Ramadan und christliche Fastenzeit starten 2026 nahezu zeitgleich - Muslimischer Religionspädagoge: "Es geht um Dankbarkeit, um Reinigung von Körper und Seele und darum, sich in Worten und Taten zurückzunehmen"
Wien, 10.02.2026 (KAP) Wenn 2026 der islamische Fastenmonat Ramadan beginnt, startet nahezu zeitgleich auch die christliche Fastenzeit vor Ostern: Der erste Fasttag des Ramadan ist der 19. Februar, das vorösterliche Fasten beginnt am Aschermittwoch, 18. Februar. Damit stehen Millionen Christinnen und Christen sowie Musliminnen und Muslime in Österreich zur selben Zeit in einer Phase religiöser Enthaltsamkeit, Umkehr und geistlicher Sammlung. Der muslimische Religionspädagoge Ramazan Demir (Kirchliche Pädagogische Hochschule Wien/Niederösterreich) spricht gegenüber der Nachrichtenagentur Kathpress von einer "interreligiös spannenden Konstellation". Ziel sei es, "Gott näherzukommen", so Demir, der den Ramadan als eine "Charakterschule für das ganze Jahr" bezeichnete.
Im Islam ist das Fasten im Monat Ramadan eine der fünf Säulen des Glaubens. Im Koran heißt es: "O ihr, die ihr glaubt! Das Fasten ist euch vorgeschrieben, wie es denen vor euch vorgeschrieben war, auf dass ihr euch Gottes bewusst werdet" (Sure 2:183). Gefastet wird täglich von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang durch bewusste Enthaltsamkeit von Essen, Trinken und Sexualität. Sprachlich bedeutet "saum" jedoch auch Enthaltung von Worten und Taten. "Fasten heißt im Islam nicht hungern oder Diät halten", betont Demir. "Es geht um Dankbarkeit, um die Reinigung von Körper und Seele und darum, sich in Worten und Taten zurückzunehmen."
Fasten habe dabei eine viel ältere Tradition als der Islam selbst. "Schon vor Mohammed wurde gefastet, etwa in der jüdischen und christlichen Überlieferung", sagt Demir. Auch Maria habe laut Koran nach der Geburt Jesu gefastet, indem sie geschwiegen habe. "Fasten ist eine uralte spirituelle Praxis, die alle drei abrahamitischen Religionen verbindet", so der Religionspädagoge, auch als TikTok-Imam "derimamramazan" bekannt. Zwischen Ramadan und christlicher Fastenzeit sieht er große Gemeinsamkeiten: "In beiden Traditionen geht es um innere Reinigung und bewussteres Leben." Nicht nur der Magen, sondern "Gedanken, Zunge und Herz" stünden im Mittelpunkt. Auch im Islam gelte: Wer nur auf Essen verzichte, aber nicht auf Lüge, Verletzung oder Egoismus, habe den Sinn des Fastens verfehlt.
Zum Fasten verpflichtet seien gesunde erwachsene Musliminnen und Muslime. Kranke, Reisende, Schwangere, Stillende und Kinder seien ausgenommen. "Gott will nicht, dass jemand sich schadet", unterstreicht Demir. Kinder bis zur religiösen Mündigkeit müssten nicht fasten. In vielen Familien werde dennoch gemeinsam über Formen der Teilnahme gesprochen. "Manche Kinder fasten ein paar Stunden oder haben einen Ramadan-Kalender, ähnlich wie ein Adventkalender. Es soll Freude machen, keinen Druck", so der Autor des Buchs "Allahs mächtige Influencer. Wie TikTok-Islamisten unsere Jugend radikalisieren".
Der Monat Ramadan - der 2026 bis 19. März dauert - sei stark gemeinschaftlich geprägt. "Der Ramadan stärkt die Kultur des Teilens", so Demir, der etwa das abendliche Fastenbrechen (Iftar) in Familien oder mit Nachbarn nennt. In Moscheen gebe es gemeinsames Gebet, Koranlesungen und Essen. In Traiskirchen würden während des Ramadan mehr als 1.000 Mahlzeiten an Flüchtlinge ausgegeben. "Der Ramadan schärft den Blick für die Menschen in der Umgebung. Teilen gehört zum Kern dieses Monats."
Für den schulischen Alltag plädiert Demir für Dialog und Augenmaß. Manche Jugendliche wollten fasten, auch wenn Eltern skeptisch seien. Demir plädiert für einfühlsame Gespräche: Zwang zu oder gegen Fasten widerspreche dem Islam. Gleichzeitig seien Schülerinnen und Schüler bei Krankheit, Schulwochen oder starker Belastung vom Fasten befreit. Für Lehrkräfte gebe es Leitfäden des Schulamts der Islamischen Glaubensgemeinschaft zur Orientierung.
Der zeitgleiche Beginn von Ramadan und christlicher Fastenzeit könne für Österreich eine besondere Chance sein, so Demir. "Wenn Menschen merken, dass ihre Nachbarn zur selben Zeit verzichten, beten und sich besinnen, entsteht Respekt." Fasten erinnere, dass der Mensch mehr sei als Konsum und Leistung, "und diese Botschaft verbindet Religionen über alle Unterschiede hinweg".
Wann der muslimische Fastenmonat beginnt, hängt mit dem Erscheinen des neuen Mondlichts zusammen. Viele Kalender nennen für dieses Jahr den 18. Februar. Wissenschaftler in Abu Dhabi rechnen mit einer Verschiebung.