Diözese Feldkirch startet neues Angebot für Erwachsenentaufen
05.11.202612:26
Österreich/Kirche/Glaube/Erwachsenentaufen
Vorarlberger Bischof Elbs berichtet in "KirchenBlatt"-Interview über gestiegenes Interesse - Österreichweit mehr als 350 Erwachsenentaufen im Vorjahr
Feldkirch, 05.11.2026 (KAP) Seit Jahren erlebt Österreich einen deutlichen Rückgang bei den Kindertaufen, doch das Interesse an Erwachsenentaufen steigt. Um die Vorbereitung erwachsener Taufbewerberinnen und Taufbewerber zu stärken und zugleich die Pfarrgemeinden bei dieser Aufgabe zu unterstützen, startet die Diözese Feldkirch im Herbst mit einem neuen Projekt für die Erwachsenentaufe. Hintergrund sind zunehmende Anfragen in Vorarlberg. Auch österreichweit und in Europa ließe sich ein Aufwärtstrend beobachten, erklärte Bischof Benno Elbs gegenüber dem Vorarlberger "KirchenBlatt" (aktuelle Ausgabe). Die bewusste Entscheidung für den Glauben im Erwachsenenalter biete eine besondere Chance: Sie erwachse aus persönlicher Suche und Überzeugung und könne zu einer Quelle für ein sinnvolles und glückliches Leben werden.
Der christliche Glaube werde heute nicht mehr selbstverständlich von einer Generation an die nächste weitergegeben: "Wir erleben in Österreich seit Jahren einen deutlichen Rückgang bei den Kindertaufen. Vor rund 30 Jahren wurden noch fast doppelt so viele Kinder getauft wie heute", erklärte Elbs. Gleichzeitig steige in Europa die Zahl der Erwachsenentaufen. Allein in der Osternacht des vergangenen Jahres empfingen mehr als 20.000 Erwachsene in Frankreich das Sakrament der Taufe. Und auch in Österreich zeigt sich ein klarer Aufwärtstrend: Nach knapp 200 Erwachsenentaufen im Jahr 2023 und 255 im Jahr 2024 waren es im vergangenen Jahr bereits mehr als 350.
Die steigenden Zahlen dürften allerdings nicht "überstrapaziert" werden. Sie könnten den allgemeinen Trend der Säkularisierung nicht umkehren, betonte Elbs. Der Anstieg komme für viele überraschend, wie auch ein Gespräch mit französischen Bischöfen gezeigt habe. Schließlich sei das gewachsene Interesse nicht das Ergebnis einer gezielten pastoralen Strategie oder eines besonderen Programms, sagte der Feldkircher Bischof.
Für viele Neugetaufte - meist seien es junge Erwachsene - stünde eine ganz persönliche und intensive Gottesbegegnung am Anfang ihrer Entscheidung. "Was zunächst vielleicht mit Neugier auf etwas Unbekanntes beginnt, entwickelt sich mit der Zeit zu einer tiefen und oftmals ungeplanten Beziehung zu Gott", so Elbs. Auch Glaubenszeuginnen und Glaubenszeugen in ähnlichen Lebenssituationen spielten eine wichtige Rolle, weil genau dieses persönliche und glaubwürdige Zeugnis vielleicht die beste "Werbung" für den Glauben und letztlich auch die Taufe sei, betonte Elbs. Jüngere Menschen seien diesbezüglich viel mutiger geworden.
Wichtig sei zudem, dass Pfarren und ehrenamtliche Taufbegleiterinnen und Taufbegleiter den Taufbewerberinnen und Taufbewerbern mit Gastfreundschaft begegnen. Menschen, die sich für den Glauben interessieren, sollten spüren: "Du bist willkommen, mit deinen Fragen, deinen Zweifeln, deiner Geschichte und deinem Suchen." Wer sich für den Glauben und ein Leben als Christin oder Christ entscheide, solle auf diesem Weg nicht allein bleiben, sondern mit anderen Menschen in Kontakt kommen, die ähnliche Fragen hätten und sich ebenfalls auf die Suche nach Gott machten, sagte Elbs.