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Papst Leo XIV. und Bischof Janos Szekely
Bild Copyright: © Vatican Media

Ungarns Bischöfe von Papst empfangen - Neuer Nuntius ernannt

05.11.2026 15:03
(zuletzt bearbeitet am 05.11.2026 um 16:04 Uhr)
Vatikan/Ungarn/Papst/Kirche/Bischöfe/Ad.limina.Besuch/Personalien/Nuntius
Mitglieder der Ungarischen Bischofskonferenz in dieser Woche zum Ad-limina-Besuch in Rom - Papst beruft Vatikandiplomat Coppola zum neuen Botschafter des Heiligen Stuhls in Budapest - In Ungarn sorgt Öffnung von Geheimdienst-Archiv für Aufsehen
Vatikanstadt, 05.11.2026 (KAP) Papst Leo XIV. hat die Mitglieder der Ungarischen Bischofskonferenz am Donnerstag im Vatikan in Audienz empfangen. Das teilte das vatikanische Presseamt mit. Die ungarischen Bischöfe absolvieren in der laufenden Woche ihren turnusgemäßen Ad-limina-Besuch in Rom, der für alle Bischöfe der Weltkirche alle fünf bis sieben Jahre vorgesehen ist. Angeführt werden sie vom Bischofskonferenz-Vorsitzenden Janos Szeleky und dem Budapester Kardinal Peter Erdö.

Leo XIV. habe mit den Bischöfen ausführlich über den Auftrag der Kirche gesprochen, in der Gesellschaft präsent zu sein, für christliche Werte einzutreten und dem Gemeinwohl zu dienen, berichtete Bischof Szekely nach der Begegnung mit dem Papst im Apostolischen Palast. Es sei wichtig, dass die Kirche bei gesellschaftlich relevanten Fragen wie zur Familie oder zur sozialen Gerechtigkeit ihre Stimme erhebe.

"Der Papst hat uns für unsere karitative Arbeit, den großen missionarischen Auftrag der kirchlichen Schulen, unsere Bemühungen zugunsten der Roma sowie für die Unterstützung der aus der Ukraine zu uns geflüchteten Familien gedankt", berichtete Szekely. "Es war für uns alle eine stärkende, hoffnungsvolle und ermutigende Begegnung."

Weitere Gesprächsthemen waren demnach die Situation junger Menschen, die Verlockungen der digitalen Welt in ihrem Leben sowie die Bedeutung lebendiger kirchlicher Gemeinschaften und persönlicher Begegnungen. Leo XIV. habe die Bischöfe ermutigt, ihren Priestern nahe zu sein und sie zu bestärken. Auch das katholische Hochschulwesen, das dem Papst sehr am Herzen liege, sei zur Sprache gekommen, so Szekely.

Erinnerung an Mindszenty und Volksaufstand von 1956

Der Papst habe auch an den ungarischen Volksaufstand von 1956 erinnert, der sich in diesem Tagen zum 70. Mal jährt. Bereits bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz am Mittwoch hatte Leo XIV. an den "heroischen Primas" Kardinal Jozsef Mindszenty (1892-1975) erinnert. Der von den Kommunisten in einem Schauprozess verurteilte Mindszenty war im Zuge des Volksaufstands freigekommen; nach der Niederschlagung der Revolution fand der Primas Zuflucht in der US-amerikanischen Gesandtschaft in Budapest, bevor er nach Rom ausreiste und bis zu seinem Tod in Wien lebte.

Ungarns Bischöfe übergaben Leo XIV. bei der Audienz auch ein Bild von Mindszenty, für den ein Seligsprechungsverfahren läuft. Mit Blick auf das Porträt hätten die Bischöfe den Wunsch zum Ausdruck gebracht, dass sie Mindszentys Seligsprechung und damit die Anerkennung von dessen Glaubenszeugnis mit großer Erwartung entgegensehen, sagte der Bischofskonferenz-Vorsitzende Szekely.

Erzbischof Coppola neuer Nuntius in Budapest

Ebenfalls am Donnerstag gab der Vatikan bekannt, dass der Papst Erzbischof Franco Coppola (69) zum neuen Apostolischen Nuntius in Ungarn ernannt hat. Der aus Italien stammende Vatikandiplomat war in den vergangenen fünf Jahren Botschafter des Heiligen Stuhls in Belgien und Luxemburg. Zuvor leitete Coppola seit 2009 u. a. die Vatikanbotschaften in Burundi, Tschad, der Zentralafrikanischen Republik und in Mexiko. Coppolas Vorgänger in der Nuntiatur in Budapest, Erzbischof Michael Wallace Banach, hatte der Papst jüngst zum Apostolischen Nuntius in Argentinien ernannt.

Begonnen hatten Ungarns Bischöfe ihren Ad-limina-Besuch am Montag mit einer Messe in der ungarischen Kapelle im Petersdom. Im Rahmen des Besuchs "An den Schwellen" (lateinisch "ad limina") der Apostelgräber in Rom sprechen sie in den diesen Tagen bei zahlreichen Terminen in den vatikanischen Behörden über die Lage der Kirche in ihren Diözesen.

Kirche entschuldigt sich für geistliche Kollaborateure

In Ungarn sorgt unterdessen die Veröffentlichung von historischen Akten der früheren kommunistischen Staatssicherheit für Aufsehen. Auch die Ungarische Bischofskonferenz reagierte darauf. Unter den bis zu 60.000 Namen von angeworbenen Informanten und Mitarbeitern des Regimes finden sich auch jene von Geistlichen. "In ihrem Namen bitten wir die Opfer und ihre Angehörigen um Vergebung", hieß es laut Nachrichtenagentur KNA in einer am Mittwoch in Budapest veröffentlichten Erklärung der Bischofskonferenz.

Zugleich betonten die Bischöfe, es sei wichtig, angesichts der Aufsehen erregenden Veröffentlichung das größere Bild nicht aus den Augen zu verlieren. Zum einen fänden sich in dem Namenregister auch jene Personen, die angeworben wurden, aber eine Zusammenarbeit verweigerten. Weitere seien durch Erpressung oder Gewaltandrohung als Spitzel rekrutiert worden.

Zum anderen handle es sich bei der katholischen Kirche um eines der "Hauptziele" der kommunistischen Diktatur, so die Bischöfe weiter. Mehr als 100 Priester und Mönche seien ermordet, 2.000 weitere inhaftiert, religiöse Orden verbannt und kirchliche Schule nationalisiert worden.

Historiker mahnen zu Vorsicht

Seit Mittwoch ist ein Teil der kommunistischen Staatssicherheits-Akten einer breiten Öffentlichkeit über eine eigene Website zugänglich. Medien berichten seither über prominente Namen, die sich darin finden. Mit der Veröffentlichung löste die Regierung von Ministerpräsident Peter Magyar eines ihrer Wahlkampfversprechen ein. Damit soll die Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit vorangetrieben und Versöhnung angestoßen werden.

Historiker und andere Experten verwiesen wiederholt auf den Umstand, dass dem Namensregister eine Kontextualisierung fehle. Für Betroffene, etwa jene, die überraschend ein Familienmitglied in den Akten vorfinden, stellt die ungarische Regierung ein Beratungsangebot zur Verfügung.

Im Gespräch mit Kathpress hatte auch der Historiker Viktor Attila Soos kürzlich davor gewarnt, Menschen allein aufgrund ihrer Nennung in Akten der früheren kommunistischen Staatssicherheit zu verurteilen. Die bevorstehende Öffnung der Archive sei ein wichtiger Schritt zur Aufarbeitung der Vergangenheit, sagte der Experte. Namen und persönliche Daten allein reichten jedoch nicht aus, um die Rolle einzelner Personen während der Diktatur zu bewerten. Historiker müssten auch prüfen, unter welchen Umständen die Staatssicherheit Informanten anwarb, ob und welche Berichte sie verfassten und welche Folgen diese hatten.

(Erklärung der Ungarischen Bischofskonferenz: https://katolikus.hu/cikk/nyilatkozat-az-ugynokaktak-nyilvanossagra-hozatala-kapcsan)
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