Wiener Kardinal in Zeitungskolumne: Ausgang der Midterm-Elections in den USA "klares Zeichen für mehr Demokratie"
Wien, 06.11.2026 (KAP) Die Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit und muss von den Bürgerinnen und Bürgern aktiv mitgetragen werden: Daran hat Kardinal Christoph Schönborn in seiner wöchentlichen Kolumne in der Tageszeitung "Heute" (Freitag) erinnert. Bis heute würden Menschen unter Lebensgefahr für freie Wahlen, Meinungsfreiheit, Mitbestimmung und freie Religionsausübung auf die Straße gehen. Demokratie lebe vom Beitrag aller und bedeute, sich zu informieren und mitzureden, "zur Wahl gehen und das Gemeinsame hochhalten, zum Wohl aller".
Aktuell seien nicht alle Länder der Welt Demokratien, wies Schönborn hin. Die Zahl der Diktaturen und autoritären Regimes würde heute eher zunehmen, zudem sei auch der "Ruf nach 'starken Männern' an der Spitze" oft zu hören. "Demokratie wird verspottet und schlecht gemacht", hielt der Kardinal fest. Zwar sei keine Regierungsform perfekt, und auch die Demokratie habe Schattenseiten. Doch "hat die Geschichte gezeigt, dass sie immer noch besser ist als alle Diktaturen", urteilte der emeritierte Wiener Erzbischof.
Als aktuelles Beispiel für die Bedeutung von Mitbestimmung verwies Schönborn auf die Studentenliste (SL) in Serbien, die am 25. Oktober bei den vorgezogenen Parlamentswahlen einen Wahlsieg errungen und damit die 14-jährige Präsidentschaft des rechtsnationalistischen Politikers Aleksandar Vucic und seiner Partei (SNS) beendet hatten. Und auch in Ungarn hätten "viele Menschen ein klares Votum gegen autokratische Bestrebungen abgegeben". Eine ähnliche Bewegung sieht Schönborn in den USA, wo am Dienstag bei den sogenannten Midterm-Elections Gouverneurssitze sowie Teile des Kongresses neu gewählt wurden. Den Ausgang der Wahl wertete er als "ein klares Zeichen für mehr Demokratie".
Ein solches Zeichen könne jedoch nur dort gesetzt werden, wo es freie, demokratische Wahlen gebe. "Ich bin dankbar, in einem demokratisch regierten Land zu leben", schloss Schönborn.