Deutscher Reformdialog "Synodaler Weg" in letzte Runde gestartet
29.01.202616:24
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Lob für "Kulturwandel" und "Schule der Empathie" am ersten Tag der Abschlusssitzung des Synodalen Wegs zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland
Stuttgart, 29.01.2026 (KAP/KNA) Mit positiven Einschätzungen ist am Donnerstag in Stuttgart die Abschlusssitzung des Synodalen Wegs zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland gestartet. Bis Samstag ziehen in der baden-württembergischen Landshauptstadt Bischöfe, Ordensleute und Laien Bilanz des sechsjährigen Reformprojekts. Die beiden Präsidenten, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, und die Vorsitzende des Laien-Dachverbands ZdK, Irme Stetter-Karp, sprachen übereinstimmend von einem gelungenen "Kulturwandel".
Bätzing erklärte, bei dem Reformprojekt sei es um "Umkehr und Erneuerung" gegangen. Ausgangspunkt sei der "Schock des Missbrauchsskandals" gewesen, der viel Vertrauen zerstört habe. Stetter-Karp würdigte das "gute Miteinander von Bischöfen und Laien", das sich im Laufe eines "leidenschaftlichen Ringens um den richtigen Weg" ergeben habe.
Ausdrücklich dankte Bätzing den Gesprächspartnern in der vatikanischen Kurie, die den Synodalen Weg kritisch begleitet hätten. Er sei zuversichtlich, dass es für die geplante Synodalkonferenz die nötige Zustimmung aus Rom geben werde. Man habe "alle römischen Anmerkungen" eingearbeitet. Es gebe auch im Vatikan einen "Willen, diesen Weg mitzutragen". Das neue nationale Beratungs- und Beschlussgremium von Bischöfen und Laien soll im November an den Start gehen.
"Denen, die in Deutschland noch Nein sagen, reichen wir die Hand", sagte ZdK-Vizepräsident Thomas Söding in Richtung einer Kritiker-Gruppe um den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und den Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, die beide nicht bei der Abschlusssitzung dabei sind. Söding betonte, die geplante Synodalkonferenz habe ein dreifaches Mandat: politisch, pastoral und finanziell. Der Theologe bezeichnete die sechste und letzte Synodalversammlung schon zum Auftakt als einen Erfolg. Man habe Kurs gehalten und die Hausaufgaben gemacht.
Nach Ansicht des Fuldaer Bischofs Michael Gerber besitzt der Synodale Weg eine Strahlkraft auch über die Kirche hinaus. Er selbst, so Gerber, habe den Synodalen Weg als "Schule der Empathie" erlebt, in der es beispielsweise zu einem ehrlichen Austausch mit Angehörigen sexueller Minderheiten gekommen sei.
Vor dem Konferenzort in Stuttgart hatten sich rund 50 Vertreterinnen und Vertreter von katholischen Verbänden und Reformgruppen versammelt, um ihren Ruf nach Änderungen im kirchlichen Leben zu erneuern.
Unterdessen wies der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck Vorwürfe zurück, der Synodale Weg stehe im Widerspruch zur kirchlichen Lehre: "Er sollte als Ausdruck gelebter katholischer Verantwortung verstanden werden - verbunden mit einem gemeinsamen, ehrlichen Ringen um die nächsten Schritte."
Eine negative Bilanz zog der Tübinger Kirchenrechtler Bernhard Anuth. "Die greif- und messbaren Ergebnisse des Synodalen Weges bleiben weit hinter den Ansprüchen des Anfangs zurück", sagte er der "Rheinischen Post".
An dem bis Samstag dauernden Treffen in Stuttgart nimmt auch der Papstbotschafter, Nuntius Nikola Eterovic, teil. Mehrere Bischöfe waren aus unterschiedlichen Gründen abwesend. Zu ihnen gehört Bischof Voderholzer, der zeitgleich an einer Versammlung der für die katholische Lehre zuständigen Glaubensbehörde im Vatikan teilnahm. Aus der Erzdiözese Köln nahm kein Bischof teil. Insgesamt waren in Stuttgart 177 Synodale zugegen.
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