/Justiz/Regierung/Politik/Konflikte
Eskalierte Machtkampf zwischen Regierung und Präsident um Verfassungsgericht dauert an
Warschau, 05.11.2026 (KAP/KNA) Die katholische Kirche in Polen bringt sich als Vermittler im Streit um das Verfassungsgericht ins Spiel. Die Bischöfe des Landes betonten laut Nachrichtenagentur KNA am Mittwochabend ihre Bereitschaft, "jede erdenkliche Hilfe zu leisten, um den Vermittlungs- und Dialogprozess auf den Weg zu bringen und zu unterstützen, um Lösungen für die aktuelle Krise zu finden sowie Vertrauen und gesellschaftliche Versöhnung aufzubauen".
Ihre Botschaft veröffentlichte die Bischofskonferenz nach einer Sondersitzung ihres Ständigen Rats, die kurzfristig wegen der schweren politischen Krise einberufen worden war. Dem Gremium gehören 14 der insgesamt 140 Bischöfe an. In Polen tobt ein beispielloser Machtkampf zwischen der Mitte-Links-Regierung von Donald Tusk und dem rechtskonservativen Präsidenten Karol Nawrocki um das Verfassungsgericht.
Für Weisheit der Politiker beten
Die Bischöfe riefen alle Konfliktparteien zu Besonnenheit, Demut und Verantwortungsbewusstsein auf. Sie wandten sich zudem gegen Vorurteile und Gewalt und warben für konstruktiven Dialog und Deeskalation. Polens Katholiken sollten für die Weisheit der Politiker beten und kommenden Dienstag fasten, so die Bischöfe weiter.
Außenminister Radoslaw Sikorski hatte einen am vergangenen Wochenende veröffentlichten Aufruf der Bischofskonferenz zu einer einvernehmlichen Lösung des Konflikts begrüßt. Er warf den Bischöfen aber vor, sie hätten vor zehn Jahren geschwiegen, als die damals regierenden Rechtskonservativen das Verfassungsgericht an sich gerissen hätten.
Die katholische Kirche hat in Polen traditionell großen Einfluss. In den vergangenen Jahren büßte sie aber besonders in der jungen Generation an Ansehen ein. Laut Volkszählung von 2021 sank die Zahl der Menschen, die sich zur römisch-katholischen Kirche bekennen, binnen zehn Jahren von 33,7 Millionen auf 27,1 Millionen. Ihr Anteil an der Bevölkerung schrumpfte damit von 87,6 auf 71,3 Prozent.
Warschau erlebt einen beispiellosen Machtkampf um das Verfassungsgericht - Polens Bischöfe ergreifen keine Partei, verlangen aber eine friedliche Lösung