Bei Papst Leos Lateinamerikareise wird sein Vorgänger nach Einschätzung des Vatikan-Außenministers immer wieder Thema sein - Doch auch Leos "lateinamerikanisches Herz" werde die Reise prägen
Buenos Aires/Rom, 06.11.2026 (KAP/KNA) Der verstorbene Papst Franziskus wird nach den Worten von Kurienerzbischof Paul Gallagher bei der aktuellen Lateinamerikareise von Papst Leo XIV. sein wie "der Elefant im Raum". "Er wird immer präsent sein, denn er war einer der bedeutendsten Vertreter seines Landes. Und natürlich ist es schwierig, seine Lehre, seine Doktrin, seine Liebe und seine Vision nicht immer wieder zu erwähnen", sagte der Außenminister des Vatikans laut Nachrichtenagentur (KNA) im Interview der argentinischen Tageszeitung "La Nación" (Donnerstag).
Weiter sagte Gallagher mit Blick auf die Papstreise: "Ich glaube, dass dies gerade in diesem Moment ein großer Segen für das argentinische Volk ist." In Spanien und Frankreich habe man zuletzt gesehen, dass der Besuch des Papstes ein Volk vereinen könne. Argentinien sei ungeachtet aller Schwierigkeiten "ein wunderbares Land mit vielen Möglichkeiten", das sein Schicksal selbst in der Hand habe.
"Ich glaube, der Papst möchte dazu beitragen, dem Volk zu helfen, einige seiner Polarisierungen und Spaltungen zu überwinden, damit alle gemeinsam zum Wohle aller Argentinier zusammenarbeiten." Ein Papstbesuch sei "ein Moment großer Einheit" und könne für alle Argentinier für einige Tage eine großartige Erfahrung nationaler Einheit schaffen.
Zum Auftakt seiner zwölftägigen Lateinamerikareise wird Papst Leo XIV. am Freitagabend in Uruguay erwartet. Anschließend besucht er Argentinien (8. bis 11. November) und Peru (11. bis 16. November), wo er lange Jahre als Missionar und Bischof arbeitete.
Leo hat "viel lateinamerikanisches Herz"
Laut Gallagher hat Papst Leo XIV. "viel lateinamerikanisches Herz". Der vatikanische Außenbeauftragte erklärte: "Ich glaube, seine peruanische Identität ist stärker als die 'gringa'" - also die US-amerikanische. Peru sei für Leo eine sehr wichtige Erfahrung, die er als Erwachsener gemacht habe. "Und man sieht, dass er sehr gerne dorthin zurückkehrt, das merkt man, das versteht man, und es wird schön werden." Er gehe davon aus, dass die Peruaner den Papst "mit viel Zuneigung und Begeisterung" empfangen werden und hoffe, dass sein Besuch in allen drei Ländern Früchte trage.
Der vatikanische Außenminister unterstrich die Bedeutung des Multilateralismus, von dem man im Heiligen Stuhl überzeugt sei: Denn ohne hätten kleine und mittlere Länder laut Gallagher keine Stimme mehr. "Das ist nicht der Geist, aus dem heraus wir die tragische Erfahrung des Zweiten Weltkriegs hinter uns gelassen haben, als die Überzeugung herrschte, dass der Weltfrieden unter Beteiligung aller gesichert werden muss", sagte er.
Ohne ein Forum, in dem alle zu Wort kommen können, werde es für die internationale Gemeinschaft schwierig, die großen Aufgaben wie den Klimawandel, demografische Probleme, wirtschaftliche Herausforderungen und die "enorme Herausforderung der künstlichen Intelligenz" zu bewältigen: "Wenn wir keinen Multilateralismus haben, wie sollen wir dann in dieser Zeit den Nutzen des Gemeinwohls für die gesamte Menschheit genießen können?", fragte Gallagher.