Charkiw: Caritas-Hilfe in der Kälte für viele überlebenswichtig
05.02.202609:25
Ukraine/Krieg/Hunger/Hilfsorganisation/Kirche
Lange Schlangen vor Essens- und Lebensmittelausgaben - Bischof öffnet Diözesangebäude für Notleidende - Caritas-Direktor: Hilfe und Solidarität durch andere zu erleben, macht schwierige Momente erträglicher
Kiew/Rom, 05.02.2026 (KAP) Nach der jüngsten Welle russischer Angriffe auf ukrainische Städte ist die humanitäre Hilfe in Charkiw für viele Menschen überlebenswichtig geworden. Besonders die gezielten Bombardierungen der Energieinfrastruktur haben bei Temperaturen bis zu -26 Grad zu massiven Strom- und Heizungsausfällen geführt. Nach Angaben der Stadt sind rund 105.000 Menschen ohne Wärmeversorgung.
Der Direktor von Caritas-Spes der Diözese Charkiw-Saporischschja, Wojciech Stasiewicz, beschreibt die Lage als äußerst angespannt. "Leider ist die Situation derzeit sehr schwierig", sagte er im Gespräch mit Vatican News (Mittwoch). Besonders betroffen sei Charkiw, wo Angriffe auf Wärmekraftwerke und Umspannwerke ganze Stadtviertel lahmgelegt hätten. "Ohne Strom gibt es keine Heizung, was das Leben extrem erschwert, insbesondere in Wohnblocks ohne Alternativen wie Öfen oder Kamine."
Vor den Einrichtungen der Caritas stünden täglich zahlreiche Menschen an. "Wir haben Schlangen von Menschen vor den Toren, die hungrig sind und einen Arzt brauchen", berichtete Stasiewicz. In den Wintermonaten versorge die Caritas täglich zwischen 150 und 300 Menschen mit warmer Suppe; darüber hinaus gebe es Tee, Kaffee und Brot. Insgesamt seien 50 bis 60 Mitarbeitende im Sozialzentrum im Einsatz, ergänzt durch mobile Hilfsangebote.
Besondere Bedeutung misst Stasiewicz der Unterstützung aus dem Ausland bei. "Diese Solidarität zu sehen, ist schön", sagte er mit Blick auf Spenden aus Europa. Hilfe und Solidarität durch andere zu erleben, mache die schwierigen Momente erträglicher. So hätten etwa in Polen die Diözesen Sammlungen für Generatoren und Treibstoff organisiert. "Die Generatoren sind bereits in Kiew und sollen diese Woche in Charkiw eintreffen", erklärte er. Sie seien für Krankenhäuser und kritische Infrastrukturen vorgesehen.
Auch auf diözesaner Ebene werde zusätzliche Hilfe organisiert. Der Bischof von Charkiw, Pawlo Hontscharuk, habe angekündigt, Räume der Kurie für betroffene Familien zur Verfügung zu stellen. Ziel sei es, Menschen ohne Heizung oder nach Bombardierungen zumindest vorübergehend Schutz zu bieten.
Für Stasiewicz geht die Hilfe über materielle Unterstützung hinaus. "Unsere Hauptmission besteht darin, Hoffnung zu geben und Würde zurückzugeben", betonte er. Viele der Hilfesuchenden hätten nach Angriffen "alles verloren" und kämen oft nur mit wenigen Habseligkeiten in die Stadt. Die Botschaft des Caritas-Direktors an alle Unterstützer im Ausland: "Im Namen aller Menschen hier möchte ich sagen: Wir sind euch zutiefst dankbar, dass ihr uns nahe seid und uns mit Gebet und Spenden unterstützt."
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