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Mossul: Behörden und Kirchen ehren Märtyrer-Priester

06.11.2026 14:10
Irak/Kirche/Religionsfreiheit/Terrorismus
Syrisch-orthodoxer Geistlicher Bulos Iskander wurde vor 20 Jahren in der nordirakischen Metropole von Islamisten ermordet - Nun wurde in Mossul eine Straße nach ihm benannt
Bagdad, 06.11.2026 (KAP) Vor 20 Jahren wurde in der nordirakischen Millionenstadt Mossul der syrisch-orthodoxe Priester Bulos Iskander von Islamisten ermordet. Nun wurde in der Stadt eine Straße nach dem Märtyrer benannt. Das berichtete am Freitag der "Pro Oriente"-Informationsdienst unter Berufung auf das Portal "The Assyria Post". Iskandar wurde am 9. Oktober 2006 in Mossul von unbekannten Bewaffneten entführt. Seine Entführer forderten von seiner Familie Lösegeld, seine Leiche wurde trotzdem zwei Tage später, am 11. Oktober, aufgefunden. Der 59-jährige Geistliche war enthauptet worden. Sein Leichnam zeigte Spuren von Folter. In einer Botschaft sprachen die Terroristen auch von einem Racheakt für die Islam-kritischen Äußerungen von Papst Benedikt XVI. in seiner "Regensburger Rede".

Der Mord war zwar nur einer von vielen, die Brutalität löste in der christlichen Gemeinschaft im Irak aber eine Schockwelle aus. Die unsichere Lage veranlasste viele christliche Familien, ihre Heimat zu verlassen. Schon damals wurden unzählige Christinnen und Christen in Mossul Opfer von Islamisten und damit schon lange vor der Terrorherrschaft des IS, die von 2014 bis 2017 dauerte.

Für die aktuelle Initiative in Mossul hat sich der syrisch-orthodoxe Bischof Nicodemos Daoud Matti Sharaf stark gemacht, der eine entsprechende Vereinbarung mit den Behörden des Gouvernements Ninive aushandeln konnte. Der Straßenname beinhaltet auch dezidiert den Begriff "Märtyrer".

Die neu benannte Straße befindet sich neben der syrisch-orthodoxe Mor Ephrem-Kirche, in der der Ermordete seinen Dienst versah. Mit der Initiative sollen laut "The Assyria Post" nicht nur das Andenken an Pater Iskandar bewahrt und seine Verdienste gewürdigt werden. Auch den vielen weiteren Christinnen und Christen, die während der Jahre der Gewalt im Irak ihr Leben verloren habe, soll damit ein Andenken bereitet werden.

Von 2014 bis Anfang 2017 war Mossul die Hochburg des IS im Irak. In Mossul rief Abu Bakr al-Baghdadi das IS-Kalifat aus. Es folgten Jahre des Grauens, des Mordens und des Versuchs, die christliche Präsenz vollständig auszulöschen. Alle Christen mussten die Stadt verlassen, die 35 Kirchen Mossuls hat der IS entweder völlig zerstört oder zumindest schwer verwüstet. Einige Kirchen wurden als Bombenwerkstätten missbraucht, in einer anderen Kirche hatte der IS einen Strafgerichtshof eingerichtet, Menschen abgeurteilt und gefoltert.

Erst vor wenigen Wochen hat eine Delegation der Linzer Pro Oriente-Sektion und der Initiative Christlicher Orient (ICO) Mossul besucht, um sich ein Bild von der Stadt und dem christlichen Wiederaufbau zu machen. Wie aus zahlreichen Gesprächen mit Kirchenvertretern vor Ort deutlich wurde, sind bisher erst 100 christliche Familien verschiedener Konfessionen nach Mossul zurückgekehrt. Fünf Kirchen wurden bisher wieder errichtet bzw. renoviert. Die nunmehrige Straßenbenennung könnte laut Beobachtern ein kleines Mosaikteilchen im Bemühen sein, die christliche Präsenz im Mossul aufrechtzuerhalten.
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