6 Tote, 15 Verletzte bei Anschlag in Krakau - Zweitägige Staatstrauer begonnen - Krakauer Erzbischof sendet Botschaft gegen Gewalt und Hass.
Krakau, 08.11.2026 (KAP/KNA) Einen Tag nach dem Anschlag in Krakau mit sechs Toten hat in Polen eine zweitägige Staatstrauer begonnen. Präsident Karol Nawrocki ordnete die Trauerzeit per Dekret an und sprach von einem "beispiellosen Terrorakt", wie die Nachrichtenagentur KNA am Sonntag berichtete. Die Flaggen an öffentlichen Gebäuden wurden landesweit auf halbmast gesetzt.
Ein 24-jähriger Pole hatte am Samstagnachmittag laut Polizeiangaben auf dem Hauptplatz von Krakau aus einem Auto heraus auf Passanten geschossen. 6 Menschen kamen ums Leben, 15 weitere wurden teils lebensbedrohlich verletzt. Zwei Polizisten stoppten den Täter mit mehreren Schüssen. Sie wurden in dem Gefecht durch Kugeln des Angreifers ebenfalls schwer verletzt.
Bei den Todesopfern handelt es sich laut den Behörden um vier Frauen und zwei Männer; darunter sei auch ein Brite. Zu den Verletzten zählen Staatsangehörige aus Deutschland, Österreich, Großbritannien, Portugal und Russland, wie ein Sprecher der Woiwodschaft Kleinpolen mitteilte.
Eigene Familie erschossen
Am Wohnsitz des Attentäters fand die Polizei am Samstagabend nach eigenen Angaben drei weitere Tote: seine Eltern und seine Schwester. Den Ermittlern zufolge wurden sie ebenfalls erschossen. Der Attentäter wohnte demnach in Ostrowiec Swietokrzyski, einer 60.000-Einwohner-Stadt 180 Kilometer nordöstlich von Krakau.
Regierungschef Donald Tusk besuchte am Abend die südpolnische Großstadt mit mehr als 800.000 Einwohnern. In Polen habe es bisher noch keine "derart drastischen Fälle von Terrorismus" gegeben, sagte er. Tusk drückte den Angehörigen der Opfer sein tiefes Beileid aus. Schon direkt nach dem Attentat hatte er alle politischen Lager aufgerufen, die Tat nicht zu instrumentalisieren.
"Es hätte jeder von uns sein können"
Der Krakauer Erzbischof, Kardinal Grzegorz Rys, erklärte, zum Tatzeitpunkt habe "jeder von uns auf dem Marktplatz sein können, genau dort, wo die Kugeln zufällige, nichtsahnende Menschen trafen". Er mahnte gesellschaftlichen Zusammenhalt an. Man könne in einem solchen Moment nicht gleichgültig bleiben. "Wir wollen und müssen zusammenstehen", so Rys. "Gewalt, Aggression und Hass haben uns erneut auf eine Weise getroffen, die alle Grenzen überschreitet."
Am Sonntagnachmittag soll es in der Marienkirche am Marktplatz einen Gottesdienst geben, um die Verbundenheit mit den Opfern und den Widerstand gegen Hass und Gewalt auszudrücken.