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Bischof Zsifkovics und Schüler gedachten Novemberpogrom-Opfer

07.11.2026 12:47
Österreich/Kirche/Schüler/Schule/Geschichte/Gedenken/Novemberpogrome
Gymnasium der Diözese Eisenstadt rückte bei Gedenkfeier Schicksale vertriebener Jüdinnen und Juden aus Eisenstadt und der Region auseinander
Eisenstadt, 07.11.2026 (KAP) Die Schulgemeinschaft des Wolfgartens in Eisenstadt und Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics haben am Freitag der Opfer der Novemberpogrome gedacht. In den vergangenen Wochen hatten sich Schülerinnen und Schüler aller Klassen gemeinsam mit ihren Lehrpersonen mit den Lebensgeschichten vertriebener Jüdinnen und Juden aus Eisenstadt und der Region auseinandergesetzt und ihre Schicksale in den Mittelpunkt der Feier gerückt. Zsifkovics, der in der Österreichischen Bischofskonferenz als Referatsbischof für Ökumene und den jüdischen Dialog zuständig ist, würdigte das Engagement der Jugendlichen und die Bedeutung ihrer Auseinandersetzung mit der Geschichte: "Indem ihr heute einzelne Menschen und ihre Schicksale in den Mittelpunkt gestellt habt, ist ein lebendiges Gedenken entstanden."

Das Gymnasium der Diözese Eisenstadt mit seiner Geschichte habe eine besondere Verpflichtung, die Erinnerung wachzuhalten, fuhr der Bischof fort. Der Standort Wolfgarten hat jüdische Wurzeln. Das heutige Schulareal war einst der Obst- und Gemüsegarten der jüdischen Familie Wolf. "Ihre Geschichte gehört zu unserer Schule und erinnert uns an die Verantwortung, die wir tragen: offen, respektvoll und achtsam mit allen Menschen umzugehen", heißt es auf der Webseite der katholischen Privatschule. Dies sei aber nicht nur Aufgabe der Kirche, sondern ebenso des Landes, der Politik, der Bildung, der Kultur und der Kunst, betonte Zsifkovics. "Wir dürfen nicht vergessen, was sich hier bei uns, im kleinen Eisenstadt und im kleinen Burgenland, ereignet hat: dass die Geschichte eines Volkes und einer Religion ausgelöscht werden sollte."

Jede Klasse stellte im Rahmen der Gedenkfeier ein persönliches Schicksal vor: darunter Otti Wolf, Sándor Wolf, Gertrude Hoffer, Josef Steinhart, Lore Walter, Kurt Simon, Oskar Schiller und Hilde Schlesinger-Schilf. Ausgehend von historischen und wissenschaftlichen Texten gestalteten die Schülerinnen und Schüler ein Sprechstück, das die schwierige Lebenssituation der jüdischen Bevölkerung während der NS-Zeit thematisierte und mit verbreiteten Irrtümern und Vorurteilen aufräumte, teilte die Diözese Eisenstadt mit.

"Aus abstrakten Geschichtszahlen sind für uns dadurch Gesichter, Namen und Lebensgeschichten geworden. Wir haben von ihren Träumen gelesen, von ihrer plötzlichen Angst und von dem Schmerz, alles zu verlieren, was ihnen Heimat bedeutete", erklärte Direktorin Ulrike Klein-Schweifer. Die Biografien hätten deutlich gemacht, dass die Opfer Nachbarn, Freunde, Kolleginnen und Kollegen sowie Mitschülerinnen und Mitschüler waren. "Das Versprechen 'Nie wieder' darf keine leere Floskel sein. Es ist ein aktiver Auftrag an uns alle, jeden Tag für Demokratie, Toleranz und die Würde jedes einzelnen Menschen einzustehen", betonte die Direktorin.

Zum Abschluss der Gedenkfeier wurden Gebete aus der christlichen und jüdischen Tradition gesprochen. Zsifkovics verwies dabei auf die Bedeutung des Gebets als Zeichen des Gedenkens und der Erinnerung. Mit dem Friedensgebet des heiligen Franz von Assisi und einem Gebet aus der jüdischen Tradition für die in der Schoah ermordeten Menschen wurde die Feier abgeschlossen. Musikalisch gestaltet wurde die Gedenkstunde vom Ensemble der Joseph Haydn Privathochschule.
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