Bürgermeister von Mechelen im Austausch mit Vertretern aus Politik, Kirche, Gesellschaft und Studierenden über gelingendes Zusammenleben in pluraler Gesellschaft
Innsbruck, 07.11.2026 (KAP) Im Bemühen um mehr Begegnung und Dialog in Zeiten wachsender gesellschaftlicher Spannungen hat sich die Diözese Innsbruck Inspiration bei einem erfolgreichen Integrationsmodell aus Belgien geholt. Auf Einladung von Bischof Hermann Glettler und der Unternehmerischen Hochschule MCI (Management Center Innsbruck) reiste Bart Somers, Bürgermeister der belgischen Stadt Mechelen, zu einem Gespräch mit Studierenden und Entscheidungsträgerinnen und -trägern aus Politik, Kirche, Bildungs- und Sicherheitsbereichen, Sozialwirtschaft und Gesellschaft nach Innsbruck. Beim Symposium "The Future of Democracy and Europe" am Freitag wurde unter anderem darüber diskutiert, welche Erfahrungen erfolgreicher europäischer Städte auch für Tirol hilfreich sein können.
Bei einem Gespräch am Vorabend der Veranstaltung kamen im Bischofshaus etwa der Präsident des European Forum Alpbach, Othmar Karas, die Theologin Michaela Quast-Neulinger, Innsbrucks Vizebürgermeister Georg Willi, Landespolizeidirektor Helmut Tomac, Johannes Schranz vom AMS Tirol sowie Vertreterinnen der Katholischen Jugend zum Austausch zusammen. Beim Symposium am Freitag wurde diskutiert, wie gesellschaftlicher Zusammenhalt in einer zunehmend pluraler werdenden Gesellschaft gestärkt werden kann und wie sich das gefährliche Abdriften in soziale Sonderwelten mit steigender Aggression und Ausgrenzung überwinden lässt, teilte die Diözese Innsbruck in einer Aussendung am Samstag mit. Der Besuch des belgischen Bürgermeisters knüpfte an eine Exkursion von Studierenden nach Mechelen an.
Die belgische Stadt mit mehr als 130 Nationalitäten gelte international als Beispiel für gelingende Integration und erfolgreiche Präventionsarbeit gegen gesellschaftliche Spaltung, wie Bischof Glettler betonte. Integration gelinge dort als "ein Bündel vielfältiger Initiativen auf dem Bewusstsein, dass alle gleich geschätzte Bürger und Bürgerinnen einer Stadt sind". Dabei gelte ein Grundprinzip: "Hundertprozentig auf die Sicherheit aller Bürger zu achten und mit ebenso großer Energie, also hundertprozentig auf den Aufbau von Beziehungen zu setzen." Unter der Führung von Somers sei es gelungen, eine von hoher Kriminalität und übermäßig vielen sozialen Spannungen geprägte Stadt zu einem vielbeachteten Modell des Zusammenlebens zu entwickeln. Das Beispiel Mechelen mache Mut, gerade an den sozialen Bruchlinien Herausforderungen auch als Chancen zu sehen, so Glettler.
Zusammenhalt entstehe nicht zufällig, sondern durch klare Regeln, aktive Teilhabe und konsequente Investitionen in das gesellschaftliche Miteinander, legte Somers dar. Mechelen sei kein Paradies, doch sei es in den vergangenen 25 Jahren gelungen, Schritt für Schritt eine Kultur des Miteinanders zu entwickeln, Ängste und Vorurteile abzubauen und so die Anfälligkeit für Radikalisierung deutlich zu verringern. "Der entscheidende Perspektivenwechsel bestand darin, das Gemeinsame zu suchen und jeden Menschen unabhängig von seiner Herkunft als Bürgerin oder Bürger erster Klasse zu behandeln", erläuterte Somers. Gleichzeitig gelte jedoch auch die Regel: "Wer Bürger erster Klasse ist, muss sich auch so verhalten."